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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Hilfe und Behandlungsmöglichkeiten bei Schlafstörungen von Kindern und Jugendlichen

Schlafstörungen mit nicht-organischer Ursache sind im Kindes- und Jugendalter in der Regel gut behandelbar und verschwinden im Behandlungsverlauf bei vielen Betroffenen oft spontan. Die Behandlung einer Schlafstörung richtet sich nach ihrer Ursache und Schwere.

Zentralen Stellewert beim der Therapie von Schlafstörungen hat eine genaue Aufklärung der Bezugspersonen und des Betroffenen über das individuelle Störungsbild, eine angemessene Schlafhygiene, potentielle entwicklungsspezifische Ängste sowie auch über die Charakteristika eines normalen altersgerechten Schlafes. Es gibt eine Reihe von Aspekten (Schlafhygiene), die einem  Kind zu einem regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und förderlichen Schlafgewohnheiten verhelfen:

  • Regelmäßigkeit
    Es sollte auf die Einhaltung eines festen Plans von Schlaf- und Wachzeiten geachtet werden. Auch ein geregelter Tagesablauf und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft sind für einen gesunden Schlaf förderlich.
  • Einschlafrituale
    Konstante Rituale beim Zubettgehen können die Schlafbereitschaft fördern. Für jüngere Kinder eignen sich Gute-Nacht-Geschichten, für ältere Kinder regelmäßiges Vorlesen oder ruhige und entspannungsfördernde Beschäftigungen vor dem Schlafengehen. Einschlafrituale können auch ein warmes Bad, Vorsingen, Beten o.ä. umfassen.
  • „Die Nacht ist zum Schlafen da“
    In der Nacht sollte grundsätzlich nicht mit einem wachen Kind gespielt werden. Es sollte - außer in Ausnahmefällen (z.B. nach einem scharfen Abendessen) - auch nichts zu trinken oder gar zu essen bekommen – dafür ist am Tag genügend Zeit.
  • „In sich ruhen“ ist das Ziel
     Von klein auf sollte einem Kind beigebracht werden, im eigenen Bett selbständig einzuschlafen. Ein Kind sollte in der Lage sein, ohne Einschlafhilfen wie Schnuller, Fläschchen, Spieluhr, Musik oder Hörspiele einzuschlafen. Wenn es Unterstützung beim Einschlafen braucht, solle man lieber in immer länger werdenden Abständen nach ihm sehen, um ihm das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.
  • Das Bett ist ein Ort zum Schlafen
    Bereits einem Baby sollte die Verbindung zwischen Bett und Schlafen beigebracht werden - es sollte nicht auf dem Arm oder dem Sofa einschlafen. Kinder sollten nur zur Schlafenszeit ins Bett gehen, tagsüber sollte sie sich woanders aufhalten.

Liegen körperliche Ursachen (z.B. Schnarchen oder Schlafapnoe durch Polypen oder vergrößerte Rachenmandeln) oder psychische Störungen (z.B. Depressionen) vor, werden diese vorrangig behandelt. In manchen Fällen können psychotherapeutische Maßnahmen eingesetzt werden. Medikamente werden zur Behandlung von Schlafstörungen (ohne weitere psychische Erkrankung, z.B. Depressionen) nur in seltenen Fällen im Jugendalter eingesetzt.

Dyssomnien

Zentralen Stellenwert bei der Therapie von Dyssomnien hat die Aufklärung von Betroffenen und ihren Eltern über ein gesundes Schlafverhalten, eine gute Schlafhygiene und auch über die Konsequenzen von Schlafstörungen auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Auch eine Aufklärung der Eltern über entwicklungsspezifische Ängste bei Kindern ist vorteilhaft.

Bei Kindern im Vor- und Grundschulalter, die von Schlafstörungen betroffen sind, kann es sinnvoll sein, die Familien hinsichtlich des Erziehungsverhaltens und der Konfliktbearbeitung in der Familie zu beraten. Ziel dieser Beratung ist, eskalierende Situationen im Zusammenhang mit dem Schlafen-Gehen zu vermeiden und Eltern in die Lage zu versetzen, auf mögliche Ängste ihrer Kinder einzugehen.

