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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Verlauf von Tic-Störungen und Tourette-Syndrom

Der Beginn von Tic-Störungen liegt in der Regel im Grundschulalter. Beim Großteil der Betroffenen manifestiert sich die Störung bis zum 10. Lebensjahr. Motorische Tics (z.B. Augenzwinkern, Grimmassieren, Kopfrucken) treten meist 2 bis 3 Jahre vor den vokalen Tics (z.B. Hüsteln, Räuspern, Schniefen) auf. Um das 12. Lebensjahr ist die Störung meist am ausgeprägtesten und nimmt mit dem Fortschreiten der Adoleszenz nach dem 14./15. Lebensjahr deutlich an Stärke ab. Zwischen 20 bis 70 Prozent (schwankende Angaben) der Betroffenen werden symptomfrei.

Eine Koprolalie, für die das Tourette-Syndrom am ehesten bekannt ist, kommt tatsächlich nur bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen vor. In der Regel müssen Patienten mit einem Tourette-Syndrom nicht mit einer privaten und beruflichen Einschränkung rechnen. Dies ist nur in besonders schweren Fällen der Erkrankung der Fall. Wichtig ist, dass die Patienten von einem erfahrenen Kinder- und Jugendpsychiater langfristig betreut werden. Denn nur so ist eine individuelle Behandlungsmöglichkeit sowohl der Tics als auch der häufig begleitenden Störungen gegeben.

Kinder und Jugendliche mit chronischen Tic-Störungen haben - größtenteils aufgrund der begleitenden Auffälligkeiten: Impulsivität, Ablenkbarkeit, Hyperaktivität, Trotzverhalten, geringe Frustrationstoleranz und Lernprobleme - mit erheblichen Lernschwierigkeiten zu kämpfen. Deshalb ist es notwendig, für diese Kinder entsprechende individuelle Lösungen zu finden, die ihnen eine Integration ermöglichen und ihre persönliche Entwicklung fördern.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Veit Roessner, Dresden (DGKJP)