Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Neurologie und Psychiatrie Völklingen
Dr. med. Hinrich Alberti

Die Psychiatrie arbeitet mit der deskriptiven oder auch beschreibenden Methode. Mit dieser Methode werden Erscheinungen des gesunden und kranken Seelenlebens beschrieben.

Die Psychiatrie arbeitet mit der Methode des Verstehens. Das Verstehen will seelisches Verhalten und Empfinden aus Ursachen ableiten, will die Motivation erkennen. Voraussetzungen zur Anwendung dieser Methoden sind auf Seiten des Psychiaters: Einfühlen, Einleben, sich hineinversetzen, Einfühlungsvermögen. Auf Seite des betroffenen Menschen: sich öffnen, sich selbst reflektieren.

Die psychodynamische Methode geht über das Verstehen hinaus, sie zielt auf tiefere Zusammenhänge hin, auf das Wechselspiel psychischer Kräfte, Triebe, Motivationen, Charakterhaltungen, Widerstände und Ängste. Sie bezieht ausdrücklich auch das unbewusste Seelenleben ein. Die Psychoanalyse hat die Grundlage der Psychodynamik geschaffen. Dazu gehört die Lehre von den Entwicklungsphasen der Persönlichkeit, die Kenntnis von unterschiedlichen Konfliktverarbeitungen, von Abwehrvorgängen bei Neurosen und Psychosen, das Wissen auch über die Veränderungen der Person auch die Veränderbarkeit von Verhalten.

Die lernpsychologische Methode befasst sich mit erlernten Reaktionen und Verhaltensweisen. Die lernpsychologische Methode entwickelte sich aus der Reflexlehre von Pawlow. Psychische Störungen werden von dieser Methode als Folge eines falschen Lernprozesses aufgefasst und mit entsprechenden Methoden und Versuchen zurückzubilden versucht. Aus dieser lernpsychologischen Methode ist die psychotherapeutische Richtung der Verhaltenstherapie, die aus der heutigen Psychotherapie nicht mehr wegzudenken ist, entstanden.

Die kognitive Methode befasst sich mit der Kognition, also dem Denken als ordnende und bewertende Funktion des Wahrnehmens, mit dem urteilenden Denken und der Sprache. Nach der kognitiven Therapie entstehen psychische Störungen, wenn die Umwelt in Folge dysfunktionaler, d.h. fehlerhafter Kognition verzerrt wahrgenommen und bewertet wird. Die Verhaltensforschung als Methode der Psychiatrie ist entstanden aus der Etiologie, der Lehre von der Prägung nach Conrad Lorenz. Diese Methode erforscht angeborenes Verhalten, befasst sich mit den biologischen Grundlagen, instinktiven und affektiven Verhaltens.

Die neurobiologische Methode ist die Methode der Hirnforschung. Sie greift auf zahlreiche biologische Forschungsmethoden zurück, beispielsweise die Neuropathologie, die Neurohistologie und die Neurophysiologie. Diese Methode versucht psychische Krankheiten aus Veränderungen physiologischer und cellulärer Parameter abzuleiten. Hier geht es um die Erforschung von Neurotransmittern, die Beeinflussung von Neurotransmitern durch Psychopharmaka. Ein Bereich dieser Methode ist die Psychoneuroendokrinologie, die sich mit den psychischen und neurologischen Einflüssen auf den Hormonhaushalt befasst.

Die Methode der Genetik befasst sich mit Erforschung des Erbes und der Konstitutionslehre. Dies war lange Zeit die erste und einzige biologische Grundlagendisziplin der Grundlagenpsychiatrie.

Die Epidemiologie und Verlaufsforschung erfasst Häufigkeiten und soziokulturelle Bedingungen seelischer Erkrankungen. Durch Verlaufsforschung werden prospektive oder auch retrospektiv zurückschauende Verläufe psychischer Erkrankungen erstellt und wichtige Schlussfolgerungen daraus gezogen.

Für die antropologische Richtung der Psychiatrie steht nicht die einzelne Störung, sondern die gesamte Erlebniswelt des Kranken im Mittelpunkt des Interesses, nicht das Abnorme und Kranke wird in den Vordergrund gestellt, sondern die Art des Lebens und des In - der - Welt - Seins. Diese wichtige psychiatrische Richtung will eine ganzheitliche Auffassung psychischer Erkrankungen konzipieren und ihre Entwicklung in einen Natur- und geisteswissenschaftlichen Zusammenhang stellen.