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29.02.2016

Psychische Faktoren können chronische Schmerzen fördern – die anhaltende somatoforme Schmerzstörung

Als chronische Schmerzen werden Schmerzen bezeichnet, die seit sechs Monaten fast immer vorhanden sind oder häufig wiederkehren und Betroffene körperlich und sozial beeinträchtigen. Chronische Schmerzsyndrome können verschiedene Ursachen haben, wie z.B. eine Tumorerkrankung. Bei der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung handelt es sich aber dann um eine eigenständige Schmerzkrankheit, die vielleicht aus akuten, körperlich (somatisch) verursachten Beschwerden heraus entstanden ist, jedoch im weiteren Verlauf keine klar erkennbare Ursache mehr hat. Körperliche Ursachen erklären also nicht die Art und das Ausmaß der Symptome, das Leiden der Betroffenen und deren innerliche Beteiligung beim Umgang mit den Beschwerden.

Als chronische Schmerzen werden Schmerzen bezeichnet, die seit sechs Monaten fast immer vorhanden sind oder häufig wiederkehren und Betroffene körperlich und sozial beeinträchtigen. Chronische Schmerzsyndrome können verschiedene Ursachen haben, wie z.B. eine Tumorerkrankung. Bei der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung handelt es sich aber dann um eine eigenständige Schmerzkrankheit, die vielleicht aus akuten, körperlich (somatisch) verursachten Beschwerden heraus entstanden ist, jedoch im weiteren Verlauf keine klar erkennbare Ursache mehr hat. Körperliche Ursachen erklären also nicht die Art und das Ausmaß der Symptome, das Leiden der Betroffenen und deren innerliche Beteiligung beim Umgang mit den Beschwerden. „Bei der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung handelt es sich um einen Schmerz, der seine eigentliche Funktion als sinnvolles Alarmsignal oder Warnhinweis verloren hat und einen selbständigen Krankheitswert erhält. Chronische Schmerzen führen zudem oft zu einer herabgesetzten Schmerzschwelle und Betroffene reagieren übersensibel auf geringe Schmerzreize oder nehmen sogar Berührungen als Schmerzen wahr. Hintergrund ist die Ausbildung eines dysfunktionalen Schmerzgedächtnisses und eine zunehmende Sensitivierung. Entsprechende neuronale Signale werden gesendet, obwohl die ursprüngliche Schmerzursache längst vollständig oder überwiegend abgeheilt ist. Es tut also weh, obwohl es keine organische Ursache mehr dafür gibt“, erklärt Prof. Dr. med. Martin Driessen von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. „Subjektiv sind die Betroffenen also weiterhin schmerzgequält. Dies wiederum führt zu einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten, d.h. schmerzassoziierte Tätigkeiten werden bis hin zu weitgehender Passivität vermieden. Damit befinden sich die Patienten in einem Teufelskreislauf von Vermeidung und hoher Schmerzempfindlichkeit.“ Bedingt durch die chronischen Schmerzen kommt es oft parallel zu Veränderung der Stimmung, des Verhaltens und der Gedanken. Häufig sind depressive und ängstliche Verstimmungen sowie Verzweiflung die Folge, was wiederum den Teufelskreislauf verstärkt. Mit zunehmender Dauer der Erkrankung nimmt oft die berufliche Leistungsfähigkeit ab und die soziale und familiäre Isolation sowie Belastungen zu: Der Schmerz rückt immer weiter in den Mittelpunkt des Lebens der Betroffenen.

Komplexes Wechselspiel unterhält Schmerzerleben

Beim chronischen Schmerzsyndrom liegt somit ein vielschichtiges Zusammenspiel von organischen, seelischen, Verhaltens- und sozialen Faktoren vor. Diese Einflussfaktoren verstärken sich wechselseitig und halten das Schmerzerleben aufrecht. Die Entwicklung eines chronischen Schmerzsyndroms kann durch zahlreiche Faktoren begünstigt und aufrechterhalten werden, wie beispielsweise eine unzureichende Schmerzbehandlung zu Beginn der Beschwerden oder länger andauernde traumatische, Stress- und Schmerzerfahrungen in der früheren Lebensgeschichte. Auch anhaltende innere Anspannungszustände sowie Angsterkrankungen, eine frühere Depression oder eine Schmerzerkrankung in der Familie begünstigen die Chronifizierung von Schmerzen. Die Verdrängung von Schmerzen und das längerfristige Ignorieren von Belastungsgrenzen können ebenfalls anhaltende Beschwerden fördern.

Aktive Schmerzbewältigung steht im Zentrum der Behandlung

Oftmals steht als Behandlungsziel nicht die völlige Schmerz-Freiheit sondern eine Schmerzlinderung und aktive Schmerzbewältigung im Vordergrund. Heute sind verhaltensmedizinische, multimodale Therapieprogramme Mittel der Wahl. Sie bestehen aus Aufklärung, Psychotherapie sowie Verfahren der Stress- und Schmerzbewältigung, Entspannungstraining und körperlicher Aktivierung bis hin zum sogenannten „work-hardening“. Ein Beispiel hierfür ist das Göttinger Rücken-Intensiv-Programm (GRIP), das in manualisierter Form vorliegt und ein multimodales Behandlungsprogramm für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen darstellt. „Im ersten Schritt muss bei den Betroffenen allerdings das Schmerzverständnis erweitert werden, damit sie verstehen, wie neben körperlichen Ursachen auch psychologische Verarbeitungsprozesse sowie der Einfluss des eigenen Verhaltens und der Umwelt zur Schmerzwahrnehmung beitragen. Durch verbesserte Selbstbeobachtung können sie erkennen, welche Faktoren die Schmerzen verstärken oder reduzieren und sie können schmerzlindernde Verfahren erlernen“, betont Prof. Driessen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Anästhesisten bzw. Schmerzmedizinern, Psychiatern bzw. Psychosomatikern und Psychologen. Häufig sind auch Medikamente Teil der Behandlung, um nicht nur die Schmerzwahrnehmung, sondern auch Schlafstörungen, Ängste oder eine depressive Symptomatik im Sinne eines Gesamtbehandlungsplans günstig zu beeinflussen.

Göttinger Rücken Intensiv Programm (GRIP): http://www.zentrum-patientenschulung.de/manuale/schulung/index.php?schulungen_id=62  

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