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09.12.2014

Alzheimer-Früherkennung nur bei nachlassender Gedächtnisleistung angeraten

Unter Früherkennung von Alzheimer versteht man das Bemühen, den Krankheitsprozess in einem Entwicklungsstadium zu entdecken, in dem noch keine oder nur geringfügige Symptome aufgetreten sind. Die Alzheimer-Erkrankung ist heutzutage zwar noch nicht heilbar und nur begrenzt behandelbar, doch bringt die Früherkennung einer nachlassenden Hirnfunktion für bestimmte Personengruppen Vorteile mit sich.

„Gedächtnisprobleme treten nicht nur im Rahmen von dementiellen Erkrankungen wie etwa der Alzheimer-Erkrankung auf, sondern können auch Symptom anderer Erkrankungen sein, die gut behandelbar oder auch heilbar sind. Eine frühe Diagnose und gezielte Behandlung solcher anderer Krankheiten ist dann für den weiteren Erkrankungsverlauf wichtig. Beispielsweise können Gedächtnisprobleme auch im Rahmen einer Depression auftreten. Depressionen sind heutzutage sehr gut behandelbar, weswegen es sinnvoll ist, auftretende Beschwerden zu einem möglichst frühen Zeitpunkt abklären zu lassen“, rät Prof. Dr. med. Frank Jessen von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), die ihren Sitz in Berlin hat. „Daneben können auch andere Störungen und Erkrankungen wie unter anderem eine Unterfunktion der Schilddrüse, ein Vitamin-B12- oder ein Folsäuremangel sowie Erkrankungen der Nieren, der Leber und der Bauchspeicheldrüse Symptome einer Demenz zeigen.“ Bei entsprechenden Beschwerden sind daher Früherkennungsmaßnahmen sinnvoll, um gut behandelbare Ursachen einer nachlassenden Hirnleistung frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Bei anhaltenden Gedächtnis- oder Wortfindungsstörungen sowie auffallenden Verhaltensstörungen sollte unabhängig vom Alter eine Abklärung der Ursache beim Facharzt erfolgen.

Diagnosestellung im Frühstadium von Alzheimer vorteilhaft

Gut geeignet für die Früherkennung von Alzheimer bei Abnahmen der geistigen Fähigkeiten sind Verfahren der  Bildgebung und Nervenwasseruntersuchungen. Diese helfen das  Vorhandensein einer Alzheimer-Krankheit nachzuweisen. Bestätigt sich die Diagnose Alzheimer im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung, ist dies zunächst eine belastende Nachricht, doch die Diagnose in einem frühen Erkrankungsstadium bringt für die Betroffenen und deren Familie Vorteile mit sich. „Eine Früherkennung der Erkrankung ist für viele Betroffene wichtig, um sich auf die persönliche Zukunft einstellen zu können und die Lebensplanung entsprechend auszurichten. Zudem lässt sich ein Fortschreiten der Erkrankung durch eine frühe Behandlung und Veränderungen des Lebensstils, wie beispielsweise durch vermehrte körperliche und geistige Aktivität sowie eine Ernährungsumstellung möglicherweise günstig beeinflussen. Mit einem umfassenden Therapieplan, der den individuellen Erfordernissen des Patienten angepasst wird, kann  eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden“, ergänzt der Experte. „Darüber hinaus haben Betroffene bei einer frühen Diagnose auch die Möglichkeit, den Zeitraum, in dem sie nur geringfügige Symptome haben zu nutzen, um sich Lebensträume zu erfüllen und sich Zeit für das zu nehmen, was ihnen wichtig ist.“ Nicht zuletzt sind Betroffene zu einem frühen Erkrankungszeitpunkt noch in der Lage, wichtige Regelungen zu treffen und beispielsweise mittels Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, Vorkehrungen einzuleiten für die Zeit, in der sie dazu nicht mehr in der Lage sein werden.

Früherkennung bei gesunden symptomfreie Personen nachteilhaft
Für Menschen, die keinerlei Beschwerden haben besteht kein Anlass, eine Untersuchung zur Früherkennung von Alzheimer wahrzunehmen. „ Die heutigen Verfahren erlauben keine Vorhersage einer Demenz bei gesunden Personen.  Ganz gesunden Menschen muss man daher von einer Alzheimer-Diagnostik abraten“, meint Prof. Jessen, stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie und psychiatrischer Leiter des interdisziplinären Klinischen Behandlungs- und Forschungszentrums (KBFZ) für neurodegenerative Erkrankungen am Universitätsklinikum Bonn. Eine Ausnahme bilden Personen aus Familien, in denen die Alzheimer-Erkrankung gehäuft auftritt und dies auch bereits in jungen Jahren - etwa zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Hierbei kann es sich um eine erblich bedingte Form der Alzheimer-Krankheit handeln, die auf eine genetische Mutation zurückgeht. In diesen Fällen sollten sich Betroffene ausführlich informieren und zu dem Nutzen und den Nachteilen einer Früherkennungsuntersuchung beraten lassen.

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