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Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin & Verhaltenstherapie
Edgar Torkler - Hamburg

Brief eines guten Freundes


Als ich etwa 10 Jahre alt war, musste meine Mutter wegen einer OP längerer Zeit in das Krankenhaus. Um mich zu versorgen kam meine Tante Berta, kinderlos und unverheiratet. In der Familie tuschelte man, "ein gefallenes Mädchen".

Für mich war sie Tante Bertschen, sie war eine Erwachsene in meinem Leben, die für mich eine Autorität darstellte. Was sie sagte war die Wahrheit. Warum?- weil sie meine Tante war.

Ist das nicht eine Brettharte Logik?!

Sie war voller Ratschläge und Ermahnungen. Eine Sache, die sie mir immer wieder sagte, war die folgende:

"Ein Gentlemen raubt einer Dame nie die Tugend, nicht einmal wenn sie es will".

Sie klagte dass ständig, ich wette, sie hat es mindestens hundertmal gesagt. Und da war ich, ein beeindruckbarer Zehnjähriger, am anderen Ende der Weisheit. Ich glaubte Ihr. Ich wusste Sie musste Recht haben, auch wenn ich keine Ahnung hatte, was "die Tugend einer Dame" war. Sie ließ mich versprechen, ich würde immer ein Gentlemen sein, und einer Dame niemals ihre Tugend rauben. Ich versprach es gehorsam. Es war natürlich leicht, dieses Versprechen zu geben, denn ich wusste ja nicht einmal, wo eine Dame dieses verflixte Ding hatte. Aber es musste wichtig sein, sonst hätte die Tante nicht so eine große Sache daraus gemacht.

Wie auch immer, später in meinem Leben entdeckte ich, was die Tugend einer Dame war, und wie es der Zufall wollte, hatte ich ein paar romantische Gelegenheiten, die mein Versprechen, ein Gentlemen zu sein, auf die Probe stellten. Ach, du meine Güte! Ich würde fast alles darum geben, diese Gelegenheit noch einmal zu haben. Wie sich herausstellte, war der einzige, der sich um mein Gentlemen sein, Sorgen machte, ich.

Die Damen kümmerten sich nicht im Geringsten darum.

Dennoch reagierte ich in den meisten Fällen entsprechend der Schriftzüge, die Tante Berta auf meine inneren Wände platzierte hatte, und benahm mich wie ein vollkommener Gentlemen, ich machte mich aus dem Staub. Um die Dinge noch schlimmer zu machen, fühlte ich mich bei ein paar Gelegenheiten wo ich kein Gentlemen war und "der Dame die Tugend raubte" (als ob ich ihr wirklich etwas weggenommen hätte) wegen meines nicht gentelmenhaftes verhalten Schuldig.

Was für eine fatale Not. So wie die Tante es für mich arrangiert hatte, konnte ich entweder meine Instinkte verleugnen oder mich schuldig fühlen. Ich hatte keine andere Wahl. All das in Bezug auf eine der erfreulichsten Erfahrungen der Natur. Vielleicht werden die Damen die das lesen, der Tatsache etwas abgewinnen können, das wenigstens ein männliches Wesen auf diesem Planeten (ich) mit dem schlechten Gegenstück eures "gesellschaftlichen Auftrages" aufgewachsen ist, der besagt: "Brave Mädchen tun das nicht".

Was die Tante so fett an meine inneren Wände geschrieben hatte, war ein Glaubenssatz, der so wirksam war, wegen Wiederholung und Emotion. Das sind die Voraussetzungen um einem Glaubensatz zu installieren.

Sie erlegt mir wiederholt dieses "Gentlemen/Tugend- Ding" auf und da Sie eine Autorität in meinem Leben war nahm ich ihre emotional gefärbte Botschaft an. Hätte ich diese Aussage nur mal von einem anderen im vorbeigehen gehört, was meint ihr wie viel Gewicht hätte ich dem gegeben?

Sie wäre nicht vorhanden gewesen. Bis sie vielleicht durch Wiederholung und Emotion erstärkt worden wäre.

Andere Glaubenssätze sind z.B. die Menschen sind schlecht, Gott wird mich bestrafen, Glück habe ich nie, ich bin wertlos und man kann davon ausgehen dass wenn diese Glaubenssätze durch Wiederholung (beständig gesagt bekommt) und Emotion (Liebesentzug schlägt Zurückweisung) durch jemanden der in der Welt zählt, installiert wurde.

Ich kannte damals noch nichts von Psychotherapie trotzdem kam ich darüber hinweg, weil mein Cousin Peter andere Glaubenssätze auf meine inneren Wände schrieb und ich von anderen Jungs lernte.

"Sei fürsorglich zu den Mädels aber nimm was Du kannst, Du bist nur einmal jung in Deinem Leben."

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