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14.08.2018

Eingeschlafene Hand in der Nacht nicht längerfristig ignorieren

Initial nächtlich auftretende Symptome wie Taubheitsgefühle und Gefühlsstörungen sind kennzeichnend für ein Karpaltunnelsyndrom. Sie kommen durch ein Abknicken des Handgelenks im Schlaf zustande wodurch das Versorgungsgebiet des Medianus-Nervs beeinträchtigt wird. Im weiteren Erkrankungsverlauf können die Beschwerden auch tagsüber auftreten, wobei sie meist durch eine manuelle Tätigkeit getriggert werden.

Eine eingeschlafene Hand in der Nacht kann als erstes Anzeichen bei einem eingeengten Nerv im Handgelenk - dem so genannten Karpaltunnelsyndrom - auftreten. Betroffene Personen sollten das Phänomen von einem Neurologen abklären lassen, wenn es wiederholt oder auch tagsüber auftritt, da insbesondere im Anfangsstadium eine nicht-operative Behandlung hierbei noch gute Erfolge erzielen kann. „Initial nächtlich auftretende Symptome wie Taubheitsgefühle und Gefühlsstörungen sind kennzeichnend für ein Karpaltunnelsyndrom. Sie kommen durch ein Abknicken des Handgelenks im Schlaf zustande wodurch das Versorgungsgebiet des Medianus-Nervs beeinträchtigt wird“, erklärt Prof. Gereon Nelles vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Sitz in Krefeld. „Die Beschwerden bessern sich meist, wenn die Hand ausgeschüttelt wird oder Pumpbewegungen durchgeführt werden.“ Im weiteren Erkrankungsverlauf können die Beschwerden auch tagsüber auftreten, wobei sie meist durch eine manuelle Tätigkeit getriggert werden.

Schmerzen können in Schulter ausstrahlen

In einem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium kommen auch Missempfindungen, Schmerzen oder Taubheitsgefühle in einzelnen Fingern oder im ganzen Arm hinzu. „Das Einschlafen der Hand kann teilweise schmerzhaft werden und sich bis in die Schulter zeigen. Typischerweise tritt im fortgeschrittenen Stadium auch ein Pelzigkeitsgefühl vorwiegend am Daumen, dem Zeige- und dem Mittelfinger auf“, ergänzt Prof. Nelles. Viele Patienten haben oft über Jahre nur sehr geringe Beschwerden. Vereinzelt werden auch symptomfreie Intervalle beschrieben. Berufliche Überlastung und Tätigkeiten mit häufig wiederkehrenden Beuge- und Streckbewegungen im Handgelenk forcieren die Beschwerden. Als Ursache für das Karpaltunnelsyndrom kommen neben einem anlagebedingten Faktor auch chronisch entzündliche Schwellungszustände der Sehnenscheiden sowie stoffwechselbedingte Einlagerungen durch Diabetes, Nierenschädigungen oder Gicht in Frage. Rheuma und Übergewicht können ebenfalls eine Rolle spielen.

Nächtliches Tragen einer Schiene am Arm kann Beschwerden lindern

Ist das Karpaltunnelsyndrom noch nicht ausgeprägt, kann eine konservative Therapie hilfreich sein. „Betroffene können eine Zeit lang nachts eine Unterarmschiene anlegen, die ein Abknicken des Handgelenks verhindert. Ergänzend können Physiotherapie und alternative Methoden wie Taping mit elastischen Klebestreifen hilfreich sein sowie die kurzfristige Anwendung eines Glukokortikoids“, berichtet der Neurologe. „Bei anhaltenden Beschwerden und Ausfallerscheinungen der Finger kann eine Operation notwendig werden.“ Sind Grunderkrankungen vorhanden, welche das Syndrom begünstigen, müssen diese Erkrankungen in der Behandlung gleichermaßen berücksichtigt werden.
Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) macht ca. 45% aller nicht verletzungsbedingten Nervenschädigungen aus. Es zeigt sich ein gehäuftes Auftreten beim weiblichen Geschlecht in einem Verhältnis von zehn zu eins. Überwiegend liegt der Erkrankungszeitpunkt im Alter zwischen 46 und 60 Jahren.

Quelle:
Grafenauer, P.; Brachialgie und Parästhesien der oberen Extremität; psychopraxis. neuropraxis (Ausgabe 3/2018)

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