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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Alkohol- und/oder Drogenkonsum in der Familie

Kinder, in deren Familien Drogen konsumiert werden, haben ein großes Risiko später selbst Alkohol- oder Drogenprobleme zu entwickeln. Obwohl der Gebrauch einiger Drogen abgenommen hat, ist das bei anderen nicht der Fall. Besonders Alkohol- und Zigarettenkonsum stellen noch große Problembereiche dar. Zu den problematischen Substanzen neben Alkohol und  Tabak gehören verschreibungspflichtige Medikamente, Substanzen, die inhaliert werden, sowie frei verkäufliche Husten-, Erkältungs-, Schlaf- und Diätmittel. Zu den illegalen Drogen gehören Marihuana, Kokain/Crack, LSD, PCP, Opioide, Heroin und Designer-Drogen.

Probleme für Kinder durch Alkoholkonsum in der Familie
(©Miriam Doerr - fotolia.com) Eltern haben eine wichtige Vorbildfunktion beim Umgang mit Alkohol und Drogen

Insbesondere die Gefahr, die von Zigaretten und Alkohol ausgeht, wird oft falsch eingeschätzt. Der Zigaretten- und Alkoholkonsum vieler Kinder und Jugendlicher wird in erster Linie durch das Vorbild der Eltern und das soziale Umfeld geprägt. Kinder entwickeln bereits im Grundschulalter eine bestimmte Einstellung zum Alkohol (kognitives Schema), das durch die Eltern geprägt wird: Wenn Kinder bereits von ihren Eltern lernen, dass Alkohol zur Freizeit gehört und zur Problemlösung eingesetzt wird, übernehmen sie später oft diese Verhaltensweisen.

Die frühe Gewöhnung an Alkohol (und andere Drogen) ist besonders problematisch. Je jünger die Kinder sind, wenn sie zum ersten Mal Alkohol (oder andere Drogen nehmen) trinken, desto größer ist die Gefahr des späteren Missbrauchs. Da Kinder und Jugendliche schneller lernen können als Erwachsene, gewöhnen sie sich auch schneller an den Umgang mit Suchtstoffen. Nikotin, Alkohol und andere Drogen lösen eine Veränderung der Vernetzung von Gehirnzellen aus, die eine dauerhafte Suchtgefährdung bewirken kann.

Auch eine erbliche Belastung kann das Risiko für die Entwicklung einer Alkoholsucht fördern: Kinder aus alkoholbelasteten Familien weisen ein bis zu sechsmal höheres Risiko auf, selbst abhängig zu werden. Sie reagieren – sowohl subjektiv als auch körperlich - anders auf Alkohol als Vergleichspersonen: Die berauschenden Effekte des Alkohols werden erst bei höheren Konzentrationen wahrgenommen. Alkohol bewirkt bei ihnen anscheinend eine erhöhte Stressdämpfung, d.h., Alkohol wird häufiger als funktional positiv empfunden. Die später einsetzenden unangenehmen Effekte des Alkohols treten dagegen mit Verzögerung auf.

Alkohol und Tabak sind darüber hinaus als typische Einsteigerdrogen zu bewerten. Ihr Konsum setzt die Hemmschwelle für den Gebrauch anderer Drogen herab und kann den Konsum von Marihuana und auch anderen illegalen Drogen einleiten. Die meisten Heranwachsenden konsumieren ihre früheren Drogen weiter, wenn sie neue ausprobieren.  Die Freundeskreise, in denen sie sich dann befinden, erleichtern oft den Zugriff zu „härteren“ Drogen.

Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen entsteht jedoch nicht durch den einmaligen Kontakt, für die Entwicklung einer Sucht spielen viele Faktoren eine Rolle. Einige Kinder "wachsen heraus" aus dem Alkohol- oder Drogenkonsum. Da man aber nicht vorhersagen kann, auf wen das zutrifft, sollte jeder riskante Konsum als gefährlich betrachtet werden.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Rainer Thomasius, Hamburg (DGKJP)