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Depressionstherapie am Computer kann wie persönliche Psychotherapie helfen

In einer großen Meta-Analyse von Studien über digitale Interventionen zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen haben Forschende herausgefunden, dass spezialisierte Computerprogramme bei der Behandlung von Depressionen genauso wirksam sein können wie eine Psychotherapie im persönlichen Kontakt. Menschliche Unterstützung sei allerdings nach wie vor erforderlich, um sicherzustellen, dass die Erkrankten die Behandlung einhalten, erklärt Dr. Lasse B. Sander vom Institut für Psychologie der Universität Freiburg.

Zusammen mit einem Team aus Wissenschaftler:innen der Universität Helsinki, der Universität Ulm, der Vrije Universiteit Amsterdam und der Universität Pavia hat Sander eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zu digitalen Interventionen zur Behandlung von Depressionen aus den Jahren 1990 bis 2020 durchgeführt. Insgesamt bezogen die Forschenden 83 Studien mit 15.530 Personen in die Analyse ein (siehe Psychological Bulletin 2021, Band 147/8, Seite: 749–786).

„Die allermeisten wissenschaftlichen Studien beziehen sich auf gemeinsam mit Expert:innen entwickelte Selbsthilfeprogramme, die von den Patient:innen in wöchentlichen Sitzungen am PC genutzt werden und die zu Verhaltensänderungen im Alltag anweisen“, so Sander. Ein Bereich, in dem mehr Forschung dringend erforderlich sei, so der Freiburger Wissenschaftler, seien Smartphone-Apps: Obwohl mehr als 10.000 Smartphone-Apps für die psychische Gesundheit zum Herunterladen zur Verfügung stehen, fanden die Forschenden nur vier sorgfältig durchgeführte randomisierte Kontrollstudien zur Bewertung ihrer Wirksamkeit. „Psychologische Programme, die am PC über den Browser aufgerufen werden, brauchen in der Regel etwa 60-90 Minuten Bearbeitungszeit pro Sitzung Die Aufmerksamkeitsspanne für Smartphone-Apps liegt hingegen nur bei wenigen Minuten“, betont Sander.

Die COVID-19-Pandemie hat, insbesondere durch Maßnahmen zur Eindämmung, weltweit starke negative Einflüsse auf die psychische Gesundheit. „Modellrechnungen prognostizieren, dass Depressionen bis zum Jahr 2030 die Hauptursache für durch Krankheit verlorene Lebensjahre sein werden. Gleichzeitig erhält jedoch weniger als einer von fünf Betroffenen eine angemessene Behandlung. Ein Hauptgrund dafür ist der Mangel an ausgebildeten Therapeut:innen, um den Bedarf zu decken“, berichtet Sander. Da digitale Interventionen, in denen psychotherapeutische Inhalte in einem Computerprogramm oder einer mobilen App realisiert werden, von vielen Menschen zunehmend angenommen werden, wollten die Wissenschaftler:innen herausfinden, ob diese Angebote herkömmliche persönliche Therapie ergänzen oder ersetzen können, und welche Rolle die menschliche Unterstützung dabei spielt.

Trotz der hohen Wirksamkeit der digitalen Interventionen ist es weiterhin notwendig ist, dass die Behandlung durch menschliche Unterstützung begleitet wird, unter anderem um die Motivation der Therapie aufrechtzuerhalten. Durch digitale Interventionen mit geringfügiger menschlicher Begleitung könnten vergleichbar gute Ergebnisse wie bei einer persönlichen Therapie erzielt werden, so Sander. Doch obwohl die Unterstützung durch einen Menschen notwendig ist, um wirksame Ergebnisse zu erzielen, fanden die Wissenschaftler:innen heraus, dass es keinen Unterschied macht, ob die Unterstützung durch ausgebildete Therapeut:innen oder solchen ohne formale Qualifikation erfolgt. „Das eröffnet viele Möglichkeiten diese Behandlung auch durch geschulte Hilfskräfte zu erweitern,“ schlussfolgert Sander.

Künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und neue technologische Geräte können in Zukunft zudem eine Schlüsselrolle bei der Prävention psychischer Erkrankungen spielen: Smartphone und andere tragbare Geräte produzieren einen kontinuierlichen Strom von Daten über das Verhalten und die Physiologie einer Person. „Dank neuer Methoden zur Nutzung dieser Daten können wir feststellen, ob jemand ein Risiko für die Entwicklung einer psychischen Erkrankung hat. Auf der Grundlage dieser Daten können die Betroffen und ihre therapeutischen Ansprechpartner:innen dann frühzeitig personalisierte Maßnahmen ergreifen, um eine Verschlimmerung der Symptome zu verhindern", meint Isaac Moshe, Doktorand an der Universität Helsinki/Finnland, der die Studie durchführte.

Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau