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22.10.2012

Bei Kindern psychisch kranker Eltern ist ein frühzeitiges Erkennen der Belastungen wichtig

Kinder, deren Eltern von einer psychischen Erkrankung betroffen sind, haben ein erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken.

Kinder, deren Eltern von einer psychischen Erkrankung betroffen sind, haben ein erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken. Bei etwa einem Drittel dieser Kinder treten psychische Erkrankungen auf. Besonders groß ist ihr Krankheitsrisiko, wenn ein Elternteil unter einer manisch-depressiven Erkrankung, Schizophrenie , Alkoholabhängigkeit , Drogenmissbrauch oder Depressionen leidet. Sind sowohl die Mutter als auch der Vater betroffen, nimmt das Erkrankungsrisiko erheblich zu.„Die Eltern können ihren Kindern eine genetische Vulnerabilität, d.h. ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen vererbt haben, doch auch das Verhalten der Eltern kann sich belastend auswirken“, erläutert Prof. Thomas Becker von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. „Psychisch kranke Patienten können ihren Kindern nicht immer die nötige Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken, die für eine gesunde psychische Entwicklung gerade in den ersten Jahren wichtig sind. Auch die Beziehung beider Elternteile zueinander ist durch die psychische Erkrankung häufig belastet. Dies kann sich ebenfalls negativ auf die Erziehung auswirken und damit dem Kind indirekt schaden“. Es ist deshalb wichtig, dass Ärzte und Therapeuten sich bei ihren psychisch kranken Patienten nach der seelischen Gesundheit und emotionalen Entwicklung ihrer Kinder erkundigen. „Zeigen die Kinder psychische Auffälligkeiten sollten spezielle Hilfeangebote in Anspruch genommen werden“, empfiehlt der Psychiater und Psychotherapeut.Von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche Behandlung ist das frühzeitige Erkennen der Belastung von Kindern psychisch kranker Eltern. Dies ist nicht immer einfach, denn häufig haben betroffene Familien Strategien entwickelt, die Erkrankung zu kompensieren, zu verschweigen und sich von ihrer Umgebung zu isolieren. Doch auch im professionellen Kontext stehen die Kinder der behandelten Patientinnen und Patienten häufig außerhalb des ärztlichen Blickfelds. Ein stärkeres, vor allem frühzeitiges Einbeziehen von Kindern psychisch kranker Eltern in therapeutische Maßnahmen könnte aber dazu beitragen, die kindlichen und familiären Belastungen, die sich durch eine psychische Erkrankung des Elternteils ergeben, deutlich zu vermindern. „Eine Einzel- oder Familienpsychotherapie kann bereits erkrankten Kindern helfen oder bei gefährdeten Kindern das Risiko senken“, erläutert Becker. „Die Familie soll lernen, die positiven Dinge im Familienleben eher wahrzunehmen und die Stärken des Kindes zu nutzen. Wichtig ist auch, dass die Kinder von der Erkrankung wissen und sich nicht selbst die Schuld dafür geben.“ Daneben gibt es weitere, stabilisierende Faktoren: Kinder sollten das sichere Gefühl haben, von dem erkrankten Elternteil geliebt zu werden – trotz der erkrankungsbedingten Einschränkungen. Eine verlässliche Beziehung zu einem (nicht erkrankten) Erwachsenen, Freunde, Spaß und Erfolg in der Schule, besondere Interessen oder Aktivitäten außerhalb der Familie stärken das Kind zusätzlich und machen es widerstandsfähiger gegenüber Belastungen, die sich aus einer elterlichen Erkrankung ergeben können.

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