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09.03.2011

Inhalation von Sauerstoff hilft gegen Cluster-Kopfschmerzen

Die Inhalation von 100%igem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske ist bei 60 bis 70 Prozent der Patienten mit Cluster-Kopfschmerzen wirksam.

Menschen, die unter Cluster-Kopfschmerzen leiden, können durch das Einatmen von Sauerstoff in vielen Fällen die Beschwerden lindern oder beseitigen. “Die Inhalation von 100%igem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske ist bei 60 bis 70 Prozent der Patienten mit Cluster-Kopfschmerzen wirksam. Die Therapie ist hocheffektiv zur Behandlung der akuten Attacken und kann so auch dazu beitragen, die Einnahme anderer Medikamente zu reduzieren“, berichtet Dr. Charly Gaul von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin. „Besonders eignen sich dabei dichtsitzende Sauerstoff-Hochkonzentrationsmasken, durch die nur reiner Sauerstoff und keine Umgebungsluft eingeatmet wird. Über die Dauer von 15 bis 20 Minuten sollten dann rund 7 bis 15 Liter des Gases veratmet werden.“ Während die Wirksamkeit der Therapie bewiesen werden konnte, stehen wissenschaftliche Beweise zum Wirkmechanismus noch aus. Man nimmt an, dass sich ein Überanreicherung des Blutes mit Sauerstoff auch auf die Gefäßweite auswirkt, was Cluster-Attacken entgegenwirkt. „Besonderer Vorteil dieser Therapie ist, dass sie offenbar keine Nebenwirkungen hat und auch von Patienten durchgeführt werden kann, die bestimmte Medikamente - beispielsweise Triptane - nicht einnehmen können“, ergänzt der Leiter des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums in Essen.

Neben der Sauerstoff-Therapie ist die medikamentöse Dauertherapie des Cluster-Kopfschmerzes notwendig - herkömmliche Schmerzmittel sind jedoch wirkungslos.Cluster-Kopfschmerzen zählen zu den vier wichtigsten Kopfschmerzarten und gehören zu den schlimmsten. „Typisch ist, dass die Attacken anfallsartig aufkommen und in der Regel immer auf derselben Kopfseite hinter dem Auge, der Stirn oder Schläfe erscheinen. Sie dauern meist zwischen 15 und 180 Minuten und treten häufig aus dem Schlaf heraus auf“, erläutert der Experte. Der Kopfschmerz-Charakter wird von Patienten als unerträglich reißend, bohrend, manchmal als brennend beschrieben. Neben den Schmerzen können parallel Begleitsymptome auf der betroffenen Kopfseite auftreten, wie ein gerötetes oder tränendes Auge sowie ein herabhängendes Lid. Auch kann die Nase laufen oder verstopft sein und es kann zum Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichtes kommen. Viele Betroffene verspüren zeitgleich einen enormen Bewegungsdrang. „Die Frequenz der Kopfschmerz-Anfälle liegt zwischen einer Attacke an jedem zweiten Tag und acht Attacken pro Tag. Weil die Kopfschmerzen in einem regelmäßigen Rhythmus gehäuft wiederkehren, wird die Erkrankung als Cluster-Kopfschmerz bezeichnet“, fügt Dr. Gaul hinzu.

Die Attacken können durch so genannte Trigger - beispielsweise Nahrungsmittel ausgelöst werden. Bekannte Trigger sind etwa Alkohol, Histamin und Glutamat, daneben berichten die Patienten über viele unterschiedliche, individuelle Auslöser. Cluster-Kopfschmerz ist eine seltene Krankheit, die in den wenigsten Fällen schnell erkannt wird. Oft liegen Jahre zwischen dem ersten Auftreten und der gesicherten Diagnose obwohl das typische Beschwerdebild sehr einprägsam ist. „Leider führt die verzögerte Diagnosestellung dazu, dass viele Patienten vor der korrekten Diagnose Zähne extrahieren lassen oder zahlreiche andere unwirksame Therapien versuchen“ berichtet Dr. Gaul.

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