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15.02.2018

Nach gescheitertem Rauchstopp Unterstützung suchen

Der Großteil der Raucher fasst irgendwann den Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören. Etwa der Hälfte dieser Personen gelingt der Nikotinverzicht ohne Hilfsmittel – allerdings sind dafür meist mehrere Versuche erforderlich. Viele Raucher benötigen jedoch professionelle Unterstützung, um dauerhaft auf Zigaretten zu verzichten – insbesondere, wenn die Tabakabhängigkeit stark ausgeprägt ist und die Verhaltensgewohnheit über einen langen Zeitraum besteht.

Tabakabhängigkeit ist eine Suchterkrankung. Mit dem Rauchen aufzuhören, hat für die Gesundheit viele Vorteile und verbessert die Lebensqualität, doch das Überwinden der Abhängigkeit ist meist nicht einfach. Der Großteil der Raucher fasst irgendwann den Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören. Etwa der Hälfte dieser Personen gelingt der Nikotinverzicht ohne Hilfsmittel – allerdings sind dafür meist mehrere Versuche erforderlich. Viele Raucher benötigen jedoch professionelle Unterstützung, um dauerhaft auf Zigaretten zu verzichten – insbesondere, wenn die Tabakabhängigkeit stark ausgeprägt ist und die Verhaltensgewohnheit über einen langen Zeitraum besteht. „Zunächst kann man selbst versuchen, das Rauchen aufzugeben. Gelingt dies jedoch nicht und man hat sogar mehrere erfolglose Aufhörversuche hinter sich, sollte man sich unbedingt professionell helfen lassen. Besonders erfolgsversprechend ist eine verhaltenstherapeutische Raucherentwöhnung, die gegebenenfalls mit Medikamenten unterstützt wird“, rät Dr. Sabine Köhler vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Verbandssitz in Krefeld. „Mit Hilfe einer Verhaltenstherapie können Betroffene eine langfristige Änderung ihrer Verhaltensgewohnheiten erreichen. Hierbei sind die Beobachtung und das Bewusstmachen eigener Verhaltensweisen im Hinblick auf das Rauchen ein zentrales Element.“ Die Therapie kann im Rahmen von Einzel- oder Gruppensitzungen durchgeführt werden, wobei sich Angebote in Gruppen als besonders günstig erwiesen haben, weil in der Gruppendynamik eine zusätzliche motivierende Komponente bsteht.

Therapeutische Maßnahmen beginnen mit Motivationsaufbau

Beim Nikotinverzicht geht es zunächst darum, die Motivation zum Aufhören zu stärken und den Rauchstopp vorzubereiten. Auch sollten Betroffene lernen, ihr Rauchverhalten besser zu verstehen und zu hinterfragen. „Der Boden für einen nachhaltigen Entzug ist gegeben, wenn therapeutisch Angstabbau vor dem Verzicht und Motivationsaufbau erarbeitet werden. Mit Unterstützung kann man alternative Verhaltensweisen zum Rauchen erlernen, die das ungesunde Verhalten ersetzen“, meint die Psychiaterin und Psychotherapeutin. Auch können individuelle Möglichkeiten der Entlastung bei starkem Rauchverlangen sowie der Umgang mit Rückfällen erarbeitet werden.

Entzugssymptome können über 2 bis 6 Wochen auftreten – Nikotinersatzprodukte helfen

Mit Beginn des Nikotinverzichts können typische Entzugssymptome, wie Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Schlafstörungen und depressiven Verstimmungen auftreten, die meist mit der Stärke der Nikotinabhängigkeit variieren. Sie können über einen Zeitraum von 2 bis 6 Wochen anhalten. „Entzugssymptome können grundsätzlich auch ohne Medikamente überwunden werden“, meint Dr. Köhler. „Gegen Beschwerden stehen aber auch verschiedene Mittel zu Verfügung, die es Menschen erleichtern können, auf Zigaretten zu verzichten.“ Nikotinprodukte wie Kaugummis, Pflaster, Lutschtabletten oder Inhalers können Entzugssymptome wirksam lindern. Bei sehr stark ausgeprägter Abhängigkeit können auch die verschreibungspflichtigen Medikamente Bupropion und Vareniclin in Erwägung gezogen werden, die das Rauchverlangen dämpfen können. Da sie jedoch nicht frei von Nebenwirkungen sind, muss die Einnahme ärztlich begleitet werden.

Obwohl nahezu alle Raucher von den mittel- und langfristigen gesundheitlichen Gefahren des Rauchens wissen, raucht in Deutschland immer noch ca. ein Viertel der Bevölkerung. Gute Anlaufstellen zur Raucherentwöhnung sind so genannte Raucherambulanzen, die in vielen Städten Sprechstunden und Entwöhnungskurse anbieten. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet auf der Website www.rauchfrei-info.de verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten an – darunter auch ein kostenloses internetbasiertes Entwöhnungsprogramm.

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