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07.08.2018

Cannabis: Medizinische Anwendung ist klar von riskantem Freizeitgebrauch zu unterscheiden

Cannabis gilt als weiche und vermeintlich harmlose Droge. Dieses Vorurteil darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Cannabis-Produkte abhängig machen können und das Auftreten weiterer psychischer Erkrankungen fördern. Auch wenn Cannabis nun in der Medizin eingesetzt wird, sollte man nicht den Rückschluss ziehen, es handle sich um eine harmlose Droge mit überwiegend positiven Effekten auf die Gesundheit.

Derzeit ist Cannabis, verglichen mit den Konsumraten von Alkohol und Tabak, keine Alltagsdroge in Deutschland. Dennoch handelt es sich um die am häufigsten konsumierte illegale Substanz. Rund 4,5 Prozent der Erwachsenen konsumieren die Droge innerhalb eines Jahres, wobei etwa 3,7 Prozent der jungen Erwachsenen dies regelmäßig tun. In der Medizin ist Cannabis seit einiger Zeit eine Option zur Behandlung von schwerkranken Menschen. Die Therapie wird u.a. bei Patienten eingesetzt, deren Schmerzbehandlung oder auch Behandlung von Bewegungsstörungen bislang unzureichend wirksam war - mit dem Ziel, die Lebensqualität zu verbessern. „Neben neuropathischen und spastischen Schmerzen können Cannabis-Medikamente auch bei Appetitlosigkeit, Abmagerung und Schlafstörungen eingesetzt werden - sofern Standardtherapien ausgeschöpft sind. Cannabis wird also als so genannte «Add-on-Therapie » versucht, wenn andere Behandlungsformen bei schwer kranken Menschen unzulänglich wirksam waren“, berichtet Prof. Andreas Heinz von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) mit Sitz in Berlin. Von einem breiten Einsatz von Cannabis-Arzneien ist man derzeit noch sehr weit entfernt, insbesondere weil aussagekräftige Studien - auch über die Langzeitfolgen - fehlen und Untersuchungen mitunter widersprüchliche Ergebnisse liefern.

Nichtmedizinischer Cannabis-Gebrauch birgt erhebliche Risiken

Cannabis gilt als weiche und vermeintlich harmlose Droge. Dieses Vorurteil darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Cannabis-Produkte abhängig machen können und das Auftreten weiterer psychischer Erkrankungen fördern. Auch wenn Cannabis nun in der Medizin eingesetzt wird, sollte man nicht den Rückschluss ziehen, es handle sich um eine harmlose Droge mit überwiegend positiven Effekten auf die Gesundheit. Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) gelten als pharmakologisch besonders wirksame Bestandteile, wobei THC die psychoaktive Komponente ist und CBD ein breiteres Spektrum therapeutisch relevanter Effekte hat. Im Rahmen medizinisch notwendiger Therapieversuche werden ausschließlich Fertigarzneimittel sowie medizinal-Cannabisblüten oder Cannabisextrakte in pharmazeutischer Qualität eingesetzt. Dabei ist die Schwankungsbreite der verschiedenen Inhaltsstoffe begrenzt und Cannabis-Patienten haben eine Sicherheit hinsichtlich der ärztlich verschriebenen Dosis und Wirkstoffe. „In Apotheken erhältliche, vom Arzt verschriebene Arzneimittel sind eindeutig identifizierbar und werden über ihren THC- und CBD-Gehalt definiert“, erklärt der Psychiater. „Produkte die auf dem Schwarzmarkt erworben werden, sind hingegen mit großen Unsicherheiten für den Konsumenten behaftet, weil Wirkstoffkonzentrationen völlig unklar sind und auch synthetische Cannabinoide oder andere Zusatzstoffe beigemischt sein können.“ Auch wird bei medizinischer Anwendung von Cannabis von der Inhalation nach Verbrennung als Joint wegen möglicher Gesundheitsschäden ganz explizit abgeraten. Beim Freizeitgebrauch werden Cannabis-Produkte hingegen oft geraucht, was ein gesundheitliches Risiko durch Verbrennungsprodukte sowie gegebenenfalls auch Tabakbeimischungen mit sich bringt.

Cannabis ist der häufigste Grund für eine erstmalige Drogentherapie in Deutschland. Jeder zehnte Cannabis-Konsument entwickelt eine behandlungsbedürftige Abhängigkeitserkrankung. Längerfristiger Konsum von Cannabis kann neben einer Abhängigkeit auch zu weiteren psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder Psychosen beitragen. Für letztere haben insbesondere Jugendliche ein erhöhtes Risiko, wenn ein exzessiver Konsum und zusätzlich weitere Belastungsfaktoren vorliegen.

Quellen: