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27.02.2018

Masern-Impfschutz kann vor Gehirnentzündungen schützen

Nicht immer heilt eine Masern-Infektion problemlos aus, es kommt bei 10 bis 20 Prozent der Patienten zu einer problematischen Entwicklung. Zu den möglichen Komplikationen zählen schwerwiegende bakterielle Infektionen sowie auch neurologische Erkrankungsbilder.

Eine Virusinfektion mit Masern ist hochansteckend und kann schwerwiegende internistische sowie neurologische Komplikationen nach sich ziehen – darunter verschiedene Formen einer Gehirnentzündung. Anfangs leiden Infizierte unter anderem unter Fieber, Schnupfen, Husten und einem Ausschlag der Mundschleimhaut. Anschließend entwickelt sich erst der typische Masern-Ausschlag. Nicht immer heilt die Infektion problemlos aus, es kommt bei 10 bis 20 Prozent der Patienten zu einer problematischen Entwicklung. Zu den möglichen Komplikationen zählen schwerwiegende bakterielle Infektionen sowie auch neurologische Erkrankungsbilder. „Eine Maserninfektion kann sich im zentralen Nervensystem manifestieren und dort verschiedene Erkrankungen hervorrufen. Dadurch drohen neurologische Schädigungen aber unter Umständen auch tödliche Verläufe“, berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN). Masern sind keineswegs eine harmlose Kinderkrankheit, weswegen ein Impfschutz empfohlen ist. Sowohl Kinder als auch Erwachsene sollten nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gegen Masern immunisiert sein. Die Impfung wird in der Regel mit einem kombinierten Masern-Mumps-Röteln (MMR)-Impfstoff verabreicht.

Akute postinfektiöse Enzephalitis und SSPE

Eine gefürchtete Komplikation, ist die so genannte akute disseminierte Enzephalitis (ADEM), zu der es in etwa 0,1 Prozent der Erkrankungsfälle kommt. „Hierbei treten etwa 4 bis 7 Tage nach Beginn des Ausschlags Kopfschmerzen, Fieber und neurologische Symptome wie Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma auf. Die Erkrankung führt bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen zum Tod und bei bis zu 30 Prozent muss mit Hörverlust oder bleibenden neurologischen Schäden gerechnet werden“, ergänzt Dr. Beil. Kinder sind hierfür besonders gefährdet. Im Laufe der Infektion erkrankt eines von 1.000 Kindern an einer akuten disseminierten Enzephalitis. Demgegenüber wird nur ein ADEM-Erkrankungsfall bei 14,3 Millionen Masern-Impfungen beobachtet, was die Chance des Impfschutzes betont.

Zu den weiteren neurologischen Komplikationen zählen die seltene subakut auftretende Maserneinschlusskörperchen-Enzephalitis (MIBE), deren Häufigkeit in Deutschland unbekannt ist. Daneben kann eine subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die das Gehirn allmählich zerstört, noch bis zu 24 Jahre nach einer natürlichen Maserninfektion auftreten. Auch hierfür tragen Kinder ein höheres Risiko, betroffen ist etwa eines von 1.000 erkrankten Kindern - am häufigsten die unter fünf Jahren.

Durch ausreichend hohe Durchimpfungsraten könnten Masernfälle vermieden und die Erkrankung sogar ausgerottet werden. In europäischen Ländern erkrankten im vergangenen Jahr allerdings viermal so viel Menschen wie im Vorjahr.

Quelle: Neuroinfektiologie - Brandaktuell, vergessen, wieder im Kommen …, Zeitschrift DNP - Der Neurologe & Psychiater 1/2018

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