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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Krise/Notfall: Akute Suizidgefahr

Suizidandrohungen müssen immer ernst genommen werden. Wenn man damit konfrontiert wird, dass ein Mensch sich das Leben nehmen will oder damit droht, dies zu tun, steht man einer schwierigen Situation gegenüber, für die es kein Patentrezept gibt. Man sollte sich in diesem Moment bewusst machen, dass sich das Gegenüber in einer dramatischen Ausnahmesituation befindet und auch, dass man nicht die Macht hat, jemanden vor einem Suizid zu bewahren. Professionelle Hilfe zu organisieren ist der wichtigste Schritt überhaupt, um einen Menschen vor dem Suizid zu retten.

Was kann man bei akuten Suizidabsichten tun?

Man kann versuchen, mit dem Betroffenen ein Gespräch zu beginnen. Grundsätzlich sollte man sich dabei verstehend und stützend verhalten und es sollte das Zuhören im Vordergrund stehen.

Vorteilhaft ist es, ernsthaft auf das einzugehen, was der Suizidgefährdete erzählt sowie danach zu fragen, wie es zu dieser verzweifelten Situation gekommen ist.

Man kann erfragen, ob man in einer Form behilflich sein kann oder etwas für die Person tun kann.

Unfreundliche Reaktionen oder Zurückweisungen von dem Suizidgefährdeten sollte man nicht persönlich nehmen und darauf möglichst gelassen und geduldig reagieren.

Fühlt man sich durch den Suizidgefährdeten überfordert oder gar erpresst, besteht unmittelbare Selbst- oder Fremdgefährdung sollte man nicht zögern, sofort einen psychiatrischen Notdienst, den Rettungsdienst (112 europaweit) oder die Polizei zu verständigen.

Was man bei akuten Suizidabsichten vermeiden sollte?

Vermeiden sollte man gute Ratschläge, Überredungsversuche sowie Aufmunterungsversuche. Diese drängen den Gefährdeten u.U. lediglich tiefer in seine Ausweglosigkeit, was kontraproduktiv ist. Eine suizidgefährdete Person weiß in der Regel, was zu tun gut wäre. Das Problem liegt meist darin, dass sie sich dazu in diesem Moment nicht in der Lage fühlt.

Sollte sich die Situation scheinbar entspannt haben, sollte man den Betroffenen nicht alleine lassen. Eine abrupte Besserung kann paradoxerweise auch mit einer besonders hohen Suizidgefahr verbunden sein, weil der Betroffene seine Entscheidung, sich das Leben zu nehmen, innerlich bereits getroffen und mit der Umwelt, seinem Gegenüber und dem Leben abgeschlossen hat.

Zögern Sie nicht, Hilfe zu holen oder gemeinsam mit dem Betroffenen die Ambulanz einer Klinik aufzusuchen. Es ist zu bedenken, dass die Hauptursache für Suizide eine Krankheit - die Depression - ist, aus der sich der Betreffende selbst nicht befreien kann. Sie ist aber gut behandelbar. Wenn die aktive Depression unter der Behandlung nach einigen Wochen oder Monaten abgeklungen ist, ist der Betreffende normalerweise sehr dankbar darüber, dass ihn seine Umgebung während der Depression vor sich selbst geschützt hat.

Fachliche Unterstützung: Dr. Christa Roth-Sackenheim, Andernach (BVDP), Dr. Roger Pycha, Bruneck (SIP)