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09.08.2016

Starke Schwindelattacken können auch auf Migräne hinweisen

Die vestibuläre Migräne, auch Schwindelmigräne genannt, ist eine Sonderform der Migräne und geht mit plötzlichen Drehschwindel-Attacken einher. Der Schwindel kann im Vorfeld des Kopfschmerzes bei Migräne auftreten, parallel zum Schmerz oder auch danach. Bei einigen Betroffenen kommen Schwindel und Kopfschmerzen nie zusammen vor.

Die vestibuläre Migräne, auch Schwindelmigräne genannt, ist eine Sonderform der Migräne und geht mit plötzlichen Drehschwindel-Attacken einher. Der Schwindel kann im Vorfeld des Kopfschmerzes bei Migräne auftreten, parallel zum Schmerz oder auch danach. Bei einigen Betroffenen kommen Schwindel und Kopfschmerzen nie zusammen vor. „Im Rahmen der vestibulären Migräne kommt es zu spontanem Schwank- oder Drehschwindel der auch lageabhängig auftreten kann. Der Schwindel kann ohne ersichtlichen Anlass plötzlich auftreten und in bestimmten Abständen immer wiederkehren“, berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) mit Sitz in Krefeld. „Die Dauer der Schwindelattacken ist sehr variabel und beträgt in typischen Fällen Minuten bis Stunden. Im Zuge der Attacken können auch klassische Migräne-Symptome auftreten, wie starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit, Tinnitus, Übelkeit und Erbrechen. Bei einem Teil der Fälle kommt es gar nicht zu Kopfschmerzen, was die Diagnose dann manchmal sehr schwierig macht.“ Es ist in jedem Fall wichtig, wiederkehrenden Schwindel oder Kopfschmerzen von einem Neurologen abklären zu lassen, damit durch eine korrekte Diagnose eine angemessene Therapie eingeleitet werden kann.

Schwindel-Migräne hat die gleichen Auslöser wie die klassische Migräne

Bestimmte innere und äußere Faktoren, so genannte Trigger, können bei entsprechender Veranlagung einen Migräne-Anfall begünstigen. Dabei hat die vestibuläre Migräne die gleichen Auslöser wie die klassische Migräne, wie z.B. Schlafmangel, Stress, Ernährung, Hormonschwankungen sowie auch einen Wetterumschwung. „Man geht heute davon aus, dass eine Migräneattacke mit einer Überaktivität von Nervenzellen im Hirnstamm beginnt und es zu einer vorrübergehenden Fehlfunktion schmerzregulierender Systeme kommt. Betroffene reagieren dadurch überempfindlicher gegenüber Reizen“, ergänzt der niedergelassene Neurologe. Viele Betroffene haben vor Auftreten der Schwindelbeschwerden schon einmal unter Migräne gelitten. Diese zeigt sich dann, oft nach einer beschwerdefreien Zeit, mit Schwindelattacken in veränderter Form wieder. Häufig gibt es auch eine positive Familienanamnese, d.h. dass auch andere enge Verwandte an Migräne leiden.

Akute Behandlung und Vorbeugung möglich

Die vestibuläre Migräne wird genau wie jede andere Migräne behandelt. Falls mehr als drei Attacken im Monat auftreten oder die Attacken jeweils sehr lange dauern sollte rechtzeitig eine medikamentöse Prophylaxe mit dem behandelnden Neurologen besprochen werden. Auch regelmäßige körperliche Betätigung und Stressabbau können eine Migräne sehr positiv beeinflussen. Gegen den Schwindel selber gibt es bisher kein spezifisches Medikament.
In der Normalbevölkerung besteht die Häufigkeit mindestens einmal im Leben eine vestibuläre Migräne zu gekommen bei 1 Prozent. In spezialisierten Ambulanzen ist die vestibuläre Migräne häufig und macht einen Anteil von 7 bis 9% der Patienten aus.

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