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23.09.2013

Alkohol fördert Durchschlafstörungen

Bereits mäßiger Konsum von Alkohol vor dem Einschlafen kann dazu führen, dass sich die Schlafzeit verkürzt und sich die Qualität des Schlafes verschlechtert. Schlafstörungen mit Alkohol zu bekämpfen ist daher keine sinnvolle Lösung.

Alkoholkonsum am Abend

Alkohol kann die Schlafqualität beeinträchtigen

Bereits mäßiger Konsum von Alkohol vor dem Einschlafen kann dazu führen, dass sich die Schlafzeit verkürzt und sich die Qualität des Schlafes verschlechtert. Schlafstörungen mit Alkohol zu bekämpfen ist daher keine sinnvolle Lösung, da sich Schlafprobleme weiter verstärken können. „Alkohol kann zwar in der ersten Nachthälfte einen stabilisierenden Effekt auf den Schlaf haben und auch zunächst das Einschlafen beschleunigen. In der zweiten Nachthälfte kann jedoch ein gegenteiliger Effekt mit gehäuften Wachphasen auftreten, wodurch sich die Schlafdauer insgesamt verkürzt“, warnt Prof. Thomas Pollmächer von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) mit Sitz in Berlin. „Mit der Anzahl der Aufwachreaktionen im Schlaf nimmt auch die Schlafqualität ab, weil die jeweiligen Schlafphasen unterbrochen werden. Von mäßigem bis hohem Alkoholkonsum ist bekannt, dass hierdurch der Anteil an so genannten Rem-Schlafphasen verkürzt wird.“ In höheren Dosen kann Alkohol darüber hinaus die Atmung beeinträchtigen, was zu Schnarchen und im schlimmeren Fall zu Schlafapnoe führen kann. Bei der Schlafapnoe kommt es zu Atemaussetzer während des Schlafes, die den Körper in extremen Stress versetzen. Dadurch kann eine erhöhte Tagesmüdigkeit auftreten, aber auch das Risiko für die Entwicklung von Herz-Kreislauferkrankungen steigen.

Man nimmt heutzutage an, dass dauerhafter Mangel an gesundem Schlaf schwerwiegende Konsequenzen für die Gesundheit haben kann. „In jüngerer Zeit mehren sich die Hinweise, dass chronische Schlafstörungen ein Risikofaktor für die Entwicklung von Diabetes mellitus sein können. Schlafstörungen beeinträchtigen zudem die seelische Stabilität und können zu psychiatrischen Erkrankungen - wie zu Depressionen - führen“, berichtet Prof. Pollmächer, Direktor des Zentrums für psychische Gesundheit am Klinikum Ingolstadt. „Darüber hinaus können Schlafstörungen auch das Immunsystem schwächen.“ Umgekehrt gibt es Hinweise, dass gesunder Schlaf - also ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf - ganz wesentlich zur Gesundheit beiträgt.

Die täglich notwendige Schlafdosis ist zu einem großen Anteil genetisch bestimmt und individuell verschieden. Bei den meisten Menschen beträgt sie zwischen 7 und 8 Stunden. Im Alter benötigt man weniger Schlaf. „Schlafstörungen äußern sich entweder in dem Gefühl, schlecht ein- oder durchzuschlafen zu können, oder aber in dem Gefühl, tagsüber vermehrt müde zu sein. Beide Beschwerdekomplexe können auch gleichzeitig auftreten“, führt der Experte aus. „Unausgeglichenheit, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen und Leistungseinbußen können Hinweise auf eine Schlafstörung sein. Dauern Schlafstörungen länger als 3 bis 4 Wochen an, sollte zunächst eine Abklärung durch den Hausarzt erfolgen. Er kann dann gegebenenfalls in ein schlafmedizinisches Labor überweisen.“ Schlafstörung sollten nicht auf eigene Faust mit Schlafmitteln behandelt werden, da viele dieser Arzneimittel Nebenwirkungen haben und ihre Einnahme einer ärztlichen Kontrolle bedarf.

Häufige Störfaktoren, die das Schlafen beeinträchtigen können, sind ein zu voller oder zu leerer Magen, Koffein- oder Nikotin-Genuss, sowie körperlich anregende Tätigkeiten vor dem Zubettgehen. Positiv auf das Einschlafen wirken sich Entspannungsverfahren aus, sowie ausreichende körperliche Aktivität am Tag. Auch eine gute Schlafhygiene ist wichtig, um im Bett zu Wohlbefinden und Ruhe zu finden. Im Schlafzimmer sollte frische und kühle Luft vorherrschen, es empfiehlt sich eine Raumtemperatur von 14° bis 18°C.

Quelle: Alcohol and Sleep I: Effects on Normal Sleep, Irshaad O. Ebrahim, Colin M. Shapiro, Adrian J. Williams, Peter B. Fenwick, Alcoholism: Clinical and Experimental Research, Volume 37, Issue 4,  pages 539`–549, April 2013DOI: 10.1111/acer.12006 (http://dx.doi.org/10.1111/acer.12006) -----------------------------------------------------------------------------------

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