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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin & Verhaltenstherapie
Edgar Torkler - Hamburg

Anregungen für Therapietagebuch

(Die hier benannten gefühlshaften Worte beschreiben sicher nur einen Teil Ihrer Empfindungen und sind deshalb als beispielhaft gedacht.)


  • Wie fühlte ich mich heute zu verschiedenen Tageszeiten und welche Situation lag vor?
    (wohlgeborgen, versorgt, mutig freudig, fröhlich, voller Erfolg, kräftig, direkt, klar, unternehmungslustig, im Gleichgewicht befindlich, unwohl, enttäuscht, neidisch, eifersüchtig, verärgert, wütend, traurig, niedergedrückt, erfolglos, ängstlich, voller Sorgen,"gefrustet", hilflos, ohnmächtig, mit körperlichen Beschwerden)

  • Wie bin ich mit oben genannten Situationen umgegangen, wie habe ich mich verhalten und/oder gehandelt?
    (Verantwortungsvoll für mich und/oder für andere, an mich selbst denkend, fürsorglich für andere, fürsorglich für mich, annehmend von Hilfe, bittend uni Hilfe, verwöhnen von sich und/oder anderen, abgrenzend, handelnd nach eigenen Vorstellungen, konfliktfreudig, auseinandersetzend, unangenehme Situationen vermeidend, streitend, rückziehend, voller Selbstvorwürfe, voll schlechtem Gewissen, durchsetzend, dominant sein, mich oder andere nicht ernst nehmend, körperliche Signale beachtend)

  • Wie sahen meine Kontakte aus?
    (Kontaktaufnahme zum Personal, zu Mitpatienten, Rückmeldung vermeidend, Rückzug, in mich gehend, ausgeliefert, abhängig sein, Kontrolle, Manipulation, Anführerrolle, indirektes/direktes Verhalten, positives oder negatives Austauschgespräch, nicht schützen, abgrenzen können, der Situation entsprechendes Verhalten, Kontrolle, Manipulation)

  • Was habe ich heute geträumt?

  • Habe ich heute etwas über mich herausgefunden?
    Konnte ich mir heute einen Wunsch erfüllen, wenn ja welchen?
    Was strebe ich für morgen an?

Arbeitsbogen "Mein therapeutisches Tagebuch"


Der Arbeitsbogen informiert Über die Bedeutung eines therapeutischen Tagebuches und gibt Basisinformationen, wie ein solches "Instrument zur Selbstreflexion" angelegt und geführt werden kann. Dabei wird deutlich, dass sich mit dem Schreiben Lind Gestalten eines therapeutischen Tagebuchs kreative Prozesse entfalten, die die Selbstveränderung voranbringen und zu einer größeren persönlichen Freiheit führen.

Ideen für mein therapeutisches Tagebuch - mein Selbstveränderungsjournal

Bitte legen Sich sich ein ,,Therapiebuch" ZU, ein dickes Heft, ein Ringbuch, eine Kladde, einen Ordner, ein Journal oder eine Datei auf der Festplatte. Hier können Sie alles eintragen, was Ihnen in der nächsten Zeit zum Thema Sprechen und Kommunikation über den Weg läuft, was mit Ihren Veränderungsbemühungen Zu tun hat, mit der Eigenarbeit bzw. der Therapie. Da gibt es vieles, was einem durch den Kopf geht oder über die Leber läuft, was im Geiste auftaucht, in Träumen erscheint, in Nebeln zu versinken droht, in Visionen aufbricht oder im Tagesgeschäft beobachtet wird. Ein therapeutisches Tagebuch ist . ein Schatzhaus, ein Lager, eine Sammlung, ein Fotoalbum mit Schnappschüssen, ein Laboratorium für Experimente, ein Schrank, eine Pinnwand, eine psychoanalytische Couch, ein Tonband, ein unabgeschickter Brief, ein Brief an sich selbst, ein Stück Autobiographie, ein Reiseführer und ein Buch über die eigenen Krisen' (Rehork 1994, S. 19).

Im therapeutischen Tagebuch ist das ICH groß geschrieben, die eigenen Beobachtungen und Eindrücke können sich hier niederschlagen, ebenso wie Erinnerungen Lind beunruhigende Ereignisse, Ideen für Problemlösungen, unbeantwortete Fragen, vage Vermutungen und knallharte Fakten, der Tagesplan für heute, die Wochenpläne für den Monat oder Strichlisten zu erledigten Aufgaben. Auch ein Bild, eine Zeichnung, ein Witz und ein Foto, Cartoons und Zeitungsausschnitte passen hier hinein. Aber auch das DU hat hier Raum: Beobachtungen über Mitmenschen, Dialoge mit Fremden, Begebenheiten heim Watten, Aussprüche von anderen, Befragungen und Interviews. Manchmal weiß man noch gar nicht, wie die einzelnen Eintragungen 7U verwerten sind. Aber darauf kommt es nicht an. Es ist wichtig, dass Sie all die Eintragungen erst einmal "im Kasten" haben. Sie werden später dann aus dem Vollen schöpfen können, werden die gesammelten geistigen Erfahrungen stolz unter Ihr Kopfkissen legen oder das therapeutische Tagebuch ab und zu durchblättern können, werden hier und da Neues anfügen, sich in einzelnen Punkten vertiefen, sich freuen an dem, was entstanden 51, es auswerten und Anregungen für Ihre aktuellen Veränderungsvorhaben daraus ziehen.

