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Bei starker Herbst-Winter-Depression zum Facharzt

Bei den meisten Betroffen verlaufen Herbst-Winter-Depressionen eher mild. Ein Teil erlebt jedoch sehr ausgeprägte Symptome, die fachärztlich abgeklärt und behandelt werden sollten.

Nach Schätzungen erleiden in unseren Breiten etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung eine milde Form der saisonalen Depression (auch SAD, von Seasonal Affective Disorder). Betroffene sind dann missgestimmt, verspüren mehr Appetit - insbesondere auf Süßes - und haben das Bedürfnis mehr zu schlafen sowie morgens Schwierigkeiten aus dem Bett zu kommen. Bei weiteren fünf Prozent können ausgeprägte depressive Episoden auftreten, die fachärztlich abgeklärt werden sollten – auch um eine echte Depression auszuschließen. „Schwere saisonale Depressionen können die emotionale Befindlichkeit stark einschränken. Betroffene haben typischerweise eine depressive Stimmungslage, die sich im Verlauf des Winters auch weiter steigert. Daneben treten meist Energielosigkeit und Erschöpfung sowie Angstzustände und eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit auf“, berichtet Dr. Sabine Köhler vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Sitz in Krefeld. „Die Diagnose einer saisonalen Depression wird allerdings erst gestellt, wenn sich die Beschwerden in zwei Jahren wiederholen und zwischenzeitlich keine anderen depressiven Episoden auftreten. Bei einem hohen Leidensdruck oder Problemen bei der Bewältigung des Alltags sollte unbedingt ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aufgesucht werden. Denn es ist auch sehr wichtig abzuklären, ob es sich um eine saisonale Depression oder um eine andere Depressionsform handelt.“ Während bei der saisonalen Form meist Heißhunger, Gewichtszunahme und ein verstärktes Schlafbedürfnis auftreten, sind die typischen Symptome einer «echten» Depression meist Appetit- und Gewichtsverlust sowie Schlafstörungen.

Gute Behandlungsmöglichkeiten bei saisonaler Depression

Zur Behandlung von Herbst-Winterdepressionen stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. „Eine wirkungsvolle Methode zur Symptomlinderung ist die therapeutische Zufuhr von UV-Licht. Bei vielen Betroffenen kommt es dadurch schon nach zwei bis drei Wochen zu einer deutlichen Besserung des Befindens“, betont die Psychiaterin und Psychotherapeutin. „Patienten sollten sich dabei täglich morgens für circa 30 Minuten mit offenen Augen vor eine spezielle Lichtquelle mit einer Intensität von circa 10.000 Lux setzen. Dieses Lichtbad muss dann gegebenenfalls über die gesamte Risikozeit durchgeführt werden.“ Eine weitere therapeutische Möglichkeit ist u.a. die Einnahme einer bestimmten Gruppe von Antidepressiva, den so genannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI). Die Beschwerden bei einer milden Form der saisonalen Depression klingen beim Großteil der Patienten mit den länger werdenden Tagen etwa ab dem Monat März von selbst ab.

Ausreichende Aufnahme von UV-Licht beugt Beschwerden vor

Von einer saisonalen Depression sind vermehrt Menschen im jüngeren Lebensalter betroffen – Frauen deutlich häufiger. Als bedeutender Risikofaktor für die Entwicklung einer saisonalen Depression gilt der vornehmliche Aufenthalt in Innenräumen und damit einhergehende fehlende UV-Licht-Exposition in den Herbst-Winter-Monaten. Daher lässt sich einer SAD oftmals durch eine ausreichende Aufnahme von UV-Licht auch vorbeugen. Hierfür ist bereits ein einstündiger Aufenthalt oder Spaziergang im Tageslicht ausreichend - selbst bei bedecktem Himmel.

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