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Psychotherapie am Computer – Virtuelle Realität hilft Soldaten mit PTBS

Für Soldaten, die es als Schwäche empfinden, wenn sie einen Therapeuten zur Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung konsultieren, könnten Virtual-Reality-Anwendungen (VR) unter Umständen eine Alternative zur herkömmlichen Gesprächstherapie sein. Albert Rizzo und sein Team von der University of Southern California in Los Angeles haben in einer Studie¹ untersucht, wie diese VR-Anwendungen genutzt werden können, um den Truppenmitgliedern eine psychologische Hilfe anzubieten, und zwar über den gesamten Einsatz hinweg: von der Vorbereitung über den tatsächlichen Einsatz im Kampfgebiet bis hin zur Nachbetreuung. Damit soll eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) verhindert, erkannt und ggf. behandelt werden. Ihre Erkenntnisse erscheinen im Juni im Online-Sonderheft² der Springer-Fachzeitschrift Journal of Clinical Psychology in Medical Settings, das die heutigen psychologischen Therapieansätze für Soldaten und ihre Familien im Blick hat und thematisiert.

Durch die traumatischen Erfahrungen, denen die Militärangehörigen bei Kampfeinsätzen während der Operation Iraqi Freedom/Operation Enduring Freedom ausgesetzt waren, bestand die große Gefahr, dass sie nach der Rückkehr in die Heimat PTBS entwickeln. Dank neuester Technologie gab es mittlerweile auch VR-Anwendungen, die es möglich machten, kosteneffizient virtuelle medizinisch-therapeutische Computer-Programme anzubieten.Rizzo und sein Team stellen ihre Methode einer virtuellen Expositionstherapie für PTBS nach Kampfeinsätzen vor. Die Anwendung besteht aus einer Reihe virtueller Szenarien, basierend auf Schilderungen des Kriegsumfelds durch heimkehrende Soldaten. Die Wissenschaftler zeigen in ihrer Studie, dass VR-Anwendungen eine Expositionstherapie – als Therapie der Wahl bei PTBS – ersetzen kann: Heimkehrende Soldaten werden einer Simulation des traumarelevanten Umfelds ausgesetzt. Die emotionale Intensität der Szene kann vom Therapeuten den Wünschen des Patienten entsprechend exakt kontrolliert werden. VR-Therapien liefern multisensorische und kontextrelevante Auslöser, die das Trauma simulieren; der Patient muss dabei nicht unbedingt tatsächliche Erfahrungen aktiv abrufen, wie beim traditionellen Expositionsansatz.

Die bisherigen klinischen Ergebnisse sind ermutigend. Vor allem ein Test ergab, dass sich bei 80 Prozent der Patienten, die die Behandlung abgeschlossen hatten, ein deutlicher Rückgang von Angst- und Depressionssymptomen zeigte sowie weniger Anzeichen von PTBS. Darüber hinaus zeigen Berichte eine Verbesserung der Alltagssituation einzelner Patienten über mindestens drei Monate hinweg im Anschluß an die Behandlung.Die Wissenschaftler untersuchen auch andere Anwendungen für ihre Methode, darunter das Stress-Resilienz-Training: Soldaten werden dabei bereits vor dem Einsatz mit Bewältigungsstrategien vertraut gemacht, die sie besser auf die emotionalen Herausforderungen des Kampfeinsatzes vorbereiten. Bei diesem Vorgehen ist weiterhin wichtig herauszufinden, welche Soldaten bereit sind, in den Einsatz zurückzukehren, bzw. welche eine weitere Behandlung brauchen oder zwischen den Einsätzen mehr Zeit zum Regenerieren brauchen.Die Autoren gehen davon aus, dass dieser neue psychotherapeutische Ansatz eine große Zukunft hat: „Für die moderne Generation junger Militärangehöriger, die mit Computerspielen groß geworden sind, ist die VR-Expositionstherapie sicherlich interessant, sie fühlen sich wohl mit dem Medium. Wir brauchen Therapien, um den mentalen Bedürfnissen unseres militärischen Personals gerecht zu werden, gleichzeitig hat eine virtuelle Revolution stattgefunden – die Zukunft der klinischen Forschung und Praxis wird sich entsprechend ändern.“Literatur:1. Rizzo A et al (2011). Virtual reality goes to war: a brief review of the future of military behavioral healthcare. Journal of Clinical Psychology in Medical Settings; DOI 10.1007/s10880-011-9247-2 (http://www.springerlink.com/content/03533254r5q65p86/)2. Special issue, June 2011 “Strengthening Our Soldiers (SOS) and Their Families: Contemporary Psychological Advances Applied to Wartime Problems.”Quelle: Springer (Pressemitteilung)