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04.02.2013

Bei Verdacht auf Demenz ist eine exakte Diagnosestellung wichtig

Wenn ältere Familienmitglieder Anzeichen von Demenz zeigen, ist eine frühzeitige Untersuchung bei einem Facharzt wichtig - auch um andere Erkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten auszuschließen.

Wenn ältere Familienmitglieder Anzeichen von Demenz zeigen, ist eine frühzeitige Untersuchung bei einem Facharzt wichtig - auch um andere Erkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten auszuschließen. „Eine Demenz beginnt meist schleichend mit Merkstörungen, Schwierigkeiten bei der Wortfindung und nachlassender Aktivität. Auch zeitliche, örtliche oder räumliche Desorientierung, Probleme beim abstrakten und logischen Denken sowie Veränderungen des Gemüts und der Persönlichkeit können auftreten“ berichtet Dr. Frank Bergmann, vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Sitz in Krefeld. „Diese Frühsymptome können jedoch auch im Rahmen anderer Erkrankungen oder Störungen auftreten und sollten daher sorgfältig fachärztlich abgeklärt werden“. Notwendig ist u.a. eine gründliche Untersuchung des Körpers z.B. auf mögliche Herzerkrankungen, Nährstoffmangel oder Nierenversagen, die dementielle Symptome als Begleiterscheinungen haben können. Wichtig ist ebenfalls, eine Depression auszuschließen, da bei dieser Erkrankung eine „Pseudodemenz“ auftreten kann, die sich durch eine Behandlung der Depression bessert.Eine Untersuchung des Gehirns ist darüber hinaus erforderlich, um etwaige Durchblutungsstörungen oder Tumore zu identifizieren. „Auch müssen alle Medikamente, die der Betroffene einnimmt, eingehend überprüft werden, um zu erkennen, ob etwaige Neben- oder Wechselwirkungen die Symptome ausgelöst oder verstärkt haben könnten“, ergänzt der niedergelassene Nervenarzt aus Aachen. „Bei der weiteren diagnostischen Abklärung werden dann Gedächtnistest und Tests zum Beispiel der Rechenfähigkeit oder sprachlicher Fähigkeiten in der Muttersprache vorgenommen. Auch die Fähigkeiten in Schreiben, Zeichnen, dem Folgen von Richtungen und der Benennung von Objekten wird untersucht.“ Auch wenn die Sorge vor der möglichen Diagnose „Demenz“ groß ist, sollten sich Betroffene nicht davor scheuen, ihre Beschwerden abklären zu lassen. Eine exakte Diagnose ist wichtig, damit man sich gegebenenfalls gut vorbereiten und mit den Folgen der Erkrankung besser umgehen kann. Liegt eine Demenz-Erkrankung vor, ist es wichtig, die geistige Leistungsfähigkeit so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Neben medikamentösen Möglichkeiten sind kognitives Training und kognitive Stimulation, Realitätstrainings, Selbsterhaltungs- und Erinnerungstherapien sowie Ergotherapie und körperliche Aktivierung empfohlen. Bei Verhaltensproblemen können sensorische und künstlerische Verfahren, aber auch ganz pragmatische Alltagstipps  hilfreich sein. „Zudem ist es wichtig, sich in einem geistig noch verhältnismäßig guten Zustand mit der rechtlichen Vorsorge für den eventuellen Ernstfall auseinanderzusetzen. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, für den Fall der eigenen Hilfsbedürftigkeit, rechtzeitig selbst vorzusorgen und zu bestimmen, wer die persönlichen Interessen dann vertreten soll“, rät der Experte. Der behandelnde Arzt kann im Aufklärungsgespräch auch Hilfen und Unterstützungssysteme benennten.Risikofaktoren für eine Demenz-Erkrankung im Alter sind ein hoher Blutdruck, Diabetes, Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen. In Deutschland erkranken jährlich fast 300.000 Personen an Demenz. Etwa zwei Drittel aller Demenzen sind auf eine neurodegenerative Erkrankung des Gehirns zurückzuführen, die als Alzheimer-Krankheit bezeichnet wird und durch einen fortschreitenden Verlust von Nervenzellen gekennzeichnet ist.

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