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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

20.02.2012

Mobbing kann schwere psychische Störungen nach sich ziehen

Gewalt in Schulen ist kein seltenes Phänomen. Bis zu 30% aller Kinder und Jugendlichen erleben in ihrer Schullaufbahn, von Mitschülern verbal beleidigt, schikaniert, benachteiligt und ausgegrenzt zu werden – unabhängig davon, welche Schulform sie besuchen.

Gewalt in Schulen ist kein seltenes Phänomen. Bis zu 30% aller Kinder und Jugendlichen erleben in ihrer Schullaufbahn, von Mitschülern verbal beleidigt, schikaniert, benachteiligt und ausgegrenzt zu werden – unabhängig davon, welche Schulform sie besuchen.  Diese Form von Gewalt wird auch als Mobbing bezeichnet werden. Meist geht Mobbing von mehreren Mitschülern aus. Für einen Teil der Kinder wiegen diese Belastungen so schwer, dass sie ernste psychische Störungen entwickeln. „Wird ein Kind wiederholt ausgegrenzt, beleidigt und abgewertet, kann dies zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls führen. Die Opfer beginnen zu verinnerlichen, was über sie gesagt wird und diese Art negativer Gedanken begünstigen die Entstehung von Angsterkrankungen und Depressionen“, berichtet Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in Berlin. „Mobbing kann zu vielfältigen, sehr ernst zunehmenden psychischen Belastungen führen. Hierzu gehören Schulunlust, Schulangst, negative Zukunftserwartung bis hin zu Selbstmordgedanken. Auch unspezifische psychosomatischen Beschwerden, wie Kopf- und Bauchschmerzen oder Schlafstörungen können erste Hinweise auf die Folgen von Mobbingerfahrung sein.“ Etwa ein Drittel  der betroffenen Kinder berichten ihre Erlebnisse nicht den Eltern oder den Lehrern. Oft wird das Mobbing  von den Lehrkräften nicht wahrgenommen oder erkannt. Einer skandinavischen Untersuchung zufolge berichten fast 60% der Kinder mit Mobbingerfahrung, dass die Klassenleitung nicht mit ihnen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse gesprochen hat.Kinder, die gemobbt werden, schämen sich oftmals, sind ängstlicher, einsamer und unsicherer im Verhalten. Wenn ein Kind nicht mehr in die Schule gehen will, morgens über Bauchschmerzen klagt oder plötzlich einen anderen Schulweg wählt, können dies Anzeichen dafür sein, dass es tyrannisiert wird. Aber auch beschädigte oder verschwundene Schulsachen oder gar blaue Flecken am Körper des Kindes sind Warnsignale. Eine neue Form des aggressiven Verhaltens von Schülern gegenüber Mitschülern findet im Internet statt, genannt Cyberbylling.  Hierzu gehört das wiederholte Versenden von belästigenden E-Mails, SMS und das Verbreiten von unwahren und diffamierenden Informationen. Nicht selten werden soziale Netzwerke für das Cyberbylling genutzt. Aktuelle Studien zeigen, dass circa ein Drittel der Mobbing-Opfer die Gewalt über das Internet und Handys erleben. „Verbale Attacken können schlimmere Folgen für die psychische Gesundheit haben als körperliche Übergriffe oder Beschädigungen des Eigentums“, betont der Kinder- und Jugendpsychiater, der die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Klinikum der Universität München leitet.Bei Mobbing-Verdacht sollten Eltern ihr Kind ansprechen und es ermutigen, von der Situation und seinen Gefühlen zu berichten. „Die emotionale Unterstützung in der Familie, eine positive Rückmeldung über die Stärken des Kindes von den Eltern sind wesentliche Aspekte, damit das Kind mehr Selbstvertrauen gewinnt, um sich gegenüber den Gleichaltrigen durchzusetzen.  Der Kontakt zur Schule ist unbedingt notwendig, damit schulische Hilfen und Unterstützung eingesetzt werden können. Durch eine verbesserte, hinsehende und eingreifende Pausenaufsicht, die Thematisierung von Gewalt in der Schule im Rahmen pädagogischer Fortbildungen, enge Kooperation der Lehrkräfte mit den Eltern kann ein wirksamer schulischer Rahmen geschaffen werden, um Gewalt in der Schule zu reduzieren.Die Integration der Mitschüler, z. B. in Form von Rollenspielen ermöglicht, Folgen der Ausgrenzung sicht- und spürbar zu machen und Strategien zu entwickeln, Mobbing zu verhindern. Zusehenden Mitschülern einschließlich der Täter sollten durch einen Perspektivenwechsel - zum Beispiel im Rollenspiel - die Folgen ihres Handelns für das Opfer verständlich gemacht werden. Denn den Folgen sind sich diese Kinder nur selten bewusst“, ergänzt Prof. Schulte-Körne. „Mobbing ist ein häufiges Problem in den Schulen, das eskalieren kann, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird. Hat ein Kind psychische Symptome entwickelt oder zeigt Ängstlichkeit und Rückzugsverhalten, sollte ein Kinder- und Jugendpsychiater zu Rate gezogen werden.“Die Pressemeldung der DGKJP ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung freigegeben.Bitte weisen Sie bei Verwendung im Printbereich auf das Informationsportal der DGKJP, www.kinderpsychiater-im-netz.de, hin. Bei Online-Veröffentlichung erbitten wir eine Verlinkung auf die Website.