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21.11.2017

Risiko für bleibende Schmerzen durch Gürtelrose steigt mit dem Alter

Bei einer Gürtelrose können in manchen Fällen an Nerven bleibende Schäden entstehen und dauerhafte Beschwerden verursachen, die auch Monate oder Jahre nach dem Abheilen des entstandenen Hautausschlags bestehen bleiben. Das Risiko für solche chronischen Schmerzen steigt mit dem Lebensalter, kann durch zeitnahe therapeutische Maßnahmen aber gesenkt werden.

Bei der Gürtelrose - auch Herpes-Zoster genannt - handelt es sich um eine Reaktivierung einer früheren Infektion mit dem Windpockenvirus. Die Erkrankung betrifft die Nerven und die Haut und kann sehr starke Schmerzen verursachen. In manchen Fällen können an Nerven bleibende Schäden entstehen und dauerhafte Beschwerden verursachen, die auch Monate oder Jahre nach dem Abheilen des entstandenen Hautausschlags bestehen bleiben. Der Fachbegriff für diese Art von Nervenschmerzen ist Post-Zoster-Neuralgie (PZN). Das Risiko für solche chronischen Schmerzen steigt mit dem Lebensalter, kann durch zeitnahe therapeutische Maßnahmen aber gesenkt werden. „Menschen, die an einer Gürtelrose erkranken, sollten sich unbedingt medizinisch behandeln lassen, um bleibenden Schäden an Nerven und chronische Schmerzen vorzubeugen. Möglichst innerhalb der ersten beiden Tage nach dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen wie den typischen schmerzhaften Bläschen sollte eine antivirale Behandlung beginnen“ betont Prof. Dr. Gereon Nelles vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN). „Gleichzeitig ist eine ausreichende Schmerztherapie ganz wichtig, damit die Beschwerden nicht chronisch werden.“ Neben schmerzstillenden Pflastern (Lidocain-haltig) können auch bestimmte Antidepressiva mit besonders guter Wirkung auf Nervenschmerzen eingesetzt werden. Sie tragen dazu bei, dass Schmerzen nur noch vermindert über das Rückenmark weitergeleitet werden. Auch einige Arzneimittel gegen Epilepsie verringern die Empfindlichkeit von Nervenzellen. Manchen Betroffenen hilft die Anwendungen des Nervenreizstoffes Capsaicin. Frei verkäufliche Schmerzmittel helfen hingegen in vielen Fällen nicht.

Überempfindliche Nerven und brennende Dauerschmerzen möglich

In der Regel beschränken sich die Schmerzen auf das Ausbreitungsgebiet der jeweils von den Viren befallenen Nerven. Typische Symptome für eine Post-Zoster-Neuralgie sind brennende Dauerschmerzen, attackenartige Schmerzen, eine Überempfindlichkeit für sensible Reize sowie auch Juckreiz. „Über 95 Prozent der Menschen, die älter als 50 Jahre sind, haben Kontakt mit Windpocken gehabt und tragen somit ein Risiko für eine Reaktivierung des Virus“, berichtet Prof. Nelles. „Dabei steigt das Erkrankungs-Risiko für Gürtelrose mit zunehmendem Alter an und betrifft bis zu 50 Prozent der über 80-jährigen Menschen. Gleichzeitig steigt auch das Risiko für schwerere Krankheitsverläufe. In 13 bis 40 Prozent treten Komplikationen wie die Post-Zoster-Neuralgie auf.“

Impfung gegen Gürtelrose

Für ältere Menschen gibt es die Möglichkeit, sich gegen Gürtelrose impfen zu lassen. Der Impfstoff ist für Patienten ab 50 Jahren zugelassen und verringert laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) das Erkrankungsrisiko um die Hälfte. Die Schutzdauer der Impfung ist jedoch nur für wenige Jahre belegt. Derzeit gehört diese Impfung nicht zu den Standardimpfungen, die von der STIKO empfohlen werden. Personen, die sich impfen lassen möchten, müssen im Einzelfall klären, ob ihre Krankenversicherung die Kosten dafür übernimmt.

Quelle:
Thomas Meißner; Neuropathischer Schmerz - Bei Herpes zoster Schmerztherapie von Anfang an; Schmerzmedizin 6/2017

Ursula Kunze, Ernest Groman; Impfen ist nicht nur Kindersache! Warum Impfungen auch für Erwachsene wichtig sind; Wiener Medizinische Wochenschrift, 9/2017 https://doi.org/10.1007/s10354-017-0598-7