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14.12.2015

Herbst-Winter-Depression betrifft auch Kinder und Jugendliche

Wenn bei Kindern und Jugendlichen regelmäßig im Herbst, Winter oder dem frühen Frühling Schwankungen der Schulleistungen auftreten oder eine ständig gereizte Stimmung, kann dies auf eine saisonal abhängige Depression (SAD) hinweisen.

Wenn bei Kindern und Jugendlichen regelmäßig im Herbst, Winter oder dem frühen Frühling Schwankungen der Schulleistungen auftreten oder eine ständig gereizte Stimmung, kann dies auf eine saisonal abhängige Depression (SAD) hinweisen. „In unseren Breiten kann der jahreszeitlich bedingte Lichtmangel in den Herbst und Wintermonaten bei einigen Kindern und Jugendlichen psychische Probleme hervorrufen bis hin zur saisonal abhängigen Depression. Betroffene Heranwachsende reagieren dann oft gereizt, manchmal wütend, sie wirken traurig, klagen über Bauchweh oder Kopfschmerzen und können durch einen plötzlichen schulischen Leistungsknick auffallen. Oft haben sie ein ausgeprägtes Schlafbedürfnis und meist mehr Appetit als sonst - vor allem auf Kohlenhydrate“, berichtet Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. V. (BKJPP). „Bei leichten Beschwerden sind regelmäßige Aktivitäten bei Tageslicht an der frischen Luft hilfreich. Auch an trüben, bedeckten Tage sollten die Kinder nach draußen gehen.“ In manchen Fällen können die Beschwerden so ausgeprägt sein, dass sie Krankheitswert haben. „Ein Kinder- und Jugendpsychiater sollte bei deutlichen Einschränkungen der emotionalen Befindlichkeit und der Leistungsfähigkeit zu Rate gezogen werden. Auch wenn leichte Beschwerden länger als zwei Wochen andauern, sollte der Facharzt aufgesucht werden“, ergänzt der Kinder- und Jugendpsychiater. Ein Besuch beim Facharzt ist auch deshalb wichtig, um die Störung von einer anderen Form von Depression abzugrenzen. Hinweise auf eine saisonale depressive Phase sind eine jährlich wiederkehrende Symptomatik sowie auch eine familiäre Belastung, wenn also Eltern und Geschwister ebenfalls im Winter in ein Stimmungstief fallen.

Depressionsanzeichen sind altersabhängig

Symptome von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen unterscheiden sich in den jeweiligen Altersklassen, wobei Desinteresse und Antriebslosigkeit meist immer vorhanden sind. „Im Klein- und Vorschulkindalter haben die betroffenen Kinder oft Schlaf- und Essstörungen. Manche sind in sich gekehrt, passiv und anhänglich oder neigen andererseits zu aggressivem Verhalten. Auch können sie häufiger Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen äußern“, erläutert Dr. Spitczok von Brisinski. Im Pubertäts- und Jugendalter treten oft Ein- und Durchschlafstörungen, Gewichtsverlust sowie tageszeitliche Schwankungen des Befindens mit einem Tief in den Morgenstunden auf. Auch ein vermindertes Selbstwertgefühl, Grübelneigung, Rückzug und Zukunftsängste können auf eine depressive Erkrankung hinweisen. „Sehr ernst zu nehmende Signale sind eine nicht erklärbare Vernachlässigung von Interessen, ein Leistungsknick in der Schule, Drogenkonsum oder Selbstmordgedanken“, betont der Kinder-und Jugendpsychiater. Die diagnostische Unterscheidung zwischen einer zeitweisen Verstimmung ohne Krankheitswert, einer ausgeprägten Saisonalen Depression und einer anderen depressiven Erkrankung kann letztlich nur ein Kinder- und Jugendpsychiater treffen. Eltern sollten sich nicht scheuen, bei entsprechenden Auffälligkeiten ihres Kindes einen Facharzt zu Rate zu ziehen.

Im Vorschulalter leiden etwa 1% und im Grundschulalter 2 - 3% der Kinder an Depressionen. Unter den 15- bis 19-Jährigen sind circa 5% betroffen. Bestimmte Lebensumstände können den Ausbruch einer Depression bei Kindern fördern. Dazu zählen Spannungen und Stress in der Familie, ein Mangel an sozialer Unterstützung sowie schulisches Versagen, eine ungewollte Schwangerschaft oder Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Mehr Informationen zu Depressionen bei Kindern und Jugendlichen unter: http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugend-psychiatrie/erkrankungen/depression/was-ist-eine-depression/

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