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14.01.2013

Nach Ohnmacht auch an Epilepsie denken

Menschen, die einen Bewusstseinsverlust erlitten haben, sollten deswegen unbedingt einen Arzt aufsuchen und dabei einen Augenzeugen des Geschehens mitbringen.

Menschen, die einen Bewusstseinsverlust erlitten haben, sollten deswegen unbedingt einen Arzt aufsuchen und dabei einen Augenzeugen des Geschehens mitbringen. „Da Betroffene häufig gedächtnisgestört sind und nichts über den Verlauf ihres Anfalles sagen können, sollte am besten eine andere Person dem Arzt das Ereignis genau schildern. Denn die Details des Vorgangs spielen bei der Ursachenklärung und für die weitere Diagnostik eine wichtige Rolle“, rät Dr. Frank Bergmann, vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Sitz in Krefeld. „Beispielsweise können Störungen des Herz-Kreislauf-Systems zu einer vorübergehenden Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff führen und eine Ohnmacht herbeiführen. Auch Entgleisungen des Stoffwechsels, wie eine Unterzuckerung, oder psychogene Auslöser sind mögliche Ursachen. Daneben kann sich ein epileptischer Anfall in einer plötzlich auftretenden Bewusstlosigkeit äußern.“ Hilfreich für die medizinische Abklärung sind die Ereignisse vor und nach der Ohnmacht. Für herz-kreislaufbedingte Aussetzer sind oftmals Erschrecken, heftige emotionale Reaktionen oder auch langes Stehen typische Auslöser. Vorboten dieser Anfälle können ein Schwarz-vor-den-Augen und ein Schwächegefühl sein. Plötzliche Sinneswahrnehmungen und -täuschungen im Vorfeld, eine so genannte Aura, sind hingegen eher typisch für epileptische Anfälle“, ergänzt der niedergelassene Nervenarzt. „Auch ist die Dauer von epileptischen Anfällen mit Minuten meist länger als die von  herz-kreislaufbedingten Aussetzern, die in der Regel nur einige Sekunden vorherrschen.“ Zuckungen können bei beiden Ohnmachts-Formen auftreten. Allerdings sind Zuckungen, die durch eine Minderdurchblutung im Gehirn verursacht werden, eher kürzer und asynchron, während Krämpfe bei einem epileptischen Anfall synchron ablaufen. „Weitere hinweisende Begleiterscheinungen eines epileptischen Anfalls sind Stuhl- sowie Harnverlust. Im Anschluss an einen Kreislauf-Kollaps sind Betroffene nach Wiedererlangen des Bewusstseins meist voll wach und orientiert. Nach einem epileptischen Anfall herrscht hingegen häufiger Verwirrung und Schläfrigkeit bei den Personen vor“,  ergänzt Dr. Bergmann. „Bei diagnostisch unklaren Fällen kann eine Hirnstrommessung, die so genannte Elektroenzephalografie (EEG), und parallel ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt werden, um die Ursache der Ohnmacht zu klären.“ Der umgangssprachliche Kollaps wird am häufigsten durch harmlose Kreislaufstörungen verursacht, doch können beispielsweise auch lebensgefährliche Herzerkrankungen oder ein Schlaganfall dahinter stecken. „Wiederholt auftretende Bewusstseinsstörungen stellen in jedem Fall ein erhebliches Risiko Verletzungsrisiko dar und sollten unbedingt auch neurologisch abgeklärt werden, um eine Epilepsie auszuschließen oder gegebenenfalls behandeln zu lassen. In den meisten Fällen ist eine sehr wirksame Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung möglich. Sowohl eine Herz-Kreislauf-Störung als auch eine Epilepsie kann man mit Medikamenten gut in den Griff bekommen“, betont der Experte. Etwa 20 Prozent aller Menschen erleben mindestens einmal in ihrem Leben einen plötzlichen, kurz andauernden Bewusstseinsverlust.

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