Wenn das Kind nachts aufwacht und weint, sollten die Eltern möglichst nur überprüfen, ob etwas nicht in Ordnung ist und dem Kind Sicherheit geben. Auf keinen Fall sollten sie zu lange beim Kind bleiben, Licht machen, Essen/Trinken anbieten und singen oder spielen. Nächtliches Aufwachen kann man seinem Kind auch antrainieren, ebenso das das Einschlafen nur im Beisein der Eltern erfolgt. Bei Angst vor der Dunkelheit kann eine abgeschwächte Lichtquelle (z.B. eine offene Tür) und eventuell ein Kuscheltier oder eine Lieblingsdecke als „Übergangsobjekt“ hilfreich sein. Solche Dinge können das Kind auch beim nächtlichen Aufwachen beruhigen.
Wenn ein Kind nicht im Bett liegenbleiben will, können Eltern die „Methode mit der geschlossenen Tür“ anwenden. Hierfür müssen sie dem Kind erklären, dass Sie die Tür schließen werden, wenn es nicht im Bett bleibt und die Tür offen bleibt, wenn das Kind im Bett liegt. Damit kann das Kind selbst bestimmen, ob die Tür geschlossen wird oder offenbleibt. Eltern können mit dem Kind durch die geschlossene Tür reden und es auf diese Weise ermutigen, sich nach der Regel zu verhalten. Ein Kind sollte jedoch niemals eingesperrt werden, da es sich dann fürchten könnte. Auch sollte die Tür zunächst nur für eine Minute verschlossen bleiben, anschließend sollte man dem Kind nochmal die Regel erklären.

Bei älteren Kindern und auch Jugendlichen können das Erlernen und die Anwendung von Entspannungstechniken hilfreich sein. Betroffene können sich darüber selbsttätig in die Lage versetzten, ihren Geist und Körper zu beruhigen. Auf diese Art und Weise kann bereits den meisten Kindern und Jugendlichen geholfen werden. Begleitend ist manchmal eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll. So können beispielsweise im Rahmen eines kognitiven Trainings negative Gedanken („Wenn ich jetzt nicht einschlafe, bin ich morgen nicht leistungsfähig“) in positive Gedanken („Ich hatte schon oft erfolgreiche Tage, wenn ich vorher nicht so gut geschlafen habe“) umgewandelt werden. Teil der Therapie ist auch, die Kinder in die Lage zu versetzen, ihr Verhalten im Zusammenhang mit dem Schlafen selbst beurteilen zu können damit sie schlafförderliches Verhalten selbsttätig anwenden können.

Parasomnien

Bei der Therapie bzw. dem Umgang mit Parasomnien sind insbesondere zwei Aspekte von Bedeutung: Zum einen sollte die Schlafumgebung möglichst sicher gestaltet sein, damit sich die betroffenen Kinder oder Jugendlichen nicht verletzen. Zum andern sollten Eltern ihren Kindern die Angst vor den nächtlichen Ereignissen und auch der allgemeinen Schlafsituation nehmen und Sicherheit und Fürsorge zu vermitteln. Das ist wichtig, um einer Chronifizierung der Beschwerden vorzubeugen.

Maßnahmen bei Schlafwandeln

Das Schlafwandeln ist in der Regel harmlos und bedarf keiner speziellen Therapie. Es wird als Entwicklungsvariante des zentralen Nervensystems mit langandauerndem Tiefschlaf aufgefasst. Die Eltern sollten jedoch möglichst dafür sorgen, dass ihren Kindern beim Herumgeistern nichts passiert (z.B. Fenster und Türen verschließen). Während einer Schlafwandel-Episode sollten die Eltern ihr Kind nicht wecken, sondern es sanft und ruhig zum Bett bringen und schlafen legen.
In besonders schweren Fällen des Schlafwandelns kann vorübergehend eine medikamentöse Behandlung nötig werden, vor allem wenn sich die Gefährdung des Kindes nicht verringern lässt.

Maßnahmen bei Nächtlichem Hochschrecken (Pavor nocturnus)

Auf die Eltern wirkt der Pavor nocturnus meist bedrohlicher als das Schlafwandeln, dennoch ist das Phänomen in der Regel harmlos. Ähnlich wie beim Schlafwandeln sollten die Eltern dafür sorgen, dass sich das Kind bei seinen nächtlichen Aktionen nicht verletzen kann. Auch in diesem Fall sollten die Eltern ihr Kind nicht wecken. Eine ärztliche Therapie ist erst bei länger anhaltender Symptomatik notwendig. In besonders schweren Fällen des Schlafwandelns kann vorübergehend eine medikamentöse Behandlung nötig werden, vor allem wenn sich die Gefährdung des Kindes nicht verringern lässt.

