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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Eine Depression ist viel mehr als eine nachvollziehbare Reaktion auf schwierige Lebensumstände

Der Begriff Depression wird im Alltag häufig verwendet, um normale Schwankungen des Befindens und vorübergehende Phasen von Unlust oder Missmut zu beschreiben. Diese umgangssprachliche Verwendung des Begriffs ist irreführend und trägt dazu bei, die Erkrankung und ihren Krankheitswert zu verharmlosen. Auch die Notwendigkeit einer medizinischen Behandlung zur Überwindung einer Erkrankung kann dadurch in den Hintergrund treten. „Depressionen sind in ihrer Ausprägung und in ihrem Verlaufsmuster sehr individuell. Es wird zwischen leichten, mittelschweren und schweren Depressionen unterschieden. Typische Symptome wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten können kurzfristig sehr schwer auftreten und einen Arztbesuch geradezu erzwingen, weil Betroffenen die Bewältigung des Alltags nicht mehr möglich ist. Depressionen können aber auch schleichend auftreten und schwanken oder über einen langen Zeitraum nur schwach ausgeprägt sein, aber dennoch einen Krankheitswert haben“, erklärt Frau Dr. Hauth von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. Gerade bei einem weniger schwer ausgeprägten, lang anhaltenden Krankheitsbild (Dysthymie) zögern Betroffene oft, einen Facharzt aufzusuchen. Auch das Umfeld unterschätzt den Leidensdruck, wodurch eine notwendige medizinische Behandlung hinausgezögert werden kann oder gar unterbleibt.
Eine echte Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln von Betroffenen beeinflusst und somit auch die Reaktionen der Erkrankten auf ihre alltäglichen Erlebnisse und ihre Lebensumstände. Meist geht die Depression gleichzeitig mit belastenden Störungen von Körperfunktionen einher, wie unter anderem Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Schmerzen.

Depression wird oft als Reaktion auf widrige Lebensumstände reduziert

Obwohl viele Menschen im Laufe ihres Lebens von Depression betroffen sind – entweder direkt aufgrund einer eigenen Erkrankung oder indirekt als Angehöriger oder Freund -, existieren immer noch viele Vorurteile und gibt es viel Unwissen bezüglich der Erkrankung. Aus Umfragen ist bekannt, dass die Depression vor allem als Reaktion auf widrige Lebensumstände angesehen wird. Dabei wird übersehen, dass es sich bei depressiven Erkrankungen um eine eigenständige psychische Krankheit handelt, die medizinisch behandelt werden muss. „Eine Depression ist mehr als eine mögliche verständliche Reaktion auf schwierige Lebensumstände, auf Stress im Beruf oder Privatleben. Chronische Belastungen wie eine dauerhafte Überforderung am Arbeitsplatz oder eine konfliktreiche Partnerschaft, aber auch belastende Lebensereignisse wie der Verlust von Menschen oder ein schweres Trauma können aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an einer Depression zu erkranken“, ergänzt Dr. Hauth. „Zu wenig bekannt ist, dass der Depression biologische Ursachen zugrunde liegen, wie eine veränderte Aktivität von Gehirnbotenstoffen oder Stresshormonen. An der Entwicklung von Depressionen sind zudem eine ganze Reihe von Genen beteiligt.“ Eine erbliche Veranlagung bedeutet aber nicht, dass ein Mensch zwangsläufig an einer Depression erkrankt.

Hinweise auf Depression sind unbeeinflussbare Beschwerden und Symptome

Depressionen rufen ein Leidens- oder Krankheitsgefühl hervor, welches mindestens zwei Wochen lang unverändert und unbeeinflussbar anhält. Haben Menschen das Gefühl, Symptome einer Depression an sich zu bemerken, können sie ihren Hausarzt ansprechen oder einen Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie aufsuchen. Erste Beschwerden zeigen sich oft in einer schnellen Erschöpfbarkeit, dem Rückzug von Aktivitäten sowie in Antriebslosigkeit und einem Mangel an Freude sowie unterschiedlichen körperlichen Beschwerden. „Je früher eine Hilfestellung und Behandlung erfolgt, umso größer sind die Chancen auf eine Heilung. Depressionen sind relativ gut behandelbar“, betont die Fachärztin. Als Therapie sind nach den aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien stützende Gespräche, Einzel- und Gruppenpsychotherapie empfohlen. Bei mittelschweren und schweren Depressionen wird die Therapie durch antidepressive Medikation, die spezifisch Einfluss auf die Botenstoffe im Gehirn nehmen, ergänzt. Bei der Auseinandersetzung mit Depressionen ist es wichtig, auch das soziale Umfeld der Erkrankten mit einzubeziehen. Betroffene, Angehörige, Verwandte und andere Personen aus dem Umfeld können gemeinsam daran arbeiten, ein Krankheitsbewusstsein und Offenheit in Bezug auf depressive Symptome zu entwickeln. Das hilft allen Beteiligten, die Erkrankung besser zu bewältigen und Probleme im Umgang mit der Erkrankung zu vermeiden oder offen anzusprechen.

Kampagne: Dysthymien blühen nicht im Garten

Auch die Generation PSY-Kampagne nimmt Depressionen in den Blick und möchte auf diese erstzunehmende Erkrankung aufmerksam machen. Mit der Initiative Generation PSY und dem Aufruf „Unsere Gesellschaft braucht junge Psychiater“ wirbt die Fachgesellschaft DGPPN intensiv um Nachwuchs. Herzstück der Nachwuchsinitiative ist das Portal <link www.generation-psy.de - external-link-new-window "Opens external link in new window">generation-psy.de</link>. Es richtet sich an Medizinstudierende sowie an Assistenzärzte und klärt mit lebendiger, bildhafter Sprache über alles Wissenswerte sowie Aktuelles aus dem Bereich Psychiatrie und Psychotherapie auf.

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