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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Therapie und Hilfsmaßnahmen bei Störungen des Sozialverhaltens

Für eine erfolgreiche Behandlung von Störungen des Sozialverhaltens sind frühzeitig einsetzende, umfassende Maßnahmen wichtig. Diese werden dann abhängig von den Ursachen für die Störung gestaltet und setzen in verschiedenen Bereichen an. Hierfür werden Familienbeziehungen, Schul- bzw. Arbeitsmilieu, Peergruppen-Zugehörigkeit und Freizeitverhalten des Kindes oder Jugendlichen untersucht.

In der Regel wird zunächst eine psychiatrische Behandlung eingeleitet, beispielsweise in Form einer Verhaltenstherapie, in der das Kind bzw. der Jugendliche unter anderem lernt, impulsives oder aggressives Verhalten zu kontrollieren. In manchen Fällen kann zu einer unterstützenden medikamentösen Therapie geraten werden.

Auch die Eltern werden in die Therapie einbezogen. Dies kann auch die Förderung einer Behandlung wichtiger elterlicher Probleme (z.B. Drogenmissbrauch) beinhalten. Sind die familiären Bedingungen ein entscheidender Auslöser für das aggressive Verhalten des Kindes, muss auch über eine außerfamiliäre Unterbringung nachgedacht werden. 
Elterntrainings können dabei helfen, die Alltagsbelastung in den Familien zu reduzieren. Dabei werden Eltern beispielsweise Möglichkeiten aufgezeigt, dem Kind Regeln und Grenzen zu setzen und eine sinnvolle Kontrolle und Aufsicht wahrzunehmen. Auch werden sie dahingehend geschult, erwünschtes Verhalten beim Kind zu belohnen und positives Verhalten zu verstärken.

Parallel werden Maßnahmen ergriffen, die der Fortsetzung der schulischen Laufbahn, der Berufsvorbereitung und dem Training alltagspraktischer und sozialer Fertigkeiten dienen.

Für eine wirksame Therapie ist eine kontinuierliche Behandlung mit konsequenten pädagogischen Maßnahmen wichtig. Zunehmend werden Präventionsansätze zu Aggressions- und Gewaltprävention bereits im Kindergartenalter sowie im Grundschulalter eingesetzt. Sie können auf Dauer dazu beitragen, negativen Entwicklungen frühzeitig entgegenzuwirken.

Fachliche Unterstützung: Univ.-Prof. Dr. med. Gerd Lehmkuhl, Köln (DGKJP)