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12.10.2010

Hinter Erstickungsgefühl und Schweißausbruch kann eine Panikattacke stecken

Personen, die eine Panikattacke haben, erleben einen Zustand mit einer mehr oder weniger ausgeprägten körperlichen und psychischen Alarmreaktion, die mit Schwäche, Schwankschwindel, Herzrasen, Sehstörungen und Beklemmung einhergehen kann.

Plötzliche Atemnot, ein Engegefühl in Brust und Kehle sowie ausbrechender Schweiß und Schwindel können als Symptome einer Panikattacke auftreten. „Personen, die eine Panikattacke haben, erleben einen Zustand mit einer mehr oder weniger ausgeprägten körperlichen und psychischen Alarmreaktion, die mit Schwäche, Schwankschwindel, Herzrasen, Sehstörungen und Beklemmung einhergehen kann“, schildert Prof. Fritz Hohagen von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin das Erscheinungsbild dieser Form der Angststörung. „Während bei manchen Betroffenen körperliche Symptome überwiegen, stehen bei anderen psychische im Vordergrund. Das können dann beispielsweise starke Angstgedanken sein oder auch das Gefühl „neben sich zu stehen“. Zuweilen wird auch die Umgebung als fremd und unwirklich wahrgenommen.“ Typisch ist, dass sich die spontanen Anfälle in wenigen Minuten steigern und dann von alleine wieder abklingen. Bei einigen Personen können sich die Panikattacken allerdings auch über einen längeren Zeitraum - bis zu mehreren Stunden - mit abgeschwächten Symptomen erstrecken. Panikattacken treten oft im Rahmen einer so genannten Agoraphobie auf, bei der es zu intensiven Ängsten außerhalb der eigenen vier Wände also im öffentlichen Raum kommt.  Das kann etwa in Menschenmengen, bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder beim Autofahren sein. Panikattacken, die nicht durch spezifische Situationen oder Umstände ausgelöst werden, treten seltener auf.

In vielen Fällen erkennen die Betroffenen die Symptome nicht als Auswirkung einer Panikattacke. Sie vermuten eine organische Ursache, wie etwa einen Herzinfarkt, was die Panik weiter antreibt. „Durch die heftige Reaktion des vegetativen Nervensystems, wird die Situation als sehr quälend und manchmal sogar lebensbedrohlich erlebt – zumal es keine tatsächliche äußere Bedrohung gibt“, erläutert Prof. Hohagen, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck. In der Folge entwickeln Betroffene oft eine „Angst vor der Angst“, also Furcht und Sorge vor dem Auftreten weiterer Attacken. Patienten mit Panikattacken leiden in der Regel auch unter wiederkehrenden Anfällen.

Menschen entwickeln oftmals dann Panikattacken, wenn sich ihre Lebensumstände negativ verändern. Das kann eine Trennung sein, die Diagnose einer schweren anderen Erkrankung, der plötzliche Tod eines nahen Angehörigen oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Wenn Betroffene nicht in der Lage sind, derartige Stresssituationen günstig zu bewältigen, kann der Körper mit entsprechenden angstgeprägten Attacken reagieren. Panikattacken gehören zu den Angsterkrankungen und können mit Medikamenten und Psychotherapie behandelt werden. „Es gibt eine Reihe von wirkungsvollen psychiatrisch-psychotherapeutischen Therapiemöglichkeiten mit denen Betroffenen dauerhaft geholfen werden kann. Vorraussetzung dafür ist, der Ausschluss körperlicher Ursachen für die Beschwerden und das Akzeptieren der Erkrankung“, so der Experte.

In Deutschland nehmen Panikattacken nach Angaben der Techniker Krankenkasse zu. Am häufigsten leiden die Saarländer unter der Angststörung mit 22 Fällen je 100.000 Einwohner gefolgt von Rheinland-Pfälzern mit je 20 Fällen. Berliner bekamen mit 11 Fällen je 100.000 Einwohner am seltensten die Diagnose Panikstörung.

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