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Risikofaktoren von Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht)

Essstörungen scheinen deutlich mit überwertigen Idealvorstellungen (wie Perfektionismus, Leistungsorientierung, Bewertung von Figur und Körpergewicht) zusammenzuhängen, wobei ein negativer Selbstwert sich als bedeutender Einflussfaktor erwiesen hat. Jugendliche, die ein niedriges Selbstwertgefühl und andere entwicklungsbedingte Konflikte (insbesondere innerhalb der Familie) aufweisen, sind besonders gefährdet, durch eine übermäßige Anpassung an das gesellschaftliche Schlankheitsideal ihre Probleme kompensieren zu wollen. Ein negativer Selbstwert, aber auch das Fortbestehen einer problematischen Einstellung gegenüber Figur und Gewicht, Probleme mit der Affektregulation, soziale Beziehungsprobleme und Persönlichkeitszüge im Sinne eines Perfektionismus scheinen die Entwicklung einer Bulimia nervosa zu begünstigen.

Neben den genannten Risikopatienten gelten auch an Diabetes erkrankte Jugendliche und junge Erwachsenen, die sich an Diäten halten müssen, als Risikogruppe.

Bei chronischen Verlaufsformen der Bulimia nervosa sind häufig heftige Konflikte in der Vergangenheit der Betroffenen anzutreffen – z.B. Kontaktabbruch, Trennung, Scheidung u.a. Formen des Beziehungsverlustes, aber auch familiäre Gewalt (körperlich und sexuell), Suchterkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen der Eltern.

Insgesamt weisen bulimische Patienten eher affektiv labile, ungehemmte und aktive Persönlichkeitszüge auf im Vergleich zu den eher ängstlichen, gehemmten und kontrollierten Persönlichkeitszügen bei anorektischen Patienten.

Fachliche Unterstützung: Dr. Freia Hahn, Viersen (BKJPP)