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30.03.2011

Cannabis-Konsum erhöht bei Jugendlichen das Psychose-Risiko

Bei dauerhaftem exzessivem Konsum von Cannabis kann sich nicht nur eine psychische und eine milde körperliche Abhängigkeit entwickeln, es kann auch bei manchen Jugendlichen das Auftreten psychotischer Symptome fördern.

Der Konsum von Cannabis in jungen Jahren kann die Entwicklung von ernsthaften psychischen Erkrankungen fördern und sollte daher keinesfalls verharmlost werden. „Bei dauerhaftem exzessivem Konsum von Cannabis kann sich nicht nur eine psychische und eine milde körperliche Abhängigkeit entwickeln, es kann auch bei manchen Jugendlichen das Auftreten psychotischer Symptome fördern, wobei sich die Wahrscheinlichkeit bei entsprechendem Konsum in jüngeren Jahren erhöht“, warnt Prof. Frank Häßler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in Berlin. „In der psychiatrischen Klinik sieht man leider zunehmend junge Patienten, die eine chronisch verlaufende psychotische Symptomatik aufweisen und die lange - auch noch nach Beginn der Psychose - Cannabis konsumiert haben.“ Jüngere Erkenntnisse zeigen, dass Jugendliche, welche diese Droge nehmen, fast doppelt so häufig Anzeichen einer beginnenden Psychose aufweisen als Jugendliche, die dies nicht tun. Bei dauerhaftem Konsum steigt dann auch das Risiko, dass sich diese Symptome dauerhaft einstellen und im Erwachsenenalter eine Schizophrenie diagnostiziert wird. „Durch Cannabiskonsum wird das Erkrankungsalter für Schizophrenien vorverlegt“, ergänzt der Experte.

Charakteristisch für die Wirkung von Cannabis ist das breite Spektrum psychischer Effekte. So werden das Fühlen, das Denken, das Gedächtnis und die Wahrnehmung beeinflusst. „Nach dem Konsum von Cannabis kann das Kurzzeitgedächtnis gestört sein - daher scheint auch die Zeit langsamer zu verstreichen. Übliche Denkmuster können in den Hintergrund treten und neuartige Ideen und Einsichten, verbunden mit starken Gedankensprüngen können das Denken prägen“, erläutert Prof. Häßler. „Subjektiv kann sich die Wahrnehmung der Umwelt intensivieren. Dabei wird sonst Nebensächliches - wie Geräusche oder Gerüche - dann deutlicher wahrgenommen.“ Sowohl die Dosis und die Art der Einnahme als auch der Kontext des Konsums sowie die Persönlichkeit des Konsumenten und seine Erwartungen können die Drogenwirkung beeinflussen.

Erste Anzeichen für eine beginnende Psychose können Störungen von Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis und eine Verschlechterung der schulischen oder beruflichen Leistungsfähigkeit sein sowie sozialer Rückzug und Ängste. Diese Symptome sind jedoch sehr unspezifisch und können auch einen anderen Hintergrund haben. Nur eine sorgfältige Diagnostik kann dann Aufschluss bringen. „Auch selbst wahrgenommene Veränderungen und Beeinträchtigungen des Denkens - wie häufiges „Fadenverlieren“ - oder eine veränderte Wahrnehmung mit erhöhter Reizempfindlichkeit oder Störungen im Sehfeld können auf ein erhöhtes Psychose-Risiko hinweisen“, ergänzt der Direktor der Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter der Universität Rostock. „Beim erstmaligen Auftreten von psychotischen Symptomen besteht noch eine relativ gute Chance, dass nach Abklingen der Drogeneffekte auch die Psychose sich innerhalb weniger Tage zurückbildet. Betroffene sollten dann allerdings vorsorglich im Kontakt zu einem Kinder- und Jugendpsychiater bleiben“, rät der Experte.

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