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News

10.06.2020

Soziale Isolation kann krank machen

Menschen sind soziale Wesen und auf die Gemeinschaft mit anderen angewiesen. Der persönliche Kontakt, Mimik, Gestik und Berührungen kommen während der Corona-Krise aber sehr kurz.

Kontaktsperren und Quarantänemaßnahmen bedeuten soziale Isolation und haben unmittelbar negative psychosoziale Folgen. Ein verantwortungsvolles Corona-Krisenmanagement muss deshalb neben Maßnahmen des Infektionsschutzes auch psychosoziale Strategien zum Schutz der psychischen Gesundheit umfassen.

Menschen sind soziale Wesen und auf die Gemeinschaft mit anderen angewiesen. Der persönliche Kontakt, Mimik, Gestik und Berührung sind oft entscheidend für Wohlbefinden und Gesundheit. Isolations- und Quarantänemaßnahmen, vor allem wenn sie lange andauern und mit Einkommensverlusten und Existenzängsten einhergehen, wirken sich negativ auf die Gesundheit, insbesondere auf die psychische Gesundheit aus. Bei gesunden wie auch psychisch bereits vorerkrankten Menschen können sie zu Depressivität, Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Stress und Wut führen. Langfristig kann soziale Isolation das Gefühl von Einsamkeit und gesellschaftlicher Stigmatisierung verstärken. Aufklärung, Information und Prävention wirken dem entgegen. Deshalb müssen Angebote zum Erhalt und zur Förderung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung aus Sicht der DGPPN integraler Bestandteil eines verantwortungsvollen psychosozialen Corona-Krisenmanagements sein.

„Psychische Gesundheit ist im Umgang mit der Pandemie von entscheidender Bedeutung“, so DGPPN-Präsident Andreas Heinz, „und das nicht nur zur Stärkung der Resilienz und Widerstandskräfte, sondern auch wegen der großen Belastungen, die soziale Isolation für die Allgemeinbevölkerung und insbesondere für Menschen mit psychischen Erkrankungen darstellt. Zwischenmenschliche Begegnungen stabilisieren die Gesundheit. Insofern ist es unabdingbar, neben digitalen Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten auch stationäre und ambulante Behandlungskapazitäten aufrechtzuerhalten und sobald wie möglich wieder hochzufahren. Denn nicht alle Menschen haben Zugang zu internetbasierter Kommunikation. Weiterhin brauchen wir auch mehr Wissen und Forschung zu bestimmten psychischen Aspekten wie Suizidalität, Sucht und Aggressivität als Folge sozialer Isolation. Es ist wichtig, Angebote zu entwickeln, die frühzeitig ansetzen und helfen, Suizide, Suchtentwicklungen und häusliche Gewalt zu verhindern oder zumindest soweit wie möglich zu reduzieren.“

Hintergrund:
Die DGPPN ist Mitglied im Kompetenznetz Public Health zu COVID-19, einem Ad-hoc-Zusammenschluss von über 25 wissenschaftlichen Fachgesellschaften aus dem Bereich Public Health, die ihre methodische, epidemiologische, statistische, sozialwissenschaftliche und (bevölkerungs-)medizinische Fachkenntnis bündeln. Gemeinsam vertreten sie mehrere Tausend Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mehr Informationen:

Coronavirus – Herausforderungen auf allen Ebenen
Kompetenznetz Public-Health COVID-19

Quelle: Pressemitteilung DGPPN