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06.09.2016

Welttag der Suizidprävention am 10. September: Suizidgedanken nicht bagatellisieren – Betroffene ansprechen

Suizidgefährdung entsteht in der Regel nicht über Nacht. Suizidgedanken und -absichten gehen fast immer mit tiefgreifenden seelischen Krisen und/oder psychischen Erkrankungen einher, die im Vorfeld mehr oder minder lang bestanden. Je länger sich Betroffene in einer subjektiv als ausweglos erlebten Krisensituation oder einer schlechten seelischen Verfassung befinden, desto öfter und stärker können solche Gedanken als vermeintlicher Ausweg aufkommen.

Suizidgefährdung entsteht in der Regel nicht über Nacht. Suizidgedanken und -absichten gehen fast immer mit tiefgreifenden seelischen Krisen und/oder psychischen Erkrankungen einher, die im Vorfeld mehr oder minder lang bestanden. Je länger sich Betroffene in einer subjektiv als ausweglos erlebten Krisensituation oder einer schlechten seelischen Verfassung befinden, desto öfter und stärker können solche Gedanken als vermeintlicher Ausweg aufkommen. Hat man das Gefühl, dass ein Mensch aus dem persönlichen Umfeld aus dem Leben gehen möchte, sollte man die eigene Scheu überwinden und ihn unbedingt offen auf das Thema ansprechen. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass, wenn jemand von Suizid spricht, er einen solchen nicht unternimmt. „Es ist keine Schande, dass Menschen mit schweren psychischen Störungen und in extremen Krisensituationen auch Suizidgedanken haben. Dies sollte man akzeptieren und keine Hemmung haben, einem potentiell gefährdeten Menschen entsprechende Fragen zu stellen“, betont Prof. Dr. med. Arno Deister von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) mit Sitz in Berlin. „Die betroffenen Personen empfinden es zumeist als eine Entlastung, wenn jemand offenbar erkennt, wie schlecht es ihnen geht und sie darauf anspricht. Falsch wäre es hingegen, aus Unsicherheit wegzuschauen oder das Problem zu bagatellisieren. Zudem können Außenstehende in einem solchen Gespräch erkennen, wie konkret die Suizidgefahr wirklich ist und entsprechende Hilfsmaßnahmen ergreifen.“ Den Betreffenden auf das Thema Suizid anzusprechen, bedeutet allerdings nicht, selbst die Rolle eines Therapeuten zu übernehmen. Vielmehr sollten Freunde oder Angehörigen den Betreffenden bewegen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Gedanken um Suizid deuten auf Depression hin

Suizidgedanken sind ein sehr häufiges Symptom bei Depression und kommen bei vielen Betroffenen früher oder später auf. 10 bis 15 Prozent aller Menschen mit wiederkehrenden schweren depressiven Phasen sterben durch Suizid. „Eine Depression schränkt die Lebensqualität ein, wie kaum eine andere psychische oder körperliche Erkrankung. Sie verändert die Situation der Betroffenen tiefgreifend in nahezu allen Lebensbereichen - und zwar seelisch, körperlich, zwischenmenschlich und leistungsmäßig-beruflich“, meint Prof. Deister. „In vielen Fällen führt dieser Zustand zu latenten oder akuten Suizidgedanken. Viele Suizide geschehen daher vor dem Hintergrund einer Depression.“ Eine Depression bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jemand suizidgefährdet ist, auch wenn Depressive eine Risikogruppe darstellen. Neben Depression sind auch Schizophrenie und schwere Suchterkrankungen mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden. Da Suizide meist im Zuge psychischer Störungen auftreten, stellt die erfolgreiche Behandlung der Grunderkrankung die beste Prävention dar.

Depression erkennen und Behandlung nicht herauszögern

Depressionen lassen sich heute wirksam behandeln, sie werden aber leider häufig übersehen oder nicht ernst genommen. Bei Depressionen kommen mehrere Krankheitszeichen zusammen. „Im Zentrum steht eine Stimmungseinengung, die das ganze Lebensgefüge verändert. Man kann sich über nichts mehr freuen, auch positive Dinge und anregende soziale Interaktionen erreichen einen nicht. Ein permanentes Erschöpfungsgefühl baut große Hürden auf und man hat große Schwierigkeiten den Alltag zu bewältigen. Schlafstörungen aber auch Schmerzen sind weitere Symptome sowie ein schwer erträglicher Grübelzwang, der mit dem Gefühl verbunden ist, nie wieder da raus zu kommen. Hoffnungslosigkeit und Ohnmachtsgefühle verstärken den hohen Leidensdruck“, schildert der Experte. „Gerade bei schleichenden Prozessen besteht leider die Gefahr, dass sich ein fataler Gewöhnungsprozess bei dem Erkrankten sowie auch beim Umfeld der Betroffenen einstellt. Hoffnungslosigkeit und Selbstaufgabe werden nicht als Ausdruck einer Erkrankung, sondern als Aspekt der Persönlichkeit oder der Lebensumstände angesehen. Eine notwendige Behandlung bleibt dann oft aus.“

Eine Depression führt zu schweren Veränderungen im Erleben und Verhalten und macht eine professionelle Behandlung in den allermeisten Fällen notwendig. Eine Besserung verbunden mit der Fähigkeit zu Freude und Hoffnung kann manchmal bereits nach wenigen Behandlungstagen eintreten. Freunde oder Angehörigen sollten den Betreffenden bewegen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dazu ist es oft sinnvoll, mit ihm zusammen zu einem niedergelassenen Psychiater und Psychotherapeuten oder in die Notfallambulanz einer Klinik zu gehen. „Gerade Menschen in einer aktiven Depressionsphase sind häufig so niedergeschlagen und hoffnungslos, dass sie von sich aus nicht die Kraft haben, Hilfe zu suchen. Professionelle Hilfe zu organisieren ist der wichtigste Schritt überhaupt, um einen Menschen vor dem Suizid zu retten“, betont Prof Deister.

In Deutschland versterben jährlich über 9.000 Menschen durch Suizid, wobei die Zahl der Suizidversuche schätzungsweise 15-20mal höher liegt. Bei 90 Prozent der Suizidopfer gibt es Hinweise auf eine psychiatrische Erkrankung - am häufigsten eine Depression (40-70%).

Mehr Informationen unter

Quelle: Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.

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