Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

22.02.2016

Traumatisches Ereignis: Bei Kindern auf Anzeichen einer Belastungsstörung achten

Sind Kinder oder Jugendliche einem möglicherweise traumatisierenden Ereignis ausgesetzt, können sie wie Erwachsene mit akut oder verzögert einsetzenden psychischen Störungen reagieren. Schwer belastende Lebensereignisse, die eine Traumatisierung zufolge haben können, sind beispielweise Gewalterfahrungen, Naturkatastrophen, Verkehrsunfälle, ein Amoklauf, Krieg und Flucht, der plötzliche Tod eines Angehörigen oder das Miterleben eines Suizides bzw. Auffinden der Leiche.

Sind Kinder oder Jugendliche einem möglicherweise traumatisierenden Ereignis ausgesetzt, können sie wie Erwachsene mit akut oder verzögert einsetzenden psychischen Störungen reagieren. Schwer belastende Lebensereignisse, die eine Traumatisierung zufolge haben können, sind beispielweise Gewalterfahrungen, Naturkatastrophen, Verkehrsunfälle, ein Amoklauf, Krieg und Flucht, der plötzliche Tod eines Angehörigen oder das Miterleben eines Suizides bzw. Auffinden der Leiche. „Insbesondere Ereignisse bei denen Kinder oder Jugendliche unter großer Furcht und Entsetzen litten und die eine Bedrohung der eigenen körperlichen Unversehrtheit oder der eines anderen Menschen beinhalteten, haben ein Traumatisierungspotential. Kinder und Jugendliche, die solche Situationen erlebten, zeigen ein breites Spektrum von Reaktionen. Einige sind nur beunruhigt und haben schlimme Erinnerungen, die im Laufe der Zeit bei guter emotionaler Unterstützung verblassen. Andere leiden stärker und entwickeln dauerhafte Probleme in Form einer Posttraumatischen Belastungsstörung“, berichtet Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. V. (BKJPP). Es ist eine wichtige Aufgabe, diese junge Menschen vor psychischen Störungen zu schützen oder ihnen zu helfen, bereits eingetretene Störungen zu bearbeiten.

Vermeidungsverhalten und Übererregtheit sind Anzeichen

Eine akute Belastungsreaktion tritt im Allgemeinen innerhalb von Minuten nach dem belastenden Ereignis auf. Die Symptomatik zeigt oft ein gemischtes und wechselndes Bild, beginnend mit einer Art ‚Betäubung‘, Bewusstseinseinengung und eingeschränkter Aufmerksamkeit, einer Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten und Desorientiertheit. Diesem Zustand kann ein weiteres ‚Sichzurückziehen‘ aus der Umweltsituation folgen oder Unruhe und Überaktivität. Körperliche Zeichen von Angst wie Herzrasen, Schwitzen und Erröten treten ebenfalls meist auf. Die Symptomatik geht innerhalb von zwei oder drei Tagen, oft innerhalb von Stunden zurück.

Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bei Kindern und Jugendlichen treten dagegen verzögert wenige Wochen bis Monate nach dem Trauma auf. Zum einen entwickeln betroffene Kinder typischerweise ein Vermeidungsverhalten, bei dem sie versuchen, Situationen aus dem Weg zu gehen, die eine Erinnerung an das zurückliegende Geschehen wachrufen könnten. „Es werden beispielsweise bestimmte Orte umgangen, öffentliche Verkehrsmittel nicht länger benutzt, bestimmte Personen nicht mehr getroffen und es kommt meist insgesamt zu einem sozialen Rückzug. Manche vermeiden körperliche Anstrengung oder Sport, weil sie versuchen, möglichst nicht außer Atem zu geraten, da der beschleunigte Herzschlag das Erlebte wieder wachrufen könnte“, illustriert der Kinder- und Jugendpsychiater. „Das Wiedererleben des traumatischen Ereignisses können Betroffene oft trotzdem nicht verhindern. Es drängt sich in Form von Erinnerungen, Bildern, Gedanken und in Träumen auf, was häufig Folge der Posttraumatischen Belastungsstörung ist.“ Weitere klassische Trauma-Symptome sind eine erhöhte Erregung mit übermäßiger Wachsamkeit, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit sowie Schlafstörungen und ein Gefühl emotionaler Taubheit. Kinder und Jugendliche, die Vermeidungsverhalten, emotionale Abflachung und/oder Übererregbarkeit zeigen, benötigen psychotherapeutische Hilfe. Im Zweifelsfall sollten Eltern nicht zögern, sich von einem Kinder- und Jugendpsychiater mit Spezialkenntnissen in Traumatherapie bei Kindern und Jugendlichen beraten zu lassen.

Psychotherapeutische Verfahren sind wirksam

Menschen, die von einer Posttraumatischen Belastungsstörung betroffen sind, werden mit speziellen Psychotherapieverfahren und wenn notwendig auch mit Medikamenten oder mit einer Kombination aus beidem behandelt. Als psychotherapeutisches Verfahren hat sich unter anderem die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. „Im Rahmen einer Verhaltenstherapie können die Kinder und Jugendlichen lernen, ihre Ängste und das problematische Vermeidungsverhalten zu überwinden. Auch kann man Ihnen dabei helfen, die Überzeugung, dass sich das traumatische Ereignis noch einmal ereignen wird, abzubauen“, ergänzt der Kinder- und Jugendpsychiater. „Jüngeren Kinder kann durch Spieltherapie und Gestaltungstherapie geholfen werden, sich in einer sicheren Umgebung und einem sicheren Umfeld an das traumatische Ereignis zu erinnern und ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen.“ Neben traumafokussierten Therapieansätzen, welche die traumatischen Erfahrungen des Kindes in den Mittelpunkt stellen, werden auch spezielle Verfahren, wie das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) angewendet. Ein zentrales Element dieser Behandlung ist die Nachverarbeitung der belastenden Erinnerung indem durch bilaterale Stimulation des Gehirns Informationsverarbeitungsprozesse angestoßen zu werden.

Manche Kinder oder Jugendlichen sind leichter als andere durch ein Trauma verletzbar. Welche Gründe dafür verantwortlich sind, ist nicht ganz geklärt. Ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen aufgrund eines traumatischen Geschehens haben Kinder oder Jugendliche, die zuvor schon Opfer von Gewalt oder eines anderen Traumas wurden oder die eine psychische Vorerkrankung haben. Mangelhafte familiäre Geborgenheit und geringe Unterstützung durch die Familie sind ebenfalls Risikofaktoren.

(äin-red) Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderpsychiater-im-netz.org. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patientenportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.