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09.03.2018

Parkinson-Patienten haben häufig Ängste und Depressionen

Eine Parkinson-Erkrankung geht häufig mit Angststörungen und Depressionen einher. Die psychischen Beeinträchtigungen sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Zur Behandlung werden eine kognitive Verhaltenstherapie, eine medikamentöse Therapie oder eine Kombination von beidem eingesetzt.

Patienten, die an der Parkinson-Erkrankung leiden, entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung häufig Ängste und Depressionen, die einzeln oder auch gemeinsam auftreten können. Diese psychischen Begleiterkrankungen manifestieren sich häufig im Verlauf der Parkinson-Krankheit, können aber auch im Frühstadium oder bereits im Vorfeld der Erkrankung auftreten. Sie werden als eigenständiges Merkmal von Parkinson angesehen. Als Ursache werden unter anderem Störungen des Haushalts von Botenstoffen im Gehirn angenommen. Die psychischen Beeinträchtigungen sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Zur Behandlung werden eine kognitive Verhaltenstherapie, eine medikamentöse Therapie oder eine Kombination von beidem eingesetzt.

Ängste früh behandeln

Durch die bei Parkinson auftretenden Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen ist das Sturzrisiko der Betroffenen deutlich erhöht. „Wenn die Patienten aufgrund ihrer Erkrankung häufig stürzen, entwickeln sie eine erhöhte Ängstlichkeit“, erklärt Dr. med. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen, der seinen Sitz in Krefeld hat. „Hinzu kommt häufig ein Gefühl der Scham aufgrund der Krankheit. Die Betroffenen ziehen sich dann zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück und meiden soziale Kontakte.“ Im Extremfall kann sich sogar eine soziale Phobie entwickeln, bei der schon allein die Anwesenheit von Menschen beim Patienten Ängste auslöst. In jedem Fall beinträchtigen die Angstzustände das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Erkrankten erheblich. Sie sollten daher ernst genommen und der behandelnde Arzt frühzeitig darüber informiert werden. Zur Behandlung von Angststörungen werden die kognitive Verhaltenstherapie, eine medikamentöse Therapie oder eine Kombination von beidem angewendet. Mit der geeigneten Therapie lässt sich eine deutliche Besserung der Angstzustände erzielen. Je früher eine Angststörung erkannt und mit der Behandlung begonnen wird, umso besser ist die Aussicht auf einen Therapieerfolg. 

Fast die Hälfte leidet unter Depressionen   

Zu den psychischen Begleiterkrankungen von Parkinson-Patienten gehört vor allem auch die Depression. Etwa 40 Prozent der Betroffen sind von Depressionen betroffen. „Eine wesentliche Ursache sind auch hier Veränderungen im Stoffwechsel bestimmter Hirngebiete“, erläutert Dr. Beil, der als Neurologe in Köln tätig ist. „Typische Symptome der Depression sind ein intensives Gefühl von Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Schuldgefühle und Hoffnungslosigkeit. Es können aber auch körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen und Erschöpfung auftreten. Relevant sind Symptome, die über mindestens zwei Wochen anhalten.“ Auch hier ist es sehr wichtig, die Depressionen möglichst frühzeitig zu behandeln, um eine ungünstige Entwicklung zu verhindern. Im Mittelpunkt der Behandlung einer Depression bei Parkinson-Patienten steht die medikamentöse Therapie. Ergänzend können auch psychotherapeutische Verfahren eingesetzt werden.

220.000 Parkinson-Patienten in Deutschland

Die Parkinson-Erkrankung gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. In Deutschland sind etwa 220.000 Patienten von der Krankheit betroffen. Jedes Jahr erkranken Schätzungen zufolge bundesweit etwa 900 bis 1.600 Menschen neu. Die Häufigkeit der Erkrankung nimmt mit dem Alter zu.  Fast die Hälfte der Betroffenen erkrankt zwischen dem 50. Und 60. Lebensjahr. Bei weiteren 20% tritt die Erkrankung später auf. Nur 10% der Patienten sind unter 40 Jahren. Aufgrund der demographischen Entwicklung ist daher mit weiter zunehmenden Patientenzahlen zu rechen. Zu den wesentlichen Symptomen zählen Bewegungsstörungen, Muskelzittern und Gleichgewichtsstörungen, die bei den Patienten zu erheblichen körperlichen Behinderungen führen und zu einem allmählichen Verlust der Selbstständigkeit im Alter. Eine Heilung von Parkinson ist derzeit nicht möglich. Mit Hilfe von Medikamenten und operativen Verfahren, wie beispielsweise der Tiefenhirnstimulation, können jedoch die Symptome deutlich reduziert und dadurch die Lebensqualität erheblich verbessert werden.

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