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17.12.2012

Chronischer Stress schwächt das Immunsystem

Eine über längere Zeit andauernde Stresssituation wirkt sich nicht nur nachteilig auf die seelische Gesundheit aus sondern beeinträchtigt auch das Immunsystem.

Eine über längere Zeit andauernde Stresssituation wirkt sich nicht nur nachteilig auf die seelische Gesundheit aus sondern beeinträchtigt auch das Immunsystem. „Es gibt eine wechselseitige Beeinflussung von Zentralnervensystem, Psyche und Immunsystem“, erläutert Prof. Norbert Müller von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. „Dies bedeutet, dass sich die seelische Verfassung eines Menschen auf seine Immunabwehr auswirkt. Wer unter chronischem Stress leidet, ist deshalb häufig anfällig für Infektionen. Auf der anderen Seite können körperliche Erkrankungen aber auch zu psychischen Krankheitssymptomen führen.“ Chronischer Stress durch Arbeitsüberlastung im Berufsleben oder vor Prüfungen, durch familiäre Probleme, traumatische Erlebnisse und andere über längere Zeit andauernde psychische Belastungen hat ein Absinken von bestimmten Substanzen des Immunsystems zur Folge, die der Abwehr von Krankheitserregern dienen. Gleichzeitig werden Stresshormone ausgeschüttet, die eine angemessene Immunantwort des Organismus unterdrücken. „Der Organismus kann dann nicht mehr mit der notwendigen Schlagkraft Krankheitserreger bekämpfen“, so Müller. „Neben einer erhöhten Infektionsanfälligkeit kann auch das Entstehen neuer Krankheiten und eine Verschlechterung bereits bestehender Erkrankungen begünstigt werden. Psychischer Stress verschlimmert beispielsweise häufig chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Asthma, Arthritis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“ Die negativen Auswirkungen von Stress auf das Immunsystem treten auf, wenn die Stress auslösenden Faktoren über einen längeren Zeitraum auftreten und sie von den Betroffenen als belastend und bedrohlich wahrgenommen werden. Dagegen kann bei akutem Stress, der nur wenige Minuten bis Stunden andauert, die Aktivität des Immunsystems sogar gesteigert werden. Beispiele hierfür sind plötzlich auftretende Gefahrensituationen, aber auch der Fallschirmspringer unmittelbar vor seinem ersten Sprung oder der Fußballtrainer vor Anpfiff des Spiels. Hier steigen die Werte für bestimmte Immunzellen in der akuten Stresssituation sogar stark an, um kurze Zeit später wieder schnell abzufallen. „Die Auswirkungen von Stress auf das Immunsystem sind davon abhängig, wie lange die Situation andauert und wie sie von dem Betroffenen subjektiv empfunden wird“, betont Müller, der als stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig ist. Gelingt es, chronischem Stress vorzubeugen oder belastenden Stress schnell abzubauen, hat dies auch einen positiven Effekt auf das Immunsystem. Hier hilft jede Form von Bewegung und die Kräftigung der Muskulatur, beispielsweise durch Krafttraining, da Muskelzellen für einen schnellen Abbau von Stresshormonen sorgen und damit deren hemmende Funktion auf das Immunsystem ausschalten. Zudem gibt es psychische Faktoren, die das Immunsystem positiv beeinflussen. Zu ihnen gehören eine optimistische Lebenseinstellung, ein höheres Selbstwertgefühl und gute soziale Bindungen. „Gute soziale Kontakte und Unterstützung geben Anerkennung, Selbstbewusstsein, Sicherheit und das Gefühl, einer Gruppe anzugehören“, erklärt der Psychiater und Psychotherapeut. „Untersuchungen haben gezeigt, dass sich in psychisch belastenden Situationen gute soziale Beziehungen stabilisierend auf das Immunsystem auswirken.“ Ein weiterer wichtiger psychischer Einflussfaktor sind positive Gefühle wie Fröhlichkeit, Begeisterung und Dankbarkeit. Sie wirken günstig auf die Effektivität und Regulierung des Immunsystems und können sogar zu schnelleren Heilungserfolgen nach Verletzungen oder Operationen beitragen. Die Pressemeldung der DGPPN ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung freigegeben.Bitte weisen Sie bei Verwendung im Printbereich auf das Informationsportal der DGPPN, www.psychiater-im-netz.de, hin. Bei Online-Veröffentlichung erbitten wir eine Verlinkung auf die Website.