Maßnahmen bei Alpträumen

Kinder erleben in Alpträumen zuweilen beängstigende Dinge: sie werden beispielsweise von einem Mann mit einem Messer verfolgt oder von Monstern angegriffen. Auf kleinere Kinder wirken Alpträume besonders bedrohlich, weil sie noch nicht in der Lage sind, zwischen Traum und Realität zu unterscheiden. Erwacht das Kind aus einem nächtlichen Alptraum, ist es zunächst sinnvoll, das Kind zu trösten und es dazu anzuregen, den Traum wiederzugeben. Es sollte erfragt werden, was an dem Traum Furcht auslösend war und wie sich das Kind dabei gefühlt hat. Dem Kind sollte versichert werden, dass es sich nur um einen Traum gehandelt hat, dieser jetzt vorbei ist und es sich jetzt um die Realität handelt. Die kindliche Erzählung des Traumes kann auch am nächsten Tag erfolgen. Auch bei älteren Kindern kann es sinnvoll sein, über den Inhalt des Traumes zu sprechen.

Zur therapeutischen Bewältigung von immer wiederkehrenden Alpträumen hat sich eine einfach durchzuführende Maltherapie bewährt: Dabei soll das Kind den Inhalt seines Traumes malen und selbst ein gutes Ende bzw. eine Lösung für die Problematik im Traum festhalten. Wichtig dabei ist, dass das Kind auf dem Bild selbst vorkommt und eine eigene Lösung erfindet. Nach einigen dieser „Sitzungen“ verliert der Alptraum in der Regel seine Bedrohlichkeit.

Für Kinder bis zum sechsten Lebensjahr ist es völlig normal, wenn sie ab und zu einen Alptraum haben. Eine auffällige Häufung hingegen weist auf psychische oder soziale Probleme hin, die eventuell mit Hilfe psychotherapeutischer Verfahren therapiert werden sollten.

Bettnässen

Das Bettnässen stellt sich im Laufe der Zeit gewöhnlich von alleine ein. Angst und Scham beeinträchtigen jedoch oft das Selbstbewusstsein der Kinder, die wegen des Bettnässens nicht außer Haus übernachten wollen. Vorwürfe können daher zu psychischen Problemen oder Störungen beim Betroffenen führen. Bei Umgang mit Bettnässen ist die seelische Unterstützung durch die Eltern am wichtigsten. Informationen zur Therapie von nächtlichem Einnässen sind im Artikel „Einnässen & Kontrolle des Darms“ ausführlich dargestellt.

Schlafbezogene rhythmische Bewegungsstörungen

Im Allgemeinen helfen Eltern ihren Kindern hier am besten, wenn sie die Eigenart ihrer Sprösslinge akzeptieren und ihnen tagsüber genügend Möglichkeiten geben, sich rhythmisch zu bewegen. Außerdem sollten sie dafür sorgen, dass von der Umgebung des Schlafplatzes keine Verletzungsgefahr ausgeht.
Nur wenn das Kopfschlagen erstmals im 2. Lebensjahr auftritt oder von Entwicklungsverzögerungen begleitet wird, ist eine Abklärung erforderlich, da dies Symptom einer neurologische oder psychische Erkrankung sein kann. Die Therapie besteht dann in der Behandlung dieser Erkrankung.
Ganz wenige Erwachsene (<1%) behalten das Kopfschlagen aus der Kindheit bei.

Restless-Legs-Syndrom

Die medikamentöse Behandlung des Restless-Legs-Syndroms, die sich bei Erwachsenen bewährt hat, ist für das Kindes- und Jugendalter noch zu wenig erforscht und gilt daher nicht als medizinischer Standard. In manchen Fällen kann Eisenmangel die Ursache der Symptome beim Restless-Legs-Syndrom sein. In diesen Fällen muss die Ursache für den Mangel abgeklärt und behoben werden.

Fachliche Unterstützung: Univ.-Prof. Dr. med. Gerd Lehmkuhl, Köln (DGKJP)