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11.12.2014

Eltern sollten nur gelegentlich Alkohol konsumieren

Kinder entdecken meist im Familienkreis, wie in unserer Gesellschaft Alkohol konsumiert wird. Der Umgang der Eltern mit Alkohol spielt eine entscheidende Rolle, wie Kinder später damit umgehen. Abstinente Eltern sind das beste Vorbild. Doch auch wenn Eltern gelegentlich Alkohol in Maßen konsumieren, können sie glaubwürdig sein, wenn sie ihre Kinder andererseits vor Alkohol warnen.

Kinder entdecken meist im Familienkreis, wie in unserer Gesellschaft Alkohol konsumiert wird. Der Umgang der Eltern mit Alkohol spielt eine entscheidende Rolle, wie Kinder später damit umgehen. Abstinente Eltern sind das beste Vorbild. Doch auch wenn Eltern gelegentlich Alkohol in Maßen konsumieren, können sie glaubwürdig sein, wenn sie ihre Kinder andererseits vor Alkohol warnen. „Eltern sollten sich ihrer Vorbildfunktion im Zusammenhang mit Alkoholkonsum bewusst sein, und bedenken, dass der Umgang mit Alkohol in der Familie schon sehr kleine Kinder beeinflusst. Kinder entwickeln bereits im Grundschulalter eine bestimmte Einstellung zum Alkohol, die durch die Eltern geprägt wird“, berichtet Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP). „Wenn Kinder von ihren Eltern lernen, dass Alkohol zum Feierabend und zur Freizeit gehört, übernehmen sie später oft diese Verhaltensweisen. Alkohol sollte daher von den Eltern nicht täglich und nie selbstverständlich konsumiert werden sondern eben nur gelegentlich.“ Außerdem sollten Eltern klare Regeln im Umgang mit Alkohol aufstellen - auch für sich selbst.

Besonders problematisch ist es, wenn Eltern dann zu Alkohol greifen, wenn sie selbst gestresst sind und Alkohol als Mittel zur Entspannung oder zur Verdrängung von Konflikten eingesetzt wird. „Gerade in diesen Situationen sollten Eltern ihren Kindern andere Verhaltensweisen aufzeigen, wie man mit negativen Gefühlszuständen umgeht. Auch sollte den Kindern vorgelebt werden, dass es wichtig ist, Konflikte konstruktiv auszutragen und Probleme offen anzusprechen, um diese zu lösen“, rät der Kinder- und Jugendpsychiater. Alkohol sollte in Gegenwart von Kindern nie als besonders entspannend, entlastend oder erlösend angepriesen werden und man sollte dies auch nicht durch entsprechende Gesten oder Verhaltensweisen suggerieren. Alkohol und andere Drogenprobleme bei Kindern und Jugendlichen sind weniger wahrscheinlich bei klaren Einstellungen und gesunden Verhaltensweisen der Erwachsenen.   

Alkohol spielt für viele Jugendliche eine wichtige Rolle, wenn es um Identitätsfindung und Loslösung vom Elternhaus geht. „Jugendliche probieren Alkohol aus, weil sie neugierig sind, ihre Grenzen austesten wollen oder weil sie dazugehören wollten. Auch Langeweile, Hemmungen, Enttäuschungen, schulisches Versagen oder andere Probleme können Gründe sein, warum sie zum Alkohol greifen“, berichtet Dr. Spitczok von Brisinski. Bemerken Eltern bei ihren Kindern Hinweise auf Alkoholkonsum, ist es wichtig das Gespräch mit den Kindern zu suchen und dabei nicht zu überreagieren. Ein generelles Alkoholverbot ist nicht zu empfehlen, weil diese Maßnahme den Reiz des Verbotenen erhöht. Fürchten Eltern, Ihr Kind sei durch einen zunehmenden Alkoholkonsum in seiner Entwicklung ernsthaft gefährdet oder sie sehen sich nicht in der Lage, die Situation selber zu bewältigen, sollten sie einen Beratungstermin bei einem Kinder- und Jugendpsychiater vereinbaren.

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