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14.09.2015

Verwirrtheit und Gedächtnisverlust können im Alter auch auf Epilepsie zurückgehen

Gedächtnisstörungen, Sprachstörungen und kurze Abwesenheitszustände oder Verhaltensänderungen können bei Senioren auf eine bisher unerkannte Epilepsie hinweisen. Viele dieser möglichen Beschwerden können aber auch in Folge von anderen Erkrankungen oder Medikamenten-Nebenwirkungen auftreten und werden deshalb häufig nicht als Ausdruck einer Epilepsie erkannt.

“Im Alter kann je nach beteiligter Hirnregion und Ausdehnung der nervlichen Übererregung ein epileptischer Anfall unterschiedliche Symptome hervorrufen. Das können kurzzeitige Bewusstseinseintrübungen sein wie beispielsweise ein Starren, eine Sprechblockade oder aber auch ein zeitweiliger Gedächtnisverlust oder Verwirrtheit. Im Vergleich zu jüngeren betroffenen Personen treten so genannte «Grand mal-Anfälle», die mit Bewusstseinsverlust, Krämpfen und Zuckungen einhergehen, bei Senioren eher seltener auf“, berichtet Dr. Frank Bergmann vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Sitz in Krefeld. „Weitere Symptome können auch vorübergehende Lähmungserscheinungen oder Missempfindungen sein sowie unspezifische Anzeichen wie Kopfweh und Muskelschmerzen. Den betroffenen Senioren selbst sind die kurzen Ausfälle oft gar nicht bewusst, solange sie dabei nicht hinfallen und sich verletzen.“ Epileptische Anfälle bergen gerade für ältere Menschen eine besonders hohe Verletzungsgefahr. Aufgrund der geringeren Knochendichte im Alter, kann es bei Stürzen schneller zu Knochenbrüchen kommen. Auch das Risiko für Blutungen im Gehirn (z. B. durch ein Schädel-Hirn-Trauma) nach Stürzen, steigt mit zunehmendem Lebensalter.

Spätepilepsie medizinisch umfassend abklären lassen

Im höheren Lebensalter gibt es viele verschiedene Ursachen, die zu einem epileptischen Anfall führen können. Das Auftreten einer Spätepilepsie muss meist diagnostisch umfassend abgeklärt werden. Dabei müssen beispielsweise andere  Ursachen vorübergehender Hirnfunktionsstörungen, insbesondere kurzzeitige Hirndurchblutungsstörungen, Schwindelursachen, Migräne oder Medikamenten-Nebenwirkungen ausgeschlossen werden. „In etwa der Hälfte der Fälle bei Senioren sind Durchblutungsstörungen des Gehirns oder vorangegangene Schlaganfälle die Ursachen von Epilepsie. Zwischen 3 bis 10 Prozent der Schlaganfall-Patienten entwickeln nach einem Schlaganfall diese Erkrankung, weil Narben und teilweise auch Blutabbauprodukte im Hirn verbleiben“, ergänzt Dr. Bergmann. Daneben können auch dementielle Störungen wie die Alzheimer-Krankheit eine Epilepsie verursachen. Rund 3-5 Prozent der Demenzpatienten sind betroffen.

Epilepsie auch im Alter gut behandelbar

Epilepsien bei älteren Menschen sind – nach Berücksichtigung der altersbedingten Besonderheiten – heutzutage insbesondere mit modernen Antiepileptika gut behandelbar. Die Therapie ist jedoch bei älteren Menschen etwas komplizierter als in jüngeren Jahren. „Sind Medikamente notwendig, muss die Einstellung der Dosierung meist langsam und unter Berücksichtigung zusätzlicher Erkrankungen sowie anderer notwendiger Präparate und deren möglichen Wechselwirkungen erfolgen. In der Regel ist die Dosierung der jeweiligen Medikamente aufgrund des veränderten Stoffwechsels im Alter wesentlich niedriger als bei jüngeren Patienten“, ergänzt der Nervenarzt. Die regelmäßige Einnahme der Antiepileptika ist für eine erfolgreiche Therapie besonders wichtig.

Epilepsien erreichen im Alter die höchste Häufigkeit - die Altersepilepsie ist die dritthäufigste Krankheit des Nervensystems im Alter, nach Demenzen und Schlaganfall. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 500.000 Epilepsie-Patienten, und jährlich erkranken rund 10.000 Menschen neu, wobei ältere Menschen öfter als Kinder betroffen sind.

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