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Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin & Verhaltenstherapie
Edgar Torkler - Hamburg

Die zehn typischen gedanklichen Verzerrungen


1. ALLES-ODER-NICHTS-DENKEN:

Sie sehen alles in Schwarz-Weiß-Kategorien. Sie sehen eine Situation nicht als Kontinuum, sondern lediglich in zwei Kategorien. Wenn Ihnen nicht alles vollständig gelingt, glauben Sie sofort an totales Scheitern. Beispiel: "Wenn ich nicht total erfolgreich bin, bin ich ein Versager".


2. ÜBERGENERALISIERUNG:

Sie sehen eine einzelne unerfreuliche Begebenheit als Teil einer endlosen Serie an, wobei Sie Worte wie ,immer" oder "niemals" benutzen, wenn Sie dies beschreiben. Beispiel: Wenn Sie zu spät zu einer Verabredung kommen oder wenn Sie einen Fehler machen, sagen Sie sich, dass Sie das immer tun würden.


3. GEISTIGER FILTER:

Sie suchen sich ein einzelnes negatives Detail heraus und beachten ausschließlich dieses Detail, so dass sich ihre gesamte Sicht der Realität verdunkelt - wie ein Tropfen Tinte, der einen Becher Wasser verfärbt. Beispiel: Nach einem Vortrag auf der Arbeit kommen Sie viele positive Kommentare, aber eine Person äußert sich kritisch. Sie quälen sich tagelang mit dieser Reaktion herum, als wenn diese Person die totale Einsicht darüber hätte, wie schlecht Sie wirklich wären.


4. DAS POSITIVE ABWERTEN:

Sie leugnen positive Erfahrungen, indem Sie darauf verweisen, dass diese Erfahrungen aus irgendwelchen Gründen für Sie nicht gelten würden. Beispiel: Dieses Projekt ist mir gut gelungen, aber das heißt nicht, dass ich qualifiziert bin, ich hatte einfach Glück."


5. VOREILIGE SCHLUSSFOLGERUNGEN ZIEHEN:

Sie interpretieren Dinge negativ, obwohl es keine eindeutigen Fakten gibt, die Ihre Schlussfolgerung stützen. Gedanken lesen: Sie glauben zu wissen, was die anderen denken, und ziehen dabei andere, wahrscheinlichere Möglichkeiten nicht in Betracht. Sie denken, dass sich jemand Ihnen gegenüber ablehnend verhält, ohne dieses nachzuprüfen. Beispiel: Ein Freund antwortet nicht auf Ihren Anruf, so dass Sie sich sagen, dass er sie nicht mehr mag. Sie fühlen sich so verletzt, dass Sie wochenlang den Kopf hängen lassen, bis Sie entdecken, dass er in Amerika Urlaub gemacht und noch nicht einmal Ihren Anruf erhalten hat. Die Zukunft voraussagen: Sie erwarten, dass Dinge schlecht ausgehen werden und sagen ständig Katastrophen voraus. Beispiel: Vor einem Vortrag sagen Sie sich immer wieder, dass Sie sich lächerlich machen werden. Sie können sich damit in einen Zustand steigern, der Ihre negative Erwartung tatsächlich wahr werden lässt. Hinterher sagen Sie, dass Sie ja gleich gewusst hätten, dass Sie sich lächerlich machen würden.


6. VERGRÖßERN ODER VERKLEINERN:

Sie übertreiben die Wichtigkeit Ihrer Fehler und Probleme oder schätzen die Bedeutung Ihrer Fähigkeiten in unangemessener Weise als zu gering ein. Beispiel: Ihnen fällt der Name einer Person nicht ein, die Sie gerade vorstellen wollen und sagen sich, dass dies nun wirklich schrecklich ist. Umgekehrt verherrlichen Sie die Leistung einer anderen Person und machen sich selbst klein.


7. EMOTIONALES DENKEN:

Sie unterstellen, dass Ihre negativen Gefühle die Realität widerspiegeln. Beispiele: Sie haben Angst vor dem Fliegen, deshalb ist das Fliegen auch gefährlich. Oder Sie fühlen sich schuldig, also haben Sie auch etwas Schlimmes getan. Oder Sie sind wütend, also hat man Sie auch unfair behandelt. Oder Sie fühlen sich minderwertig, also sind andere Menschen auch wertvoller als Sie.


8. „SOLLTE"-AUSSAGEN:

Sie versuchen, sich selbst durch "sollte", "müsste" oder "dürfte" anzutreiben, als wenn Sie ein Sträfling wären, der erstmal Schläge bekommen muss, bevor er etwas macht. Beispiel: Eine begabte Pianistin sagte sich nach einem schwierigen Stück, dass sie niemals Fehler hätte machen dürfen. Sie war von sich so angewidert, dass sie tagelang nicht mehr spielte. Wenn Sie derartige Aussagen an sich selbst richten, werden Sie gewöhnlich Schuld oder Enttäuschung empfinden. Wenn Sie so über Situationen oder Personen denken, werden Sie gewöhnlich Arger oder Enttäuschung spüren. Beispiel: Während sie auf den Start Ihres verspäteten Flugzeugs wartete, wurde eine Frau sehr wütend, weil sie sich immer wieder sagte, dass das Flugzeug hätte rechtzeitig abfliegen müssen.


9. KLASSIFIZIERUNG:

Dies ist eine extreme Form der Übergeneralisierung. Anstatt zu sagen, dass Sie einen Fehler gemacht haben, bezeichnen Sie sich gleich als "Versager". Dies ist irrational, weil Sie niemals so sind wie das, was Sie gerade tun oder sagen. Wenn Sie das Verhalten einer anderen Person stört, belegen Sie die Person vielleicht gänzlich mit einer negativen Wertung wie z.B. "Idiot". Das Klassifizieren von sich oder von anderen ist sehr destruktiv, da Sie dazu neigen, das Problem eher in der Natur als in dem Verhalten liegend anzusehen. Dies macht Sie von vornherein hoffnungslos, wenn es darum geht, die Dinge zu verbessern.


10. PERSONIFIZIERUNG:

Sie beschuldigen sich für eine Sache, für die gar nicht vollständig verantwortlich sind. Beispiele: Als eine Frau einen Brief bekam, weil ihre Tochter Schwierigkeiten in der Schule hatte, sagte sie sich, dass sie eine schlechte Mutter sei. Ebenso sagte sich ein Anwalt vor einer wichtigen Verhandlung, dass es vollständig sein Fehler sei, wenn er den Fall verlieren würde.

Weiterführerde Literatur Arthur Freeman 1 Rose DeWolf (1997) Die 10 dümmsten Fehler kluger Leute. Piper-Verlag.

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