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28.03.2018

Frühjahrsmüdigkeit: Frühes Tageslicht hilft gegen Schlafstörungen und Erschöpfung

Mit der länger werdenden Tagesdauer und zugleich kürzeren Nachtdauer sind wir veränderten Lichtverhältnissen ausgesetzt, die den Stoffwechsel und den Hormonaushalt beeinflussen. Der Organismus benötigt ein wenig Zeit, um sich auf die veränderten Umweltweltbedingungen einzustellen. Dabei kann man ihn ein Stück weit unterstützen.

Mit Frühlingsbeginn fühlen sich manche Menschen plötzlich unfit und energielos und leiden unter der so genannten Frühjahrsmüdigkeit. Dabei handelt es sich in der Regel nicht um ein Beschwerdebild von Krankheitswert, sondern um Umstellungsprozesse des biologischen Rhythmus des Menschen – zu denen auch die Zeitumstellung beiträgt. Bei einem kleinen Teil der Betroffenen kann sich allerdings auch eine behandlungsbedürftige saisonale Depression hinter den Symptomen verbergen.
Mit der länger werdenden Tagesdauer und zugleich kürzeren Nachtdauer sind wir veränderten Lichtverhältnissen ausgesetzt, die den Stoffwechsel und den Hormonaushalt beeinflussen. „Es werden mit dem Frühjahr vermehrt Endorphine ausgeschüttet, die einen aktivierenden Effekt haben – zugleich aber auch zu einer intensiveren Erschöpfung beitragen. Zudem weiten sich die Blutgefäße aufgrund der höheren Temperaturen, wodurch der Blutdruck sinkt“, erklärt Prof. Thomas Pollmächer von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) mit Sitz der Gesellschaft in Berlin. „Bis sich der Organismus dran gewöhnt hat, wächst das Schlafbedürfnis und kann zu Tagesmüdigkeit führen sowie auch zu nächtlichen Schlafstörungen.“ Gleichzeitig kann vorrübergehend eine Befindlichkeitsstörung mit Antriebslosigkeit, Gereiztheit und Kopfschmerzen auftreten. Schwindel und Kreislaufprobleme können zeitweise belasten. Weil Menschen unterschiedlich stark auf die veränderten Lichtverhältnisse reagieren, ist die Frühjahrsmüdigkeit auch unterschiedlich stark ausgeprägt.

Körper bei Umstellungsprozessen unterstützen

Der Organismus benötigt ein wenig Zeit, um sich auf die veränderten Umweltweltbedingungen einzustellen. Dabei kann man ihn ein Stück weit unterstützen. „Um sich an die neuen Lichtverhältnisse zu gewöhnen, ist es gut, den Körper auch damit zu konfrontieren. Vor allem nach dem Aufstehen ist es vorteilhaft, raus zu gehen und sich dem Sonnenlicht auszusetzen. Zieht man dies ein bis zwei Wochen durch, kann sich das auf den Nachtschlaf positiv auswirken und damit auch die Tagesmüdigkeit verringern“, rät Prof. Pollmächer. „Insgesamt ist es förderlich, sich bei jeder Witterung möglichst viel an der frischen Luft zu bewegen und Sonnenlicht zu tanken. Dabei sollte man sich allerdings auch angemessen verhalten und Sonnenbrände vermeiden, denn die Haut ist an das UV-Spektrum des Frühlings noch nicht adaptiert.“ Mit dem Einsetzen der Dunkelheit sollte man sich weniger Kunstlicht aussetzen und bei Tablett- oder Smartphone-Nutzung die blaulichtarme Nachtbeleuchtung zu aktivieren.

Hinter starken und anhaltenden Beschwerden kann Depression stecken

Bei manchen Personen kann es zu einer depressiven Episode mit deutlichen Symptomen kommen – einer saisonalen Depression (SAD). „Eine sehr labile emotionale Befindlichkeit und starke Einschränkungen der Leistungsfähigkeit können auf eine Depression hindeuten. Wenn die Symptome über zwei Wochen andauern, sollte man den Hausarzt aufsuchen. Er kann gegebenenfalls an einen Psychiater überweisen, um abzuklären zu lassen, ob sich eine saisonale Depression oder auch eine echte Depression handelt“, betont der Experte.

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