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13.05.2014

Gehirnerschütterung: Beschwerden können erst Stunden später auftreten

Nach einem Sturz oder einem Stoß des Kopfes sind Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen deutliche Anzeichen einer Gehirnerschütterung (Commotio cerebri).

„Typische Beschwerden einer Gehirnerschütterung können auch erst 6 bis 12 Stunden nach dem Unfall auftreten und sollten in jedem Fall zum Arzt führen. Eine Bewusstlosigkeit von wenigen Sekunden bis zu einigen Minuten sowie eine Gedächtnislücke für die Zeit unmittelbar vor oder nach dem Unfall weisen ebenfalls auf eine Gehirnerschütterung hin. Bei diesen Beschwerden sollte in jedem Fall der Notarzt gerufen werden“, rät Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN) in Krefeld. Ursache der typischen Symptome einer Gehirnerschütterung (z.B. Bewusstseinsverlust, Übelkeit) ist eine mechanische Reizung der Nervenfasern, die mit einem vorübergehenden Funktionsverlust dieser einhergehen kann. Mediziner sprechen bei einer Gehirnerschütterung auch von einem leichten Schädel-Hirn-Trauma.

Bei Kopfverletzungen besteht immer auch die Gefahr, dass das Unfallopfer ein weiteres Mal bewusstlos wird und sich durch einen erneuten Sturz zusätzlich verletzt. „Der Betroffene sollte sich mit erhöhtem Oberkörper hinlegen, bis der Notarzt eintrifft. Die ganze Zeit über sollte jemand das Bewusstsein des Verletzten kontrollieren und beruhigend mit ihm sprechen. Keinesfalls darf der Betroffene in dieser Situation allein gelassen werden“, betont Dr. Bergmann.

Da es als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas zu Hirnblutungen oder Hirnquetschungen kommen kann, ist es oftmals erforderlich, dass die Betroffenen 24 Stunden nach dem Unfall in einer Klinik medizinisch überwacht werden müssen. „Liegen keine schwereren Verletzungen vor, kann der Patient anschließend nach Hause entlassen werden. Die Behandlung zielt dann vor allem auf die Linderung der Symptome durch körperliche Schonung und die Gabe von leichten Schmerzmitteln sowie Medikamenten gegen die Übelkeit ab“, erklärt Dr. Bergmann.

Zwar heilt eine Gehirnerschütterung meist ohne Folgen aus, doch ist sie ernst zu nehmen, da sie unter Umständen Komplikationen nach sich ziehen kann. „In manchen Fällen kommt es nach einigen Wochen zu einem so genannten «postkommotionellen Syndrom». Dann können die Betroffenen unter Schwindel, Müdigkeit und Kopfschmerzen leiden. Auch psychische Symptome können auftreten, wie depressive Verstimmungen, Angst, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen und Reizbarkeit“, berichtet der Nervenarzt. Diese Beschwerden bilden sich jedoch meist nach einigen Wochen allmählich vollständig zurück, nur selten gehen sie in einen chronischen Zustand über.

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