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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Anzeichen für ausgeprägte Kinderängste

Weil ängstliche Kinder oft ruhig, angepasst und folgsam sind, mit dem Bestreben zu gefallen und keine Probleme zu machen, werden ihre Probleme oft übersehen. Verschiedene Auffälligkeiten können jedoch darauf hindeuten, dass Kinderängste ein problematisches Ausmaß angenommen haben und erst genommen werden sollten.

Während die unter „normgerechte Ängste“ (Tabelle) genannten Ängste bei vielen Kindern in den entsprechenden Altersabschnitten üblich sind, kann im Einzelfall das erhebliche Ausmaß der Angst oder das Andauern jenseits der oberen Altersgrenze zu Problemen führen. Beispielsweise kann eine Hundeangst dazu führen, dass ein Kind das Verlassen des Hauses meidet. Einige Kinder mit ausgeprägten Ängsten haben Angst, Freundschaften zu schließen, oder jemanden anzusprechen und haben meistens außerhalb der Familie wenig Freunde. Andere denken viel über etwas nach, bevor es eintritt oder sorgen sich immer über die Schule, ihre Freundschaften und Freizeitaktivitäten. Ängstliche Kinder sind oft innerlich angespannt oder nervös. Einige von ihnen brauchen viel Rückversicherung, und ihre Sorgen behindern sie bei ihren Aktivitäten oder halten sie davon ab, etwas Neues zu wagen.

Neben psychischen Symptomen können sich verschiedene körperliche Beschwerden einstellen, wie chronische Anspannungszustände (Muskelverspannungen, Unfähigkeit zum Entspannen, Kopf-, Gelenksschmerzen, andere Schmerzzustände), vegetative Übererregbarkeit (Übelkeit, Appetitlosigkeit, Oberbauchbeschwerden, Schwitzen, Schwindel, häufiges Wasserlassen, Durchfall), Nervosität und Konzentrationsschwierigkeiten.  Auch Schlafstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung, Reizbarkeit können als Symptome einer Angsterkrankung auftreten.

Eltern sollten folgende über mehrere Wochen anhaltenden oder immer wiederkehrenden Verhaltensauffälligkeiten von einem Kinder- und Jugendpsychiater abklären lassen:

  • Intensive Befürchtungen - ständige Ängste und Sorgen, Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten;
  • motorische Spannung - Ruhelosigkeit, Zittern, Muskelverspannung; Gelenks-, Kopfschmerzen;
  • körperliche Übererregbarkeit – Übelkeit, Schwitzen, Schwindel, Herzrasen, häufiges Wasserlassen, Durchfall, Mundtrockenheit etc. in bestimmten Situationen;
  • ausgeprägte Trennungsängste - unrealistische Gedanken über mögliches Unheil innerhalb der Familie, Kind kann sich nicht von Bezugsperson trennen;
  • Ein- und Durchschlafstörungen, unruhiger oder schlechter Schlaf.

Eltern sollten auf diese Anzeichen großer Ängstlichkeit und mögliche körperliche Symptome achten und diese in jeder Altersphase ernst nehmen und klären, wie ausgeprägt die Problematik ist. Wenn Ängste im Kindes- und Jugendalter den Alltag stark und anhaltend beeinträchtigen und zu Problemen in der Familie, im Kindergarten, in der Schule oder im Freizeitbereich führen, sollten sie unbedingt behandelt werden. Eltern sollten, wenn sie bei ihrem Kind häufig Ängste und Vermeidungsverhalten beobachten, mit einem Kinder- und Jugendpsychiater sprechen.

Eine frühe Behandlung kann Folgeprobleme wie den Verlust von Freundschaften, nicht erreichtem sozialen Status oder akademischen Grad und verminderte Selbstachtung verhindern. Eine frühe und vorbeugende Behandlung kann einen chronischen Verlauf einer Angsterkrankung verhindern helfen. Als Behandlungsmöglichkeiten stehen Psychotherapie (Spieltherapie, Einzeltherapie) und  Familientherapie zur Verfügung. Im Einzelfall ist die Symptomatik so ausgeprägt, dass der Kinder- und Jugendpsychiater zusätzlich die Einnahme bestimmter Medikamente empfiehlt.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Johannes Hebebrand, Essen (DGKJP)