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Verlauf und Prognose bei Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht)

Da das Krankheitsbild der Bulimia nervosa erstmals 1980 klassifiziert worden ist, gibt es bisher wenige Daten über den Verlauf dieser Erkrankung. Oft wird sie erst im dritten Lebensjahrzehnt der Patienten - also nach längerer Krankheitsdauer - behandelt. Immerhin erreicht etwa die Hälfte der Patienten, die an Bulimie litten, eine vollständige Heilung, wenn auch meist erst nach mehrjährigem Krankheitsverlauf.

Chronische Verläufe können bei jedem dritten der ehemaligen Patienten eintreten. 30 Prozent erreichen nur eine teilweise Besserung und 20 Prozent zeigen keine erhebliche Besserung ihres Krankheitsbildes. Rückfälle in eine anorektische Essstörung scheinen sehr selten zu sein, häufig hingegen sind Angsterkrankungen, Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie Störungen der Impulskontrolle. Demgegenüber ist die Sterblichkeit (nicht aber die Suizidrate) bei Bulimie deutlich geringer als bei Anorexie.

Ein vergleichsweise schlechterer Behandlungsverlauf ist bei Patienten zu erwarten, die zusätzlich Borderline-Symptome, Suizidversuche und Alkoholmissbrauch aufweisen. Die meisten Rückfälle sollen bei Patienten zu beobachten sein, die früh an Bulimie erkrankt sind und in ihrer Krankheitsgeschichte besonders häufig Erbrechen herbeigeführt haben. Allerdings liegen immernoch zu wenige Daten über jugendliche Bulimie-Patienten vor. Für die Prognose einer Anorexie sind demgegenüber nachweislich die Krankheitsdauer und das Ausmaß des Gewichtsverlustes vor Behandlungsbeginn besonders aussagekräftig.

Fachliche Unterstützung: Dr. Freia Hahn, Viersen (BKJPP)