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19.01.2016

Schwindelzustände können durch Angst verursacht sein

Schwindel (Vertigo) ist das subjektive Empfinden eines Drehgefühls oder Schwankens sowie auch einer unangenehm verzerrten Wahrnehmung des umgebenden Raums, von Bewegungen oder auch eines Gefühls von drohender Bewusstlosigkeit. Schwindel ist keine Krankheit, sondern ein Symptom mit vielfältigen Ursachen.

Schwindel (Vertigo) ist das subjektive Empfinden eines Drehgefühls oder Schwankens sowie auch einer unangenehm verzerrten Wahrnehmung des umgebenden Raums, von Bewegungen oder auch eines Gefühls von drohender Bewusstlosigkeit. Schwindel ist keine Krankheit, sondern ein Symptom mit vielfältigen Ursachen. Wiederkehrende Schwindelattacken können organische Ursachen haben, treten aber nicht selten auch im Rahmen von Angststörung auf. „Der Angstschwindel ist ein eher diffuser Schwindel. Betroffene erleben ihn häufig als Benommenheit, als Unsicherheit auf den Beinen und mangelnde Standfestigkeit,  wie wenn man den Kontakt zum Boden verloren hätte. In vielen Fällen ist eine Schwindelattacke mit Unruhe und manchmal auch mit Übelkeit verbunden. Bei normalem Gehen fühlt es sich wie betrunken schwankend an“, schildert Frank Bergmann vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) in Krefeld.  „Solche phobischen Schwindelattacken können aus heiterem Himmel auftreten oder  in  typischen  Situationen,  die  auch  als  Auslöser anderer phobischer Syndrome bekannt sind – wie etwa auf Brücken, beim Autofahren, in leeren Räume oder bei Menschenansammlungen im Kaufhaus oder einem Restaurant. Veränderungen der Körperhaltung beeinflussen diese Schwindelform kaum.“ Die zum Schwindel führenden Sinnesreize oder Situationen können rasch konditionieren und sich auf viele Lebensbereiche ausdehnen.

Phobischer Schwindel wird oft erst spät erkannt

Patienten mit phobischem Attackenschwindel erleben solche Anfälle als überaus bedrohliche Situation. Sie fühlen sich organisch krank und beschreiben den Schwindel oft als Auslöser der Angst, obwohl es eigentlich umgekehrt ist. In vielen Fällen werden über lange Zeit körperliche Ursachen vermutet - wie Erkrankungen der Halswirbelsäule, Durchblutungsstörungen oder Herz-Kreislauf-Probleme - und die eigentliche Ursache bleibt lange Zeit unerkannt. „Der Ausschluss organisch bedingter Ursachen für Schwindel ist natürlich zunächst wichtig. Patienten mit phobischem Schwindel leiden jedoch unter keiner körperlich bedingten Störung der Gleichgewichtsreaktion. Sie reagieren vielmehr psychisch bedingt übersensibel auf normale kurzzeitige Gleichgewichtsstörungen oder auf unbewusst ablaufende Korrekturen des Gleichgewichts“, erklärt der Nervenarzt. Schwindel ist eine Erkrankung, die in mehrere Fachgebiete fällt. Betroffene müssen daher manchmal unterschiedliche Ärzte aufsuchen, wie den Hausarzt einen HNO-Arzt, einen Neurologen oder Nervenarzt. Können keine organischen Ursachen ausgemacht werden, sind Nervenärzte oder Psychiater die richtigen Ansprechpartner für psychogene Schwindelformen.

Gute Therapiemöglichkeiten durch Aufklärung und Psychotherapie

Bereits die Diagnosestellung und Aufklärung der Betroffenen haben einen therapeutischen Effekt. In der weiteren Behandlung haben sich verhaltenstherapeutische Therapien bewährt, gegebenenfalls können auch Medikamente wie Antidepressiva hilfreich sein. „Eine große Rolle spielt die psychoedukative Aufklärung der Patienten. In dem Bemühen, um eine willentliche Kontrolle des Gleichgewichts, neigen Betroffene zu einer intensiven Selbstwahrnehmung und Selbstbeobachtung. Diese Selbstbeobachtungs-Spirale kann den Schwindel aufrechterhalten und verstärken“, berichtet Dr. Bergmann. „Ein wichtiger Teil der Behandlung ist zudem die Psychotherapie, bei der nach den Ursachen und Auslösern der Schwindelsymptomatik gesucht und an der Lösung der dabei beteiligten inneren und äußeren Konflikte gearbeitet wird.“ Auch Krankengymnastik und Entspannungstrainings sind hilfreich, um die Wiederherstellung eines körperlichen und psychischen Gleichgewichts zu erlangen.

Der phobische Schwankschwindel bzw. Angstschwindel ist die häufigste Form von psychogenem Schwindel und die häufigste Schwindelform bei Patienten zwischen 30 und 50 Jahren. Er beginnt nicht selten im Zusammenhang mit besonderen psychischen Belastungen (z.B. partnerschaftliche, familiäre oder berufliche Konflikte, Verluste) oder auch anderen Krankheitserlebnissen. Es findet sich eine auffällige Häufung von Angststörungen und Depressionen unter Patienten mit Schwankschwindel. Bei Frauen tritt er bevorzugt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und bei Männern zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf.

Mehr Informationen zu Schwindel unter: http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/schwindel/was-ist-schwindel/

Mehr Informationen zu Angsterkrankungen unter: http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/angsterkrankungen/was-sind-angsterkrankungen/ 

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