Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Diagnostik: Diagnosen

Nicht jede Art von Hilfe hilft jedem in jeder Situation – Untersuchungen sind daher wichtig, um geeignete Hilfen auszuwählen. Die Untersuchungsergebnisse dienen zur Findung einer oder mehrerer Diagnosen und die Diagnose(n) sind Voraussetzung für hilfreiche Beratung und wirksame Behandlung. Der Begriff ‚Diagnose’ stammt aus dem Griechischen und bedeutet ‚Unterscheidung, Entscheidung, Erkenntnis, Urteil’.

Ein Verzeichnis der meisten psychiatrischen Diagnosen findet sich im Kapitel V der Internationalen Klassifikation von Erkrankungen der Weltgesundheitsorganisation (International Classification of Diseases [ICD] der World Health Organization [WHO]), im Internet unter www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm.

Aussagekraft und Nützlichkeit psychiatrischer Diagnosen sind sehr unterschiedlich. Während z. B. aus der Diagnose autistischer Störungen (ICD-10: F84), ADHS (ICD-10: F90) oder Ticstörungen (ICD-10: F95) sehr direkt und konkret (unter Berücksichtigung der Stärken und Schwächen des Kindes bzw. Jugendlichen und seines sozialen Umfelds) hilfreiche Maßnahmen ableiten lassen (u. a. den AWMF-Leitlinien zu Diagnostik und Behandlung (www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien/ll-liste/deutsche-gesellschaft-fuer-kinder-und-jugendpsychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie.html) folgend, aber auch bzgl. Kontaktaufnahme zu Selbsthilfeverbänden wie z. B. Autismus Deutschland e. V.  (www.autismus.de), ADHS Deutschland e. V. (www.adhs-deutschland.de) oder Tourette-Gesellschaft Deutschland e.V. (www.tourette-gesellschaft.de)), werden bei anderen ICD-10-Diagnosen wie z. B. Kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen (ICD-10: F92) die konkreten Maßnahmen überwiegend aus dem individuellen Verhalten des Kindes bzw. Jugendlichen sowie aus den Rahmenbedingungen des sozialen Umfelds abgeleitet und weniger aus der ICD-10-Diagnose.

Besonders wichtig zur Beurteilung des Hilfebedarfs und geeigneter Behandlungsmaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen ist nicht nur die psychische Störung gemäß der ICD-10-Diagnose, sondern auch, welche sonstigen Beeinträchtigungen beim Kind bzw. Jugendlichen selbst und in seinem sozialen Umfeld bestehen. Hierzu dient als standardisiertes mehrdimensionales Beurteilungssystem das „Multiaxiale Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach ICD-10 der WHO“, das auf insgesamt sechs Achsen  die psychische(n) Störung(en), Teilleistungsstörungen wie z. B. Sprachentwicklungsstörung oder Legasthenie, Intelligenzniveau, körperliche Erkrankungen, aktuelle psychosoziale Umstände sowie die psychosoziale Anpassung kategorisiert.

Fachliche Unterstützung: Dr. Ingo Spitczok von Brisinski, Viersen (BKJPP)