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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Pflegende Angehörige sollten verschiedene Entlastungsmöglichkeiten nutzen

Pflegende Angehörige sind besonderen Belastungen ausgesetzt, die oft unvermeidbar an die Situation und die Pflegetätigkeit gekoppelt sind. So ist die Pflegearbeit beispielsweise eine Arbeit, bei der sich trotz großer Bemühungen Verschlechterungen einstellen und am Ende der Tod der gepflegten Person steht. Oft fehlt die Anerkennung und Wertschätzung für die Arbeit, weil die Pflege innerhalb der Familie als selbstverständlich betrachtet wird oder die Versorgung und Betreuung insbesondere von Demenzkranken vom Umfeld unterschätzt wird. Meist ist die Tätigkeit von Routinen geprägt und zeitintensiv. Pflege durch Angehörige findet in privaten Räumen statt und lässt dem pflegenden Angehörigen oft wenig Rückzugsmöglichkeiten. Besonders hoch ist die Belastung für diejenigen Angehörigen, die neben der Pflege und ihren Familienpflichten noch einer Berufstätigkeit nachgehen. „Die Betreuung eines pflegebedürftigen oder demenzkranken Menschen ist nicht nur verantwortungsvoll und anstrengend, sondern stellt oft eine komplexe psychische Belastungssituation dar. Pflegende sollten daher sämtliche Möglichkeiten in Betracht ziehen, die eine Entlastung darstellen können und sich frühzeitig darüber informieren. Sie haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine umfassende Pflegeberatung“, meint Prof. Dr. med. Steffi Riedel-Heller von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). „Schulungen sind beispielsweise hilfreich, um Unsicherheiten im Pflegealltag zu verringern. Wichtig ist es zudem, über Unterstützungsmöglichkeiten von professionellen Pflegediensten informiert zu sein, die im Bedarfsfall unterstützen können. So kann beispielsweise eine stundenweise Betreuung bereits sehr hilfreich sein, um wichtigen persönlichen Belangen nachgehen zu können und die eigenen Batterien wieder aufzuladen.“

Günstig ist es, für die Entlastung einen Mix aus verschiedenen Unterstützungsleistungen wahrzunehmen, offen für viele Möglichkeiten zu sein und nach Hilfe zu fragen. Über Träger der Altenhilfe, über die Gemeinde oder über die Kirche können auch ehrenamtliche Helfer vermittelt werden, die zwar keine direkten Pflegeaufgaben übernehmen, jedoch in der Regel darin geschult sind, sich mit dem Pflegebedürftigen zu beschäftigen oder Pflegenden durch Gespräche und Beratung zur Seite zu stehen. Auch Angehörigengruppen können Entlastungsmöglichkeiten bieten. „In Selbsthilfegruppen ist das Verständnis und die Toleranz gegenüber Problemen groß, wodurch eine konkrete Hilfestellung bei Alltagsproblemen sowie auch ein verbesserter Umgang mit Krisensituationen ermöglicht werden kann“, rät Prof. Riedel-Heller, Direktorin des Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) am Universitätsklinikum Leipzig.

Um mit akuten Krisen besser umgehen zu können, sollten sich Betroffene im Vorfeld mit potentiellen Belastungssituationen auseinandersetzen und sich geeignete Bewältigungsstrategien zurechtlegen. Zu wissen, wie man in bestimmten Situationen geeignet reagiert, kann bereits entlasten. „Das kann bei eskalierenden Situationen das Verlassen des Zimmers sein, eine Atemübung oder ein paar klärende Sätze, die man an sich selbst richtet. Auch ist in Extremsituationen der Kontakt mit der Telefonseelsorge eine Option“, ergänzt die Professorin. „Das Erlernen von Entspannungsübungen ist darüber hinaus eine gute Möglichkeit, um Spannungszustände abzubauen. Die Methode der Progressiven Muskelentspannung, autogenes Training oder andere Entspannungsverfahren können ein sehr wirksames „Werkzeug“ sein, um Stress abzubauen und das Einschlafen zu erleichtern.“

Führt die häusliche Fürsorge einen pflegenden Angehörigen auf Dauer an seine Belastungsgrenze, kann sich dies in Symptomen wie Erschöpfung und Widerwillen oder in Gereiztheit und Ungeduld, aber auch Schlafstörungen und Verspannungen äußern. Pflegende Angehörige haben ein erhöhtes Risiko selbst körperlich oder psychisch zu erkranken. Sie können sich an den Hausarzt wenden oder auch direkt psychiatrisch-psychotherapeutische Hilfe suchen. „Therapeuten können gezielt dabei helfen, das Zustandekommen negativer Gefühle wie Schuld, Wut und Aggression in individuellen Situationen zu klären und nach Möglichkeiten zu suchen, damit umzugehen. Auch können sie helfen, einzelne besondere Belastungen zu erkennen und zu entschärfen.“

Links: Angehörigengruppen: www.nakos.de   Ehrenamtliche Helfer: www.pflegebegleiter.de Psychologische Online-Beratung speziell für pflegende Angehörige: www.pflegen-und-leben.de Urlaub mit dem Pflegebedürftigen: www.urlaub-und-pflegen.de Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN): www.dgppn.de

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