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11.02.2020

Gängige Kopfschmerzen können auch als Gesichtsschmerzen auftreten

Die möglichen Ursachen von Gesichtsschmerz sind vielfältig. Auch häufige Kopfschmerzarten wie Migräne und Cluster-Kopfschmerzen können sich als reiner Gesichtsschmerz bemerkbar machen. Die Trigeminusneuralgie ist wohl die bekannteste Form des Gesichtsschmerzes.

Die möglichen Ursachen von Gesichtsschmerz sind vielfältig. Auch häufige Kopfschmerzarten wie Migräne und Cluster-Kopfschmerzen können sich als reiner Gesichtsschmerz bemerkbar machen. Die Trigeminusneuralgie ist wohl die bekannteste Form des Gesichtsschmerzes. „Unter Gesichtsschmerzen versteht man allgemein Schmerzen, die im Bereich von der Stirn bis zum Kinn auftreten“, erklärt Prof. Gereon Nelles vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Sitz der Geschäftsstelle in Krefeld. „Viele Schmerzsyndrome liegen zwar nicht streng zwischen diesen Linien, für die ursächliche Zuordnung der Kopfschmerzen ist die Kenntnis dieser Zonen sehr wichtig.“ Weil Gesichtsschmerzen sehr unterschiedliche Ursachen haben können, ist es für Patienten wichtig, die Symptome genau beschreiben zu können, um dem Arzt Aussagen zur Schmerzart, Dauer und Lokalisation mitteilen zu können.

Schmerzen und Begleitsymptome dokumentieren

Damit eine korrekte Diagnose gestellt werden kann, sollten die Schmerzen sowie mögliche Auslöser und Begleitsymptome möglichst genau erfasst werden. Das Führen eines Schmerztagebuchs kann hierfür hilfreich sein. Die Trigeminusneuralgie ist eine häufige Form des Gesichtsschmerzes. Schmerzattacken können hierbei spontan oder durch Reize wie Berührung im Versorgungsgebiet der Nervenäste auftreten, beispielsweise durch Kauen, Sprechen, Schlucken oder Zähneputzen. „Die Trigeminusneuralgie ist ein einseitiger wiederkehrender Gesichtsschmerz, charakterisiert durch blitzartige, sehr heftige, kurze Attacken. Sie können sich nach Phasen völliger Beschwerdefreiheit wiederholen und mehrmals täglich auftreten“, erklärt der Neurologe. „Auch der Clusterkopfschmerz kann, wenn auch selten, isoliert als Gesichtsschmerz auftreten. Bei dieser Kopfschmerzerkrankung tritt oft parallel eine Rötung und Schwellung der Wange auf.“ Im Gegensatz zur Migräne empfinden Patienten mit Clusterkopfschmerzen während der Schmerzattacken einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Die Migräne tritt typischerweise nicht als Gesichtsschmerz auf. „Es gibt jedoch die Sonderform der sogenannten fazialen Migräne, bei der der Schmerz im Gesichtsbereich lokalisiert ist. Patienten können hierbei weitere Migränesymptomen wie Übelkeit oder Lichtscheu bemerken“, ergänzt Prof. Nelles. Unter einem sogenannten „anhaltenden idiopathischen Gesichtsschmerz“ werden chronische Gesichtsschmerzen verstanden, die keiner eindeutigen organischen Ursache zugeordnet werden können. Im Hintergrund sind oft starke psychosomatische Einflussfaktoren vorhanden und es können Operationen oder Verletzungen von Gesicht oder Zähnen in der Vergangenheit liegen.

Während bekanntere Diagnosen wie die Trigeminusneuralgie eher zu häufig gestellt werden, bleiben andere Formen des Gesichtsschmerzes zu oft unerkannt. Weil die unterschiedlichen Erkrankungsbilder über ganz unterschiedliche Ansätze behandelt werden, ist eine genaue Diagnose wichtig, um die Schmerzerkrankung gezielt therapieren zu können.

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