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30.05.2017

Stark schwankende Gemütszustände können auf bipolare Störung hinweisen

Bei einer bipolaren Erkrankung sind die Gemütserregung und der Antrieb eigendynamisch stark in die ein oder andere Richtung verändert, dass Betroffene den Alltag oft nicht mehr bewältigen können. Die Erkrankung beginnt häufig in der späten Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter - oft bleibt sie über lange Zeit unerkannt und damit unbehandelt.

Die bipolare Störung gehört neben der Depression und der Schizophrenie zu den schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen. Betroffene erleben Krankheitsepisoden mit stark übersteigerten Stimmungs- und Antriebsschwankungen, die nicht durch äußere Umstände erklärbar sind. „Schwankungen der Gemütslage und des Antriebs betreffen nahezu alle Menschen, wenn sie mit belastenden oder erfreulichen Ereignissen konfrontiert werden. Bei einer bipolaren Erkrankung sind die Gemütserregung und der Antrieb jedoch eigendynamisch so stark in die ein oder andere Richtung verändert, dass Betroffene den Alltag oft nicht mehr bewältigen können“, berichtet Dr. Sabine Köhler vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Verbandssitz in Krefeld. „Das Kontroll- und Regulationsvermögen ist eingeschränkt und erschwert ein situationsangemessenes Verhalten, was zu erheblichen Beeinträchtigungen im sozialen und beruflichen Leben führen kann. Erleben Personen solche scheinbar unerklärlichen Wechsel zwischen euphorisch-manischen und depressiven Gemütszuständen, sollten diese Schwankungen abgeklärt werden, damit gegebenenfalls eine frühzeitige Therapie eingeleitet werden kann.“ Bei einer bipolaren Störung sind neben dem Gemütszustand auch das Denken und Handeln beeinträchtigt. Auch körperliche Symptome wie Schlafstörungen treten fast immer auf. Die Erkrankung besteht lebenslang und kann individuell sehr unterschiedlich verlaufen. Sie ist mit einer geringeren Lebenserwartung verbunden – auch aufgrund des hohen Suizidrisikos. Eine frühzeitige Therapie kann den Erkrankungsverlauf sehr positiv beeinflussen.

Erste Symptome oft im jungen Erwachsenenalter

Eine bipolare Störung beginnt häufig in der späten Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter - oft bleibt sie über lange Zeit unerkannt und damit unbehandelt. „In depressiven Phasen halten Erkrankte ihre anhaltende Stimmungsveränderung häufig für schlechte Laune und sehen zunächst keinen Behandlungsbedarf. Die manisch-euphorischen Phasen sind oftmals nicht so stark ausgeprägt oder Betroffenen fehlt die Krankheitseinsicht, weil sie sich ausgesprochen gut und energiegeladen fühlen. Medizinische Behandlung wird dann oft erst in Anspruch genommen, wenn die Phasen außergewöhnlich stark ausgeprägt sind oder Begleiterkrankungen wie Drogenmissbrauch problematisch werden “, erklärt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Zwischen den jeweiligen Krankheitsepisoden können zudem über Monate oder auch Jahre symptomfreie Intervalle bestehen.

Erkrankungsverlauf kann sich zuspitzen

Ohne korrekte Diagnose und angemessene Behandlung erleben die Erkrankten immer wieder Episoden mit manischen oder depressiven Symptomen. „Die Abstände zwischen den Krankheitsschüben verkürzen sich und das Wechselbad der Gefühle ist überaus belastend und setzt vielen Betroffenen immer stärker zu. Bipolare Störungen gehen mit einem erhöhten Risiko für Suizid einer, was die Wichtigkeit einer möglichst frühzeitigen Behandlung betont. Etwa jeder vierte Erkrankte versucht mindestens einmal, sich das Leben zu nehmen.“, meint Dr. Köhler. Eine frühzeitige Therapie kann Betroffene darin unterstützen, keine zusätzlichen Probleme mit Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch zu entwickeln. Durch Aufklärung über das Erkrankungsbild und eine zielgerichtete Kombination von Psychotherapie und Pharmatherapie kann vielen Betroffenen gut geholfen werden. Auch soziale Komplikationen wie Beziehungskonflikte, der Verlust der Arbeitsfähigkeit oder des Arbeitsplatzes kann dadurch entgegengewirkt werden.

Man schätzt, dass etwa 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung von einer bipolaren Erkrankung betroffen sind. Frauen und Männer erkranken jeweils gleich häufig. Als Ursache wird ein multifaktorielles Geschehen angenommen, bei dem biologische Faktoren - wie Störungen im Neurotransmitterhaushalt oder hormonelle Störungen - aber auch psychosoziale Einflüsse eine Rolle spielen könnten. Genetische Faktoren spielen in erheblichem Maße eine Rolle.

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