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15.11.2018

Bei Angststörungen ist Psychotherapie oft hilfreich

Wenn Sorgen und Ängste den Alltag bestimmen ohne dass eine besondere Gefahr besteht, könnte dies auf eine generalisierte Angststörung hinweisen. Durch Psychotherapie kann die Angst auf ein erträgliches Maß reduziert und besser kontrolliert werden.

Eine Angststörung liegt vor, wenn sich Menschen übermäßig sorgen und dabei intensive Ängste entwickeln. Grundsätzlich ist das „sich Sorgen machen“ völlig normal beispielsweise, wenn es um die eigene Gesundheit oder die von Angehörigen geht. Dieses Verhalten trägt dazu bei, wachsam, vernünftig und vorausschauend zu sein. Nehmen Sorgen allerdings einen sehr großen Raum im Alltag ein, treten sie häufiger auf, erscheinen sie schwer kontrollierbar und werden sie von intensiven Ängsten begleitet, könnte es sich um eine Angststörung handeln. „Menschen mit einer generalisierten Angststörung leiden unter einem ständigen Gefühl der Besorgtheit und Anspannung im Hinblick auf alltägliche Ereignisse und Probleme. Es geht dabei vornehmlich um Dinge, um die sich auch andere Menschen sorgen, wie beispielsweise die Gesundheit, die wirtschaftliche oder auch berufliche Situation. Allerdings ist ihre Sorge extrem stark ausgeprägt und beeinträchtigt ihren Alltag in erheblichem Masse“, erläutert Dr. med. Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater mit Sitz in Krefeld.

Angst haben ohne tatsächlich gefährdet zu sein

„Entscheidend ist dabei, dass die Betroffenen sich übermäßig sorgen und Ängste entwickeln, obwohl tatsächlich keine besondere Gefahr besteht. Außerdem können sie ihr Angstgefühl kaum oder gar nicht kontrollieren“, so die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Für solche Ängste im Alltag kann es auch Auslöser geben. Dies können Berichte über Unfälle, Katastrophen, Krankheiten oder soziale Konflikte sein. Solche auslösenden Faktoren versuchen die Betroffenen zu vermeiden oder, wenn das nicht möglich ist, sie erkundigen sich häufig bei ihren Angehörigen, ob es ihnen gut geht und alles in Ordnung ist. Für die Angehörigen ist das häufig belastend und es kann zu sozialen Konflikten kommen.

Besseren Umgang mit Ängsten erlernen

Gibt es Anzeichen, die auf eine generalisierte Angststörung hinweisen, sollte ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aufgesucht werden. Zur Therapie generalisierter Angststörungen können psychotherapeutische Maßnahmen oder auch Medikamente wie beispielsweise Antidepressiva eingesetzt werden. Das Ziel beider Behandlungen ist es, die Angst auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. „Mit Psychotherapie können Betroffene lernen, ihre Ängste besser zu kontrollieren und sie als weniger überwältigend zu erleben“, erklärt Dr. Roth-Sackenheim. „Für die medikamentöse Behandlung kommen bestimmte Antidepressiva in Frage, die wegen ihrer angstlösenden Wirkung verabreicht werden können.“ Auf Beruhigungsmittel sollte wenn möglich verzichtet werden, da sie ein Abhängigkeitspotential besitzen. Auch das Erlernen von Entspannungstechniken kann hilfreich sein. Durch sie können körperliche Beschwerden, die häufig begleitend zu einer generalisierten Angststörung auftreten, abgemildert und Anspannungszustände abgebaut werden. Nicht selten leiden auch die Angehörigen unter den Problemen der Patienten. In diesen Fällen können sie sich an Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder auch an einen Psychiater und Psychotherapeut wenden.

Angst erleben auch mit körperlichen Symptomen

Bei einer generalisierten Angststörung ist das starke, anhaltende Erleben von Sorgen und Ängsten nicht an bestimmte Situationen, Objekte oder Tiere gekoppelt. Stattdessen werden ganz allgemein Alltag und Umwelt als bedrohlich und permanentes Risiko empfunden. Die Angst tritt nicht anfallsartig auf, sondern ist ständiger Begleiter. Neben den psychischen Symptomen, die sich vorwiegend in einem durch übermäßige Ängste und Sorgen geprägten Verhalten ausdrücken, können auch körperliche Begleitsymptome auftreten. „Ganz typische körperliche Beschwerden, die mit Angststörungen einhergehen, sind Herzklopfen, Schweißausbrüche, Beklemmungen, Muskelverspannungen sowie Hitze- und Kälteschauer“, sagt Dr. Roth-Sackenheim. In jedem Fall sollte zunächst eine eingehende körperliche Untersuchung vorgenommen werden, um mögliche körperliche Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. Treten Besorgnis, Ängste und Anspannung sowie die typischen körperlichen Symptome über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten auf, weist dies auf eine generalisierte Angststörung hin.

In Deutschland erkranken etwa 5 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens an einer generalisierten Angststörung. Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

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