Zu einem Tagebuch, das bedeutsam werden soll, gehört ein schöner Umschlag, ein symbolträchtiges Bild, eine Zeichnung aus "Tausend und einer Nacht", ein Foto zum Träumen, ein Motto zum Strahlen. Verzieren Sie Ihr therapeutisches Journal liebevoll! Lind noch etwas ist wichtig: ein schöner Stift zum Eintragen. Gönnen Sie sich einen ,Luxusliner, einen Schwebekuli, einen Tintenroller, der wie von selbst über die Seiten gleitet. Es muss eine Wohltat sein, ihn in der Hand ruhen und zwischen den Fingern spüren Zu können, ein verzückter Blicklang, eine wahre Augenweide Buch und Stift gehören zusammen. Der spezielle Stift erinnert Sie ans Buch, das Buch erinnert Sie ans Schreiben. Das Schreiben beflügelt Ihren Geist, der Geist geht auf die Suche, die Gedanken kommen in Bewegung, Ahnungen steigen auf, Worte beginnen Zu fließen, kreisen um hie Veränderungswünsche, setzen zur Landung an, kommen zu Lösungen, Ideen werden ausgebrütet.

Ein therapeutisches Tagebuch kann linierte oder karierte Blätter haben, farbige oder gemusterte Es gibt nichts Falsches auf den Linien oder in den Zeilen, alles ist erlaubt, alles darf festgehalten werden, nichts muss "schön" werden, ordentlich geschrieben sein, Krikel und Krakel sind erwünscht, Tintenkleckse beleben das Outfit, Eselsohren verschaffen Gemütlichkeit. Ein Therapiebuch ist ein Gebrauchsgegenstand, kann als Tablett dienen, als Sitzpolster auf den Steinstufen, zum Glätten der Herbstblätter, als Schutzschild gegen Unverschämtheiten. Sie tragen alles schwarz auf weiß nach Hause, was bisher nurzwischen den Zeilen spürbar war. Ein Gesundbrunnen der gesund macht, ein Klärungshelfer, der Klarheit bringt...

Aufgaben:

  • Losziehen Buch oder Heft suchen anfassen kaufen!
  • Das therapeutische Tagebuch verzieren und dann einen guten Platz finden, wo es zu Hause abgelegt werden kann und gut ins Auge fällt. Aber wo es auch geschützt ist vor fremden neugierigen Blicken.
  • Mitnehmen es in der Weltgeschichte spazieren tragen: mit dem Tagebuch in den Alltag gehen.
  • Die ersten Eintragungen machen! Hier gibt es mehrere Startmöglichkeiten:
  • morgens beim Frühstück "Mein Wort zum Tag" notieren;
  • drei "Plus"-Erfahrungen täglich eintragen: Was mir an mir gefällt, was ich gut gemacht habe
  • abends "Gedanken zum Tag" notieren: Ohne nachzudenken mit der linken Hand (Linkshänder bitte mit der rechten!) darauf los schreiben. (Das ist eine spezielle Schreibtechnik, die paradoxerweise den Schreibfluss verbessert! Probieren Sie's aus!).
  • Später, wenn Ihnen das therapeutische Tagebuch bereits vertraut ist, können Sie damit beginnen, themenbezogen zu schreiben (s. dazu z.B. die Arbeitsbogen im Kap. 15 dieses Materialteils; S. 148f). Sie können Notizen über eigene Beobachtungen des Tages oder zu therapeutischen Aufgaben machen. Oder Sie legen ein Tagesprotokoll an oder halten Gedankensplitter fest, auf die Sie später zurückkommen möchten. Vielleicht tauchen Fragen auf, die Sie notieren und später an Freunde und Bekannt richten wollen.
  • Irgendwann wird auch das Einkleben beginnen, das Einsammeln von "Fundstücken", die Anreicherung mit Farben und Bildern. Vielleicht nehmen sie ja auch einen Pinsel in die Hand, Aquarellstifte oder bunte Filzer...

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  • Und das Blättern nicht vergessen: Rückschau halten! Was habe ich in der letzten Woche notiert, was war vor einem Monat? Womit füllt sich mein Tagebuch was reichert mein Leben an? Und auswerten: Was darf sich noch regen? Wo stehe ich heute mit meinem Veränderungsvorhaben?

Sie könnten sich auch anschauen, wie andere Menschen ihre Tagebücher geführt haben, Dichter und Maler, Abenteurer und Weltumsegler, und herausbekommen, wer in Ihrem Bekanntenkreis ein Tagebuch führt. Vielleicht gibt es auch andere Betroffene, die Sie kennen, mit denen Sie sich darüber austauschen können. Tausend Tagebücher. Mein Tagebuch.

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