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News

10.10.2017

Das Stigma psychischer Erkrankungen in der Gesellschaft

Aller Aufklärung zum Trotz haben Menschen mit psychischen Erkrankungen auch heute noch mit den Folgen von Stigmatisierung zu kämpfen. Die Angst vor Zurückweisung und Ausgrenzung ist für sie eine enorme Belastung, die sich auch negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken kann.

Es kann jeden treffen: Ob Depression, Angststörung, Demenz oder Posttraumatische Belastungsstörung – in Deutschland leidet beinahe jeder dritte Erwachsene im Zeitraum eines Jahres unter einer psychischen Erkrankung. Doch auch wenn sich das gesellschaftliche Bild schrittweise wandelt, werden Betroffene und ihre Angehörigen vielerorts noch immer stigmatisiert. Auf dem Weltkongress der Psychiatrie diskutieren deshalb heute Experten mit dem Mediziner, Kabarettisten und TV-Moderator Eckart von Hirschhausen, wie Integration und Inklusion gelingen können.

In ihrer Anwesenheit wird abfällig über sie gesprochen, sie gelten als unberechenbar, Freunde brechen den Kontakt ab, Arbeitskollegen ziehen sich zurück. Aller Aufklärung zum Trotz haben Menschen mit psychischen Erkrankungen auch heute noch mit den Folgen von Stigmatisierung zu kämpfen. Die Angst vor Zurückweisung und Ausgrenzung ist für sie eine enorme Belastung, die sich auch negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken kann. Hinzu kommt die Angst davor, Hilfe zu suchen, denn Menschen mit psychischen Erkrankungen passen trotz wichtiger Fortschritte nicht recht in das Bild unserer Leistungsgesellschaft. Hierbei spielen Medien eine nicht zu unterschätzende Rolle: Klischees werden zugunsten von Einschaltquoten und Auflagen oft weiter bedient und komplexe Probleme zu aufmerksamkeitswirksamen Botschaften verdichtet. Gleichzeitig droht eine differenzierte Berichterstattung in der Angebotsflut unterzugehen. Ein Umdenken ist vielerorts bereits zu beobachten, jedoch ist es noch ein weiter Weg bis die gesamtgesellschaftliche Teilhabe und Integration der Betroffenen und Angehörigen in allen Lebensbereichen erreicht ist.

Im Rahmen des Weltkongresses der Psychiatrie beleuchten deshalb internationale Experten gelungene Beispiele für die Inklusion von psychisch erkrankten Menschen und deren Angehörigen in Gesellschaft und medizinischer Versorgung. Vor allem das Recovery-Konzept, das sogenannte Peers – also Betroffene, die ihre psychischen Erkrankungen bereits überwunden haben –  in die Behandlung aktiv einbezieht, hat in den letzten Jahren international weiter an Gewicht gewonnen. Durch die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) ist die Einbeziehung von Personen mit gelebter Erfahrung nun auf allen Planungs- und Entscheidungsebenen gesetzlich vorgeschrieben. Internationale Forschungsergebnisse zur trialogischen Arbeit unterstreichen die Bedeutung der gleichberechtigten Kommunikation zwischen Fachleuten, Betroffenen und ihren Familien für die Genesung einerseits und auch die Entstigmatisierung auf der anderen Seite. Je mehr über psychische Erkrankungen gesprochen wird, desto mehr wird Menschen mit psychischen Erkrankungen der Weg geebnet, um nachhaltig integriert zu werden und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Miteinander teilhaben zu können.

Ein besonderer Stellenwert kommt dabei dem Thema Arbeit zu. Vor allem Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen haben große Schwierigkeiten, auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzukommen. Dabei sind die positiven Effekte von Arbeit auf den Krankheitsverlauf wissenschaftlich belegt. Eine regelmäßige Berufstätigkeit strukturiert den Alltag, ermöglicht Zugehörigkeit und bringt ein Einkommen. Auf dem Weltkongress der Psychiatrie präsentiert die DGPPN deshalb auch eine Neuauflage des 2016 lancierten Teilhabekompasses. Dieser soll dabei helfen, die berufliche Integration gleich zu Beginn einer Behandlung zu initiieren. Die Erstauflage war im vergangenen Jahr innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Nun folgt eine aktuelle Version, welche die Einführung des Bundesteilhabegesetzes mitberücksichtigt. Gleichzeitig wurde auch das Internetportal www.teilhabekompass.de aktualisiert.

Quelle: Pressemitteilung DGPPN