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07.09.2015

Verbleibende Schmerzen nach Gürtelrose mit gezielter Schmerztherapie lindern

Beim Herpes-Zoster - auch Gürtelrose genannt - handelt es sich um eine Reaktivierung einer früheren Infektion mit dem Windpockenvirus. Die Erkrankung betrifft Haut und Nerven und kann sehr starke Schmerzen verursachen, die auch Monate oder Jahre nach dem Abheilen des entstandenen Hautausschlags bestehen bleiben.

Man spricht von einer Post-Zoster-Neuralgie oder postherpetischen Neuralgie, wenn 3 Monate nach Auftreten des Ausschlags noch Schmerzen vorliegen. „Eine Post-Zoster-Neuralgie kann mit erheblich beeinträchtigenden Schmerzen einhergehen. In vielen Fällen helfen hier freiverkäufliche Schmerzmittel nicht und die Beschwerden können nur durch eine individuelle Schmerztherapie gelindert werden“, berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) in Krefeld. „Für die schmerzstillende Behandlung kommen Medikamente aus der Gruppe der Antiepileptika oder Antidepressiva in Frage. Sie hemmen unter anderem die Schmerzweiterleitung zum Gehirn und schwächen die unkontrollierte Aktivität der betroffenen Nervenzellen ab. Auch opioidhaltige Präparate können bei Bedarf eingesetzt werden. Manchen Patienten hilft auch die Anwendungen eines örtlichen Betäubungsmittels oder des Nervenreizstoffes Capsaicin.“ Personen, die eine Gürtelrose erleiden und bei denen nach einer Gürtelrose weiterhin Schmerzen bestehen, sollten daher unbedingt einen Neurologen zu Rate ziehen.

Brennender Dauerschmerz oder einschießende Schmerzen

Schmerzen die im Zusammenhang mit der Herpes-Zoster-Infektion auftreten, gehören zu den neuropathischen Schmerzen. Sie entstehen in Folge der Schädigungen von Nervenwurzeln und peripheren Nerven durch die Virusreaktivierung und Entzündung. Auch das zentrale Nervensystem kann beim Herpes zoster mitbeteiligt sein, am häufigsten das Rückenmark. In der Regel beschränken sich die Schmerzen auf das Ausbreitungsgebiet der jeweils von den Viren befallenen Nerven. „Bei den Beschwerden handelt es sich um einen brennend-bohrenden, oft sehr intensiven Dauerschmerz oder um kurz einschießende Schmerzen. Oft reicht leichter Kontakt mit der betroffenen Stelle - beispielsweise durch aufliegende Kleidung - schon aus, um starke Berührungsschmerzen auszulösen“, erklärt Dr. Beil. Weil manche Patienten aufgrund des chronischen Schmerzes auch psychische Veränderungen - wie Depressionen - entwickeln können, kann in diesen Fällen neben der Schmerzbehandlung eine Psychotherapie sinnvoll sein.

Die Gürtelrose befällt nur Menschen, die in ihrem Leben schon einmal an Windpocken erkrankt waren. Die Viren überdauern in den Nervenzellen des Rückenmarks und sie können sich bei eingeschränkter Immunabwehr wieder vermehren und das Krankheitsbild der Gürtelrose auslösen. Bei jedem zehnten Betroffenen bleibt eine Post-Zoster-Neuralgie bestehen. Risikofaktoren dafür sind ein höheres Lebensalter oder eine Immunschwäche. Auch eine bereits vorbestehende Polyneuropathie - etwa durch eine diabetische Grunderkrankung - steigert das Risiko für diese chronischen Schmerzzustände